Formel 1 - China GP: Die Streckenvorschau

Schneckenkurve und längste Gerade der Formel 1

Die vierte Station der Formel-1-Saison 2014 wartet für die Piloten mit großen Herausforderungen auf. Der Shanghai International Circuit bietet Action-Garantie.
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Motorsport-Magazin.com - Der Shangahi International Circuit gehört zweifelsohne zu den spektakulärsten Kursen des gesamten Formel-1-Kalenders. In typischer Tielke-Manier verfügt die Strecke über lange Vollgaspassagen sowie einen Mix aus extrem langsamen, mittelschnellen und rasanten, flüssigen Kurven. Insgesamt 56 Runden á 5,45 Kilometer legen die Piloten bei normalem Rennverlauf für die Gesamtdistanz von knapp 305 Kilometern zurück.

Da eine Runde in Shanghai zu knapp 80% aus Kurven besteht, setzen die Teams trotz der längsten Geraden im Kalender von 1,2 Kilometern auf ein Setup mit viel Abtrieb. Besonders im Fokus stehen jedoch die Bremsen, die wie auf keiner anderen Strecke des Jahres belastet werden. Vor allem den bisweilen anfälligen Break-by-Wire-Systemen der neuen Turbo-Boliden steht somit ein Härtetest der besonderen Art bevor.

Eine Runde auf dem Shanghai International Circuit

Mit über 300 km/h erreichen die Piloten das Ende der Start-und-Ziel-Geraden. Direkt im Anschluss folgt eine der schwierigsten Stellen des gesamten Formel-1-Kalenders: Die 'Schneckenkurve'. Rasant am Eingang, wird diese extrem langgezogene Rechtskurve schnell enger und enger und ist somit prädestiniert für zahlreiche Fehler. Am 'blinden' Scheitelpunkt angelangt, wartet direkt die nächste Herausforderung auf die Piloten. Leicht bergab geht es in eine weitere nahezu unendliche 180-Grad-Linkskurve, die optimal durchfahren werden muss, um mit Schwung auf die anschließende Vollgaspassage zu gelangen. Die kurvige Passage zu Beginn der Runde ist dabei eine sehr gute Möglichkeit, die Batterie der hybriden Rennwagen über die MGU-K aufzuladen.

Streckenprofil des Shanghai International Circuit - Foto: Adrivo

Die anschließende kurze Vollgaspassage durch einen leichten Rechtsknick gibt den Piloten die Möglichkeit, kurz durchzuschnaufen. Im Anschluss wird es allerdings erneut happig, denn von knapp 290 km/h bremsen die Boliden in eine rechtsgebogenen Haarnadelkurve, die zugleich den ersten Sektor beschließt. Kurz vor dem Kurveneingang liegt dabei einer der extremsten Bremspunkte des Kurses, ab dem die Piloten ihre Geschwindigkeit auf kürzester Distanz um weit über 200 km/h verringern. Den Kurvenscheitel der Haarnadel optimal zu erwischen ist dabei essentiell, denn direkt im Anschluss geht es für die Fahrer in den sehr flüssigen zweiten Sektor, der trotz zahlreicher Kurven rasant durchfahren wird. Nur mit ausreichend Schwung und starker Aerodynamik kann hier ein großer Zeitverlust verhindert werden. Die körperliche Belastung ist hier deutlich am Höchsten.

Nach den beiden sehr langen flüssigen Kurven geht es für die Fahrer in eine technisch sehr schwierige Sektion der Strecke, die mit einer tückischen Doppel-Linkskurve beginnt. Hier kommt es vor allem darauf an, eine optimale Balance des Rennwagens zu wahren, um den Kurvenausgang in der bestmöglichen Position zu erreichen. Obwohl die Autos in Shanghai trotz langer Vollgaspassagen dennoch größtenteils auf Setups mit viel Abtrieb setzen, wird vor allem dieser Teil der Strecke den Piloten in diesem Jahr ihr ganzes Können abverlangen. So verfügen die hybriden Turboboliden um rund 20% weniger Abtriebsleistung als noch im Vorjahr.

Im Anschluss an die Doppel-Linkskurve folgt nach einem kurzen Geradeaus-Stück eine der Schlüsselstellen der Strecke. Die extrem enge Linkskurve vor dem ersten DRS-Messpunkt bietet Raum für reichlich Fehler, wofür die Piloten mit Positionen bezahlen könnten, falls der Hintermann beim Messpunkt dann innerhalb des ominösen Ein-Sekunden-Fensters liegt. Direkt anschließend geht es für die Fahrer in eine schier endlose langgezogene Rechtskurve, deren Schwierigkeit in der auf- und absteigenden Fahrbahnführung liegt.

Mit rund 250 km/h biegen die Boliden dann auf die mit knapp 1,2 Kilometer längste Gerade im Formel-1-Kalender, an deren Ende der Tacho bis zu 340 Stundenkilometer anzeigen kann. Nicht nur wegen der DRS-Zone kann hier mit zahlreichen Überholmanövern gerechnet werden. Zudem stellt diese Passage die wichtigste Energieaufnahmequelle für die Batterie dar, die hier massiv über MGU-H beladen wird. Am härtesten Bremspunkt der Strecke werfen die Piloten 'die Anker aus', um vor der berüchtigten Haarnadelkurve ihre Geschwindigkeit um über 250 km/h zu reduzieren.

Im Anschluss durchfahren die Piloten auf einem kurzen Geradeaus-Stück den zweiten DRS-Messpunkt. Nach einer schwierig zu nehmenden schnellen Linkskurve auf Start-und-Ziel geht es durch die zweite DRS-Zone des Kurses. Auch hier darf vor der Einfahrt in die 'Schneckenkurve' mit Überholmanövern gerechnet werden.

Anforderungen an die Technik

Von 1 (niedrig) bis 5 (hoch)

Verbrennungsmotor 4
MGU-K 3
MGU-H 4
Batterie 3
Benzinverbrauch 3
Energierückgewinnung 3
Bremsen 5

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