Formel 1 - Pirelli: Reifenmassaker ausgeschlossen

Den konservativen Weg gewählt

Entgegen früherer Jahre sollten die Reifen beim Formel-1-Rennen auf dem Circuit de Barcelona keine gewichtige Rolle spielen. Pirelli erntet dennoch Kritik.
von

Motorsport-Magazin.com - Paul Hembery, Motorsport-Direktor Pirellis, zeigte sich nach dem Trainingsfreitag des Formel-1-Wochenendes auf dem traditionell als 'Reifenfresser' bekannten Circuit de Barcelona hochzufrieden. Im Vorjahr aufgrund der extrem aggressiven und somit leicht abbauenden Reifen noch von vielen Fahrern und Teams gescholten, übertrafen die konservativen Modelle der Typen medium und hart in diesem Jahr sogar noch die Erwartungen des Herstellers. Benötigten viele Piloten im Vorjahr vier Stopps, soll die allgemeine Tendenz mit bis zum Rennen deutlich verbesserter Fahrbahnoberfläche nun sogar gegen zwei Boxenbesuche gehen.

Im Vorjahr wurden wir von vielen Seiten angesichts der zu aggressiven Reifen hart kritisiert
Paul Hembery

"Die Reifen müssen in Barcelona traditionell extrem viel Arbeit verrichten, da die Teams stets mit viel Abtrieb fahren, der Asphaltbelag zudem sehr rau und durch das Klima meist sehr warm ist", verrät Hembery. Über die Standfestigkeit der neuen Pneus zeigt sich dieser hocherfreut, auch wenn somit am Sonntag möglicherweise eine Prozessionsfahrt auf dem traditionell nicht für Überholmanöver bekannten Kurs droht. "Im Vorjahr wurden wir von vielen Seiten angesichts der zu aggressiven Reifen hart kritisiert. Für die Turbo-Ära der Formel 1 haben wir auch aufgrund des deutlich höheren Drehmoments der Boliden konservativeres Material produziert, und die Ergebnisse sind wahrlich besser als angenommen."

Wie es in der Formel 1 üblich scheint, findet jedoch auch die neue Reifengeneration schnell prominente Kritiker. Ferrari-Star Fernando Alonso beispielsweise beschwerte sich über die Tatsache, dass die härteren Reifen aufgrund der ohnehin schon geringeren Downforce der neuen Turboboliden nun noch schwieriger auf Betriebstemperatur zu bringen seien. "Meiner Meinung nach ist die Reifenwahl für die Strecke zu konservativ, weshalb wir mehr Probleme hatten als angenommen. Mir fehlte stets Grip und ich bin viel gerutscht, was natürlich viel Zeit gekostet hat." Auch Force-India-Pilot Sergio Perez schlägt in dieselbe Kerbe und schreibt seine langsamen Rundenzeiten zu großen Teilen den nichtfunktionierenden Reifen zu.

Beide Reifentypen für Longruns geeignet - Zeitunterschied dennoch groß

Ein Blick auf die Statistiken des Tages offenbarte, dass sich die betroffenen Piloten möglicherweise jedoch eine längere Fahrt auf den ungeliebten harten Pneus sparen können. So lag die höchste zurückgelegte Rundenzahl auf den Mediumreifen mit 29 sogar über dem Bestwert mit der härtesten Mischung, die Pirelli mit 28 notierte. Im optimalen Arbeitsfenster und frischem Zustand betrug der Unterschied zwischen den beiden Reifenmischungen bis zu 1,2 Sekunden pro Runde.

Wir haben quasi vier verschiedene Reifentypen zur Auswahl, die eine Bandbreite von 19 Strecken mit verschiedenen Anforderungen, Belägen und Witterungsverhältnissen abdecken müssen
Paul Hembery

Zwar versteht Hembery wie auch im Vorjahr den Unmut mancher Piloten, sieht sich und Pirelli jedoch die Hände gebunden. "Wir haben quasi vier verschiedene Reifentypen zur Auswahl, die eine Bandbreite von 19 Strecken mit verschiedenen Anforderungen, Belägen und Witterungsverhältnissen abdecken müssen. Hätten wir zwölf Optionen, könnten wir wohl sämtlichen Anforderungen gerecht werden, aber so ist es ja klar, dass der Fit auf manchen Kursen besser passt als auf anderen. Nach der großen Kritik im Vorjahr bin ich überzeugt, dass wir den richtigen Schritt gegangen sind."


Weitere Inhalte:

Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x