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Formel 1 - Longrun-Analyse: Mercedes-Jäger Vettel

Hamilton stärker als Rosberg?

Mercedes ist auch in Malaysia stark. Aber so stark wie in Melbourne? Motorsport-Magazin.com bietet einen ersten Ausblick.
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Motorsport-Magazin.com - Das zweite Rennwochenende der noch jungen Saison begann am Freitag im heißen Malaysia. Der Sepang International Circuit empfängt die Formel 1 mit einer gänzlich anderen Streckencharakteristik als der Albert Park vor zwei Wochen. Aber nicht nur die Strecke selbst, auch äußere Einflüsse und Entwicklungsschübe bringen die Rangordnung durcheinander. Motorsport-Magazin.com analysiert den Freitag in Malaysia.

Top-Favorit Mercedes?

Eigentlich bräuchte man das Rennen in Malaysia gar nicht erst fahren - so der Tenor einiger Experten nach dem Australien GP, zu überlegen fuhr Nico Rosberg der Konkurrenz davon. Beim Blick auf die Trainings-Ergebnisse aus Malaysia rieben sich einige verwundert die Augen: Rosberg fuhr zwar die schnellste Runde, der Mercedes-Pilot war aber nur minimal schneller als Räikkönen und Vettel. Die Konkurrenz rückte auf einige Hundertstel heran.

Dann können möglicherweise auch andere Teams wie Red Bull oder sogar Ferrari ins Spiel kommen und vielleicht sogar gewinnen.
Damon Hill

"Ich würde diese Pace aber nicht mit der Renn-Pace vergleichen, das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge", warnte Pirellis Motorsportchef Paul Hembery umgehend. "Wenn man sich die Daten der Longruns ansieht - da war Mercedes noch immer sehr stark." Die Analyse der Longrun-Zeiten bestätigte das aber nur zum Teil.

Am interessantesten ist der Vergleich zwischen Vettel und Hamilton. Beide fuhren einen Run auf Medium-Reifen. Hamiltons Reifen waren beim Start drei Runden alt, Vettel sechs Runden. Hamiltons Zeiten waren zwar insgesamt etwas schneller - vernachlässigt man die Ausschläge noch oben, dann noch etwas mehr -, besonders groß war der Unterschied allerdings nicht. Berücksichtigt man dabei noch die Tatsache, dass Vettels Pneus drei Runden mehr auf dem Buckel hatten, ist Vettel extrem nah am Silberpfeil dran.

Damon Hill bestätigte diesen Eindruck gegenüber Motorsport-Magazin.com: "Die Strecke ist hier hart zu den Reifen. Hoffentlich kommt es dadurch etwas mehr auf die Strategie an. Dann können möglicherweise auch andere Teams wie Red Bull oder sogar Ferrari ins Spiel kommen und vielleicht sogar gewinnen."

Wo ist Ferrari?

In Melbourne noch im nirgendwo, zeigte Kimi Räikkönen in Sepang erstmals, was er im Ferrari leisten kann. Seine schnellste Runde war nur minimal langsamer als jene von Rosberg. Doch wie sieht es im Renntrimm aus? Die Longruns sahen bereits vor zwei Wochen nicht besonders erbaulich für die Scuderia aus.

Findet Ferrari zurück auf die Erfolgsspur? - Foto: Sutton

Auch hier zeigt sich die Mythosmarke stark verbessert. An die Zeiten von Hamilton und Vettel reicht es aber dennoch nicht heran. Räikkönens Reifen hatten zu Beginn seines Runs bereits sieben Runden zurückgelegt.

Für Williams sieht es hingegen etwas schlechter aus. In Melbourne noch unglücklich ins Hintertreffen geraten und dann unter Wert geschlagen, sind Felipe Massa und Valtteri Bottas in Malaysia nicht ganz so nah an der Spitze dran. Die Defizite im Aerodynamik-Bereich machen sich in Malaysia wegen der zahlreichen schnellen Kurven deutlicher bemerkbar als noch in Australien. Dennoch: Auf Ferrari-Niveau kann Williams im Renntrimm mitfahren.

Der Reifen-Vergleich

Doch nicht nur Vergleiche der unterschiedlichen Autos sind interessant, auch die zwei Reifenmischungen können am Sonntag über Sieg oder Niederlage entscheiden. Ist ein Auto auf den Medium-Reifen stark, bedeutet das noch lange nicht, dass es in Malaysia auch auf der harten Mischung gut ist.

Einige Teams splitteten deshalb ihr Trainingsprogramm. So zum Beispiel Red Bull: Während Vettel mit den Medium-Reifen fuhr, musste Ricciardo die härten Reifen austesten. Und hier bestätigen sich die Aussagen von Hembery. Der harte Reifen ist deutlich langsamer und baut fast identisch wie der Medium-Reifen ab. Weil er aber im Rennen eingesetzt werden muss, müssen die Autos auf beiden Mischungen funktionieren.

Repräsentative Runs sind hier leider Mangelware, aber Hamiltons Run über acht Runden am Ende des Trainings zeigte das Potential des Mercedes. Mit ähnlich alten Reifen wie Button und Ricciardo fuhr der Mercedes-Pilot deutlich schneller als die Konkurrenz von Red Bull und McLaren.

Rosberg oder Hamilton?

Rosberg hat den zweiten Sieg im Visier - Foto: Mercedes AMG

Mercedes wirkt zwar nicht so überlegen wie noch vor zwei Wochen, dennoch macht der Silberpfeil insgesamt noch den stärksten Eindruck. Aber wer macht es? Rosberg oder Hamilton? Hier sprechen die Zeiten zunächst eine eindeutige Sprache: Hamilton ist schneller. Doch nimmt man die Spitzen heraus, die aus unterschiedlichen Gründen, wie Verkehr oder kleineren Fahrfehlern entstehen, lässt sich kein allgemeiner Trend erkennen.

Wie immer ist natürlich Vorsicht geboten am Freitag: Besonders in Malaysia entwickelt sich die Strecke sehr schnell, fällt aber durch heftige Regenschauer ebenso schnell wieder zurück. Und: Weil niemand weiß, wie sich die neuen Power Units entwickeln, will niemand Bauteile schon am Freitag riskieren. Erst recht nicht am Anfang der Saison, erst recht nicht in der Bruthitze von Malaysia.


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