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Formel 1 - Renn-Analyse: Spannung verzweifelt gesucht

Warum war der Malaysia GP so langweilig?

Die Prozession von Sepang: Warum kam am Sonntag so wenig Spannung auf und wieso war Lewis Hamilton so viel schneller als Nico Rosberg?
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Motorsport-Magazin.com - Eine aufregende Show wurde den Fans in Malaysia am Sonntag ja nicht gerade geboten. Die Positionen im Rennen waren rasch bezogen, in der zweiten Rennhälfte gab es kaum Duelle oder Überholmanöver. Warum war es am Sonntag in Sepang so langweilig? Motorsport-Magazin.com macht sich auf die Suche nach dem Gründen.

Strategie der Top-Fahrer

Auf den ersten drei Rängen gab es nach der vierten Runde, in der Sebastian Vettel Daniel Ricciardo Platz drei abluchsen konnte, abseits der Boxenstopps keine Veränderungen. Die Strategie brachte keinerlei Spannung in den nicht vorhandenen Kampf um das Podium, da Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Vettel auf exakt die selbe Taktik setzten.

Fahrer1. Stint2. Stint3. Stint4. Stint
Hamilton15 Runden (M) 18 Runden (M)18 Runden (M)5 Runden (H)
Rosberg 14 Runden (M)18 Runden (M)18 Runden (M)6 Runden (H)
Vettel13 Runden (M)18 Runden (M)18 Runden (M)7 Runden (H)

In Klammer: Reifenwahl (M = Medium, H = Hart)

Alle drei Piloten stoppten je dreimal. Vettel kam stets als Erster, eine Runde später holte Mercedes Rosberg herein und in der Folgerunde Hamilton. Dieser Vorgang hatte zu Folge, dass die zweiten und dritten Stints der drei Fahrer jeweils exakt 18 Runden dauerten. Auch bei den Reifenwahl setzte das Top-Trio auf die gleiche Strategie: Start auf Medium, der dann zwei weitere Male aufgezogen wurde. Die harten Reifen kamen jeweils erst im letzten - kürzesten - Stint zum Einsatz.

Verlauf der Abstände

Trotz der gleichen Strategie wiesen die beiden Mercedes-Fahrer massive Zeitunterschiede auf. Rosberg konnte Hamilton vor allem in den Anfangsrunden nicht folgen und büßte schon in Runde 1 zwei Sekunden ein. Zwei Runden später waren es bereits vier und vor dem ersten Boxenstopp 6,650 Sekunden. "Lewis war heute aber außer Reichweite für mich", gestand Rosberg nach dem Rennen. Toto Wolff konnte die Unterschiede noch nicht genau einordnen. "Wir müssen analysieren, wieso so ein großer Unterschied zwischen den Autos bestand", sagte der Österreicher. Im zweiten Stint verlor Rosberg mit 1,5 Sekunden deutlicher weniger auf Hamilton.

Für wenige Runden kamen sich Rosberg und Vettel nahe - Foto: Mercedes AMG

Zeit verlor Rosberg am Sonntag aber auch beim Ein- und Ausfahren der Boxengasse. Beim ersten Boxenstopp samt In- und Out-Lap büßte Rosberg 1.8 Sekunden auf Hamilton ein, obwohl seine Durchfahrtszeit in der Pit Lane nur um eine Zehntel langsamer (Hamilton 24.604, Rosberg 24:723) war. Dieses Szenario wiederholte sich beim zweiten Stopp in abgeschwächter Form. Hier büßte Rosberg auf Hamilton 0.964 Sekunden ein, obwohl die Durchfahrtszeiten beinahe identisch waren (Hamilton 25.296, Rosberg 25.287). Erst beim letzten Stopp konnte Rosberg Hamilton auf der In- und Out-Lap Zeit abnehmen, da lag der Brite aber bereits über 14 Sekunden voran und das Rennen war längst gelaufen.

Zu Rennmitte musste Rosberg kurz sogar um seinen zweiten Platz zittern. Seine langsame In- und Out-Lap brachte den Mercedes-Piloten gegen Vettel in Bedrängnis. Der erste Stopp kostete ihn 2.4 Sekunden auf den Weltmeister, der zweite sogar 3.2. Damit war Vettel unter einer Sekunde an Rosberg dran.

Allerdings konnte Rosberg nach drei Runden seines dritten Stints wieder die magische Sekunde (wegen DRS) Vorsprung herausfahren. Den endgültigen Todesstoß für Vettels Ambitionen versetzten ihm die Überrundungen. In Runde 41 lagen der Weltmeister und der WM-Leader noch durch 4.750 Sekunden getrennt. Nachdem beide Romain Grosjean und Daniil Kvyat überrundet hatten, was im Falle von Rosberg zwei Runden, bei Vettel vier Runden dauerte, hatte Vettel bereits 8.340 Sekunden Rückstand.

Hülkenberg mit zwei Stopps

Hülkenberg kämpfte am Ende mit stumpfen Waffen - Foto: Sutton

Nur zwei Piloten versuchten das Rennen mit zwei Stopps zu überstehen: Kamui Kobayashi und Nico Hülkenberg. In die Punkteränge schaffte es mit dieser Taktik nur Letzterer. Ein Boxenstopp weniger bedeute am Sonntag rund 25 Sekunden Zeitgewinn. Brachte das Hülkenberg Zeit oder verlor er durch die abgefahreneren Reifen welche?

Hülkenbergs Strategie für den ersten und zweiten Stopp unterschied sich kaum von jener der Top-Piloten. Zum ersten und zweiten Wechsel kam er jeweils nur eine Runde nach Leader Hamilton. Der interessantere Teil von Hülkenbergs Rennen war daher der letzte Stint, den er mit harten Reigen bestritt.

Zu diesem Zeitpunkt war bei Force India klar, dass es um Platz vier gegen Drei-Stopper Fernando Alonso gehen würde. Der Spanier hatte seine Reifenwechsel in den Runden 11 und 27 und fuhr mit dem harten Satz, als Hülkenberg nach seinem zweiten Stopp zurück auf die Strecke fuhr. Nach Runde 35 (Hülkenbergs Out-Lap) betrug der Rückstand auf Alonso 9,965 Sekunden, wobei klar war, dass er seinen Ferrari noch einmal an die Box steuern würde.

Alonso rauschte an Hülkenberg vorbei - Foto: Sutton

Unsere Grafik zeigt den Unterschied in den Rundenzeiten zwischen Alonso und Hülkenberg während dem letzten Stints des Deutschen. Die neuen Reifen brachten dem Spanier in der Anfangsphase zwischen 2,5 und 3,0 Sekunden auf den Deutschen. In der 51. Runde hatte er aufgeschlossen, zwei Runden später überholt. Im Duell zwischen zehn Runden alten Medium-Reifen und 18 Runden alten harten hatte Hülkenberg in den finalen fünf Umläufen gegen Alonso keine Chance.

Die Rundenzeiten von Hülkenberg fielen in den letzten fünf Runden deutlich ab, weil die Reifen am Ende waren. Hätte ein etwas späterer erster und zweiter Stopp im Duell mit Alonso geholfen? Kaum, denn die Medium-Reifen bauten bereits deutlich ab, als der Force-India-Pilot die Box ansteuerte. In der Runde vor Hülkenbergs In-Lap fiel die Zeit um 0,6 Sekunden ab, in jener vor der zweiten um 0,5.


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