Formel 1 - Ursachenforschung: Ricciardo wieder vor Vettel

Ist das Motor-Mapping schuld?

Einmal mehr war Daniel Ricciardo schneller als Teamkollege und Weltmeister Sebastian Vettel. Die Ursachenforschung läuft.
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Motorsport-Magazin.com - Daniel Ricciardo hat es wieder geschafft: Der Australier landete beim Qualifying zum Großen Preis von China nicht nur vor Teamkollege Sebastian Vettel, sondern war mit einigem Respektabstand auf Lewis Hamilton auch Best of the Rest. Bereits zum dritten Mal in dieser noch jungen Saison qualifizierte sich Ricciardo besser als Vettel.

Im Regen-Qualifying nahm der Australier seinem Teamkollegen eine halbe Sekunde ab. Im letzten Qualifikationssegment war es zwar zunächst Vettel, der die Red-Bull-Fahne hochhielt, doch auf dem letzten Versuch konnte sich der Heppenheimer nicht mehr steigern. Ricciardo hingegen deutlich.

Er selbst war davon sogar am meisten überrascht: "Ich hatte während der gesamten Session Problemen und hatte nicht das Gefühl, dass ich mit dem Wetter zurechtkomme", so Ricciardo nach dem Qualifying.

Gegen Webber dominiert

Mit Mark Webber hatte Sebastian Vettel leichtes Spiel - Foto: Sutton

Mit 17 zu 2 siegte Vettel im vergangenen Jahr im Qualifying-Duell gegen Mark Webber. Vettel ist dafür bekannt, immer dann, wenn es darauf ankommt, alles aus seinem Auto herauszuholen. In diesem Jahr nicht. In Australien hatte der Weltmeister offensichtlich mehr Probleme mit seiner Power Unit als Daniel Ricciardo, seitdem scheinen aber beide technisch mit den gleichen Problemen zu kämpfen.

Nicht ganz, wie Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko erklärt: "Das hat seine Gründe! Sebastian hat mehr Probleme mit dem Motor-Mapping. Daniel hat Glück, dass sein Mapping konstanter ist - das müssen wir an Vettels Auto auch hinbekommen."

Unterschiedliche Mappings

Am Lenkrad können die Piloten zwischen verschiedenen Mappings wechseln - Foto: Sutton

Ein kurzer Exkurs in die Technik der Formel 1: Ein Motor funktioniert nicht einfach so. Er braucht - einfach gesagt - vom Motorsteuergerät penible Anweisungen. Beispielsweise wie viel Benzin eingespritzt werden soll oder wann jede einzelne der sechs Zündkerzen genau den Funken zünden soll. Dafür gibt es unterschiedliche Mappings, also Grundeinstellungen.

Die Piloten können aus dem Cockpit zwischen verschiedenen Mappings wählen. Beispielsweise gibt es Einstellung für Safety-Car-Phasen, wenn nur sehr wenig Leistung benötigt wird und Sprit gespart werden kann, für Qualifying-Runden, wenn der Benzinverbrauch quasi egal ist und so weiter. Diese Mappings sind bei Ricciardo und Vettel scheinbar nicht identisch.

Seit Saisonbeginn tüftelt Red Bull an unterschiedlichen Software-Einstellungen. Um das Leistungsdefizit der Renault Power Unit zu kompensieren, versucht das Weltmeisterteam mit aggressiven Programmierungen mehr Leistung herauszuholen. Scheinbar geht man bei Vettel hier mehr Risiko ein als bei Ricciardo. Was im Optimalfall mehr Maximalleistung bringt, birgt auch Gefahren.

Regen macht Defizite deutlich

Die Fahrbarkeit, also die Art und Weise, wie der Motor seine Leistung abgibt, leidet unter dem aggressiven Mapping. "Bei Regen ist es besonders schwierig, wenn das Ansprechverhalten des Motors nicht gleich ist", führt Marko weiter aus. Drei von vier Qualifyings fanden 2014 bei Regen statt.

Vettel und Ricciardo liegen nah beieinander - Foto: Sutton

Die Leistung von Ricciardo will er aber nicht schmälern: "Es war eine tolle Runde von Daniel, der im letzten Moment zugeschlagen hat und das Optimum aus den Reifen geholt hat." Gleichzeit machte Vettel auf seiner letzten Runde einen kleinen Fehler, der den großen Abstand erklärt.

All diese Faktoren machen es schwierig, einen ehrlichen Vergleich zu ziehen. Ricciardo hat hier den Nachteil des Nobody: Jeder sucht verkrampft nach Erklärungen für etwas, das doch nicht sein kann: Vettel schlagen. Am Ende muss auch Marko gestehen: "Seb und Dani sind mehr oder minder gleichauf." Trotzdem muss sich Red Bull die Frage gefallen lassen, wieso man bei Vettel dieses Risiko eingeht. Der Regen kam schließlich nicht aus heiterem Himmel.

Und auch im Renntrimm scheint Ricciardos Setup besser zu funktionieren, was die letzten Rennen und die Longrun-Analyse bei Motorsport-Magazin.com gezeigt haben.


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