Formel 1 - Sirotkin: Kuriose Schuh-Geschichte in Bahrain

Schmerzhaftes Abenteuer

Sergey Sirotkin hat die Superlizenz fast in der Tasche. Seine F1-Premiere in Bahrain war aufregend - und schmerzhaft. Die kuriose Schuh-Geschichte des Russen.
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Motorsport-Magazin.com - Welch ein denkwürdiger Tag für Sergey Sirotkin: An diesem Dienstag hatte der junge Russe erstmals das Vergnügen, das aktuelle Formel-1-Auto von Sauber bei den Testfahrten von Bahrain auszuprobieren. Besser noch: Im Verlauf des Tages spulte der Nachwuchspilot 76 Runden ab. Das entspricht 411,312 km auf dem Bahrain International Circuit und damit genug, um sich für den Erhalt der Superlizenz zu qualifizieren. 300 km mussten es laut Vorgabe sein. "Jetzt habe ich die nötigen Kilometer, mehr weiß ich aber noch nicht. Aber hoffentlich bekomme ich sie", sagte Sirotkin auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.

Einmal konnte ich nicht mehr zurück an die Box fahren, weil es so weh tat.
Sergey Sirotkin

Kuriose Geschichte am Rande: Sirotkin hatte arge Probleme mit seiner Ausstattung - der Schuh drückte gewaltig! "Meine Schuhe kamen hier nicht an. Die, die ich heute trug, waren zu klein", erklärte der 19-Jährige. "Wenn ich hart bremsen musste, hatte ich Probleme mit den Füßen. Einmal konnte ich nicht mehr zurück an die Box fahren, weil es so weh tat. Jedes Mal, wenn ich auf einer Geraden fuhr, dachte ich: Ooooh, in der nächsten Kurve musst du wieder bremsen. Das war wirklich ärgerlich, deshalb konnte ich leider nicht alle Runden beenden."

Sirotkin muss noch einiges lernen - Foto: Sutton

Das erste Mal

Doch Sirotkin kämpfte sich tapfer durch den Tag und erzielte zum Abschluss die achtschnellste Rundenzeit in Bahrain. Das Schuhproblem soll in Zukunft jedenfalls nicht mehr auftauchen. "Das war für mich das erste Mal mit der ganzen neuen Ausstattung", sagte er. "Normalerweise sagt man eher, dass es Probleme mit dem Auto gab - mein Schuh-Problem lässt sich künftig zum Glück einfach lösen. Aber wir müssen bei solch kleinen Dingen besser aufpassen."

Die Formel 1 ist eben doch eine andere Welt, wie der ambitionierte Russe schmerzlich feststellen musste. Immerhin dürfte ihn das neue Turbo-Auto ausreichend beschäftigt haben, um nicht ständig an die schmerzenden Füße denken zu müssen. Auch hier ging es bei kleinen Dingen los. "Ich habe zum ersten Mal alle Schalter am Lenkrad ausprobiert", so Sirotkin. "Es ging heute darum, diese Erfahrungen zu machen. Die neuen Autos sind völlig anders als die alten F1-Autos und andere Formel-Serien."

Erste Runden in Saubers Turbo-Auto - Foto: Sutton

Upps, Schalter vergessen

Nach einiger Eingewöhnungszeit setzten sogar schon erste Routinen ein. Verständnis war wieder einmal das Zauberwort in der Herausforderung Formel 1. "Wenn man das System einmal verstanden hat, ist es kein Problem", erklärte Sirotkin. "Normalerweise weiß man, wo man bremsen muss und so weiter. In diesem Auto hier habe ich zu Beginn eher darüber nachgedacht: Habe ich den richtigen Gang drin, oder, upps, vergessen, einen Schalter zu drehen. Ich kannte das Lenkrad noch nicht und es war ein bisschen kompliziert, alle Knöpfe darauf zu finden." Mit fortschreitender Streckenzeit sei er immer besser mit der Handhabung des Sauber klargekommen.

Sirotkin wusste, dass die Formel 1 der Neuzeit eine ganz spezielle Angelegenheit ist, vor allem für einen jungen Fahrer, der bislang lediglich einen kleinen F1-Test mit einem älteren Auto gefahren ist. "Ich hatte dementsprechend keine wirklichen Erwartungen", sagte er. "Aber es war heute eine tolle Erfahrung und ich bin viel gefahren. Es lief noch nicht alles perfekt, aber ich habe so viele Informationen erhalten - die muss ich jetzt erst einmal verarbeiten."

Herausforderung: Formel-1-Lenkrad - Foto: Sutton

Von Bahrain direkt nach Monza

Zeit dafür hat er im Flieger auf dem Weg nach Monza, wo am kommenden Wochenende der Saisonauftakt der Formel Renault steigt. Sirotkin ist wieder mit Fortec dabei und muss sich an den im Vergleich zur Formel 1 etwas langsameren Boliden zurückgewöhnen.

"Im Moment ist ganz schön viel los", sagte er mit einem Blick auf seinen prall gefüllten Terminkalender. "Morgen muss ich mich auf das kommende Rennwochenende umstellen, das ist nicht so einfach. Das ist aber nicht besser oder schlechter, sondern einfach eine spezielle Erfahrung."


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