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Formel 1 - Bahrain GP: Die große Renn-Analyse

Safety Car bringt zusätzliche Spannung

Der Große Preis von Bahrain bot viel Spannung und zahlreiche strategische Facetten. Motorsport-Magazin.com analysiert den dritten Saisonlauf.
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Motorsport-Magazin.com - Der Große Preis von Bahrain endete erwartungsgemäß mit einem Doppelsieg von Mercedes. Lewis Hamilton und Nico Rosberg ließen der Konkurrenz nicht annähernd eine Chance und trugen an der Spitze des Feldes ein teaminternes Duell um den Sieg aus. Das Nachtrennen in Sakhir war trotz der Überlegenheit der Silberpfeile jedoch keineswegs eintönig und bot jede Menge Spannung. Motorsport-Magazin.com nimmt den dritten Saisonlauf unter die Lupe.

Mercedes splittet die Strategien

Fahrer1. Stint2. Stint3. Stint
Hamilton19 Runden (S) 22 Runden (S)16 Runden (M)
Rosberg 21 Runden (S)20 Runden (M)16 Runden (S)

Nico Rosberg nahm das Rennen von der Pole Position in Angriff, wurde jedoch schon in der ersten Kurve von Lewis Hamilton überholt. Obwohl sich der Deutsche nach Kräften wehrte, gelang es ihm nicht, den Platz an der Sonne zurückzuerobern. Während beide Mercedes-Piloten auf den weichen Reifen gestartet waren, entschied man sich am Kommandostand, die Strategien beim ersten Boxenstopp aufzusplitten.

Hamilton kam in Runde 19 zum ersten Mal zum Reifenwechsel und wurde erneut mit den weichen Pneus ausgestattet, während Rosberg zwei Runden später die Boxen anlief und die Medium-Reifen bekam. Wie aus dem Diagramm hervorgeht, konnte Hamilton deswegen fortan kontinuierlich schnellere Rundenzeiten fahren und vergrößerte seinen Vorsprung bis zum zweiten Boxenstopp auf knapp zehn Sekunden. Allerdings war der Unterschied zwischen den beiden Mischungen bei weitem nicht so groß, wie die Teams im Vorfeld angenommen hatten - man ging von einer Größenordnung von etwa zwei Sekunden pro Runde aus.

Rosberg kam nicht an Hamilton vorbei - Foto: Sutton

Als das Safety Car in Runde 41 auf die Strecke geschickt wurde, kamen die Mercedes-Piloten unmittelbar hintereinander an die Box und es sah so aus, als hätte Rosberg nun alle Trümpfe in der Hand, um den Grand Prix zu gewinnen - schließlich war Hamiltons Vorsprung nicht mehr vorhanden und jetzt musste der Brite die Medium-Reifen fahren.

Rosberg gelang es nach dem Restart auch, sich mehrfach neben seinen Teamkollegen zu setzen, aber der Brite behielt stets die Nase vorne. Nach einigen Runden konnte sich Hamilton trotz des vermeintlichen Reifennachteils sogar aus dem DRS-Fenster lösen und seinen zweiten Sieg in Folge nach Hause fahren. Laut Paddy Lowe hätte Rosbergs selbst gewählte Strategie auf dem Papier zwei Sekunden langsamer als jene Hamiltons sein sollen.

Perez rettetet den dritten Platz

Die große Überraschung des Rennens war Sergio Perez. Zwar war der Mexikaner von der vierten Position gestartet, doch damit, dass er als Dritter tatsächlich den Sprung auf das Podium schaffen würde, hatten nur wenige gerechnet. Der Force-India-Pilot lieferte sich über weite Strecken des Rennens harte Duelle mit seinem Teamkollegen Nico Hülkenberg sowie den Williams-Fahrern Felipe Massa und Valtteri Bottas, in denen er schlussendlich die Oberhand behielt.

Perez setzte sich gegen Hülkenberg durch - Foto: Sutton

Perez war auf einer Zwei-Stopp-Strategie unterwegs und hatte sich bereits in Runde 34, also vor der Safety-Car-Phase, neue Medium-Reifen abgeholt, mit denen er bis zum Rennende fuhr. Als das Safety Car die Strecke wieder verließ, lag der Mexikaner schon auf dem dritten Platz, musste um diesen jedoch noch hart kämpfen. Zum einen sah er sich Angriffen von Hülkenberg ausgesetzt, die er parieren konnte, andererseits machte der von hinten heranstürmende Daniel Ricciardo Druck.

Der Red-Bull-Pilot war nur eine Runde nach Perez an der Box gewesen und hatte gebrauchte Soft-Reifen aufziehen lassen, die in der Schlussphase des Rennens besser als Perez' Medium-Pneus funktionierten. Sukzessive konnte der Australier den Abstand auf den Mexikaner verringern und hätte der Grand Prix nur eine Runde länger gedauert, wäre wohl Ricciardo neben Hamilton und Rosberg auf dem Podium gestanden. Letztlich rettete Perez den Hauch von vier Zehnteln über die Ziellinie.

Drei-Stopper haben das Nachsehen

Die große Unbekannte im Vorfeld des Rennens war die Boxenstoppstrategie. Die Teams wussten nicht genau, wie sich die Strecke nach Sonnenuntergang entwickeln würde und ließen deshalb offen, ob sie ihre Piloten zwei oder drei Mal zum Reifenwechsel holen würde. Letztlich waren jene Fahrer klar im Vorteil, die nur zwei Mal stoppten - natürlich begünstigt durch den relativ späten Einsatz des Safety Cars.

Aus dem Diagramm geht gut hervor, wer die Gewinner und wer die Verlierer der in Runde 41 beginnenden Safety-Car-Phase waren. In Runde 37 hatten - abgesehen von den Mercedes-Piloten, die de facto außer Konkurrenz fuhren - die Zwei-Stopper ihre Reifenwechsel bereits absolviert, während die Drei-Stopper noch einmal die Boxen anlaufen mussten, was die meisten unmittelbar vor oder während der Safety-Car-Phase taten.

Bei Williams war die Enttäuschung groß - Foto: Sutton

Williams hatte eigentlich nur zwei Stopps geplant, sah sich aufgrund des starken Reifenverschleißes an der Hinterachse jedoch dazu gezwungen, einen dritten Stopp einzulegen - eine verhängnisvolle Entscheidung. Lagen Bottas und Massa in Runde 37 noch auf den Plätzen drei und vier, kamen sie nur als Siebter und Achter ins Ziel. "Wir hätten bei Force India sein sollen und nicht hinter Red Bull", ärgerte sich Massa. "Unsere Pace war besser als die der Red Bull, aber durch die Strategie und das Safety Car sind sie vorbeigezogen."

Ebenfalls drei Stopps absolvierten die Ferrari-Piloten. Während Fernando Alonso zwei Positionen einbüßte, machte Kimi Räikkönen zwar drei Plätze gut, was aber nicht unbedingt ein Resultat seiner Strategie war. Der Iceman profitierte so unter anderem von Jenson Buttons Ausfall und hatte sich vermutlich mehr als den zehnten Platz ausgerechnet.

Vettels Rennen

Vettel ließ Ricciardo ziehen - Foto: Sutton

Der Weltmeister spielte beim Nachtrennen nur eine Nebenrolle. Nachdem er Q3 verpasste hatte, begann Vettel neben Adrian Sutil als einziger Pilot auf den Medium-Reifen, die sich beim Start nicht als so große Hypothek wie befürchtet erwiesen und er keine Positionen verlor. Der Heppenheimer hatte jedoch mit anderen Problemen zu kämpfen. Sein Red-Bull-Bolide war zu tief abgestimmt, darüber hinaus klagte Vettel immer wieder über DRS-Aussetzer.

Daher entschied man sich an der Box, den hinter ihm fahrenden Daniel Ricciardo vorbeizuschleusen, was sich auf die Rundenzeiten des Australiers positiv auswirkte. Weil Ricciardo jedoch jeweils später als Vettel stoppte, fiel er abermals hinter seinen Teamkollegen zurück, konnte Vettel in Runde 49 aber erneut überholen und damit Jagd auf Perez machen. Neben Rosberg waren die beiden Red-Bull-Piloten in der Schlussphase die einzigen, die auf Soft-Reifen unterwegs waren. Dadurch und weil sie nur zwei Mal stoppten, gelang es ihnen trotz schwächerer Pace die Williams-Piloten hinter sich zu lassen.

Der Faktor Top-Speed

Viel war im Zuge des Rennwochenendes über die Motorenleistung gesprochen worden. Der Bahrain International Circuit mit seinen vier Geraden erfordert viel Power, was den Mercedes-befeuerten Teams in die Karten spielte. Dies spiegelte sich auch tatsächlich klar auf der Rennstrecke wider, die sechs schnellsten Piloten hatten eine Power Unit aus Brixworth im Heck. Den Bestwert stellte Felipe Massa mit 335,7 km/h auf. Lewis Hamilton kam hingegen nicht an die Top-Werte heran, da er im gesamten Rennen an der Spitze des Feldes lag und somit nicht in den Genuss von Windschatten kam.

Die Ferrari- und Renault-Teams hinkten erwartungsgemäß klar hinterher, was ihnen das Überholen deutlich erschwerte. So gelang es sogar den McLaren-Piloten, die in keinem übermäßig starken Auto saßen, zahlreiche Angriffe mit spielender Leichtigkeit abzuwehren. "Ein Force India überholte mich ausgangs Kurve acht, das war eine andere Klasse", musste auch Kimi Räikkönen eingestehen.


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