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Formel 1 - Australien GP - Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Melbourne...

... macht ein Australier Australien verrückt, gibt Hamilton den Statistik-Freak, freut sich Alonso über den 1. kleinen Sieg und droht Ärger mit der Freundin.
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1. - S wie Startaufstellung

Keine Überraschung: Ein Mercedes steht auf der Pole. Große Überraschung: Daniel Ricciardo komplettiert die erste Reihe in Melbourne. Der Australier stellte Teamkollege Sebastian Vettel (Startplatz 12) völlig in den Schatten und sorgte für eine kleine Sensation bei seinem Heimrennen. Beinahe hätte es sogar zur Pole gereicht, doch Hamilton setzte sich in letzter Sekunde bei abtrocknenden Bedingungen durch. Mit Kevin Magnussen auf P4 sorgte ein weiterer Youngster für Aufsehen. Der McLaren-Pilot ließ seinem erfahrenen Teamkollegen Jenson Button (Platz 11) ebenfalls keine Chance.

Renault-Kunde Lotus ging völlig unter - Romain Grosjean und Pastor Maldonado starten vom Ende des Feldes. Stattdessen rettete Toro Rosso die Ehre der Franzosen mit Jean-Eric Vergne auf Platz sechs und Daniil Kvyat auf der achten Position. Starker Start der Rookies in die neue Saison. Kimi Räikkönens erstes Qualifying für Ferrari nach der Rückkehr endete mit einem Unfall und Platz 12. 1:0 für Fernando Alonso (P5) im spannendsten Teamduell des Jahres.

Kimi macht den Ferrari kaputt - Foto: Sutton

2. - S wie Start

Die neue Formel 1 sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für Angst. Befürchtungen, dass am Freitag wegen kaputten Power Units kaum gefahren wird, dass die Teams das 3. Training aus Furcht vor stundenlangen Reparaturen sausen lassen sowie unüberwindbaren 107-Prozent-Hürden im Qualifying, bewahrheiteten sich nicht. Nächste Gefahrenstelle: Startaufstellung. Kommen alle Autos vom Fleck? Sorgen durchdrehende Reifen wegen des hohen Drehmoments für Auffahrunfälle en masse?

Die FIA ist vorbereitet: Renndirektor Charlie Whiting hat die Start-Marshalls noch einmal extra instruiert - Startwiederholung bei Problemen durchaus möglich. Vielleicht geht aber auch einfach alles reibungslos über die Bühne - die bislang befürchteten Prognosen traten schließlich auch nicht ein. Knall-Potenzial gibt es in der engen Kurve 1 sowieso ausreichend. Nico Hülkenberg nahm es gelassen: "Es ist mir wurscht was die anderen machen, so lange ich gut wegekomme."

Knallt es am Sonntag beim Start? - Foto: Sutton

3. - S wie Silberpfeil-Power

Wer Geld verdienen möchte, sollte besser nicht auf Lewis Hamilton als Rennsieger wetten. Der Pole-Setter ist bei den Buchmachern haushoher Favorit. Da halfen auch die Versuche des Briten nichts, die eigene Quote in die Höhe zu treiben. "Ihr Journalisten hypt uns die ganze Zeit! Für uns ist es wichtig, keine allzu großen Erwartungen zu haben", schimpfte Hamilton mit der versammelten Medienmeute. Tiefstapeln hat bei Mercedes Tradition, vor allem, wenn die Silberpfeile in die Favoritenrolle gedrängt werden.

Doch was könnte Mercedes auf dem Weg zum Sieg stoppen? Vielleicht Reifen oder Spritverbrauch, wäre nicht das erste Mal in der Silberpfeil-Geschichte. Vielleicht machen sie sich auch selber das Leben schwer nach dem angeblichen Zickenkrieg zwischen Hamilton und Rosberg, der spontan anhand einer ausgelassenen Hochzeitseinladung ausgerufen wurde...

Allein für die Statistikfreunde - Norbert Haug würde sich vor Jubel überschlagen - wäre ein Hamilton-Sieg ein wahres Fest: Hamilton holte am Samstag die 100. Pole eines Mercedes-Motors in der Formel 1 und könnte am Sonntag den 100. Sieg eines Mercedes-Aggregats in der F1-Geschichte folgen lassen. Gleichzeitig war es die 10. Pole für das Mercedes-Werksteam seit 2010. Reicht noch nicht? Wenn Hamilton gewinnt und damit ja in die Punkte fährt, wäre es seine 100. Punkteplatzierung in der Königsklasse - im 130. Rennen.

Hamilton: Sieg für die Geschichtsbücher? - Foto: Sutton

4. - S wie Software

ERS-K, ERS-H, Turbo, Energiespeicher, Verbrennungsmotor, Software - komplizierter könnte die Power Unit der Formel-1-Autos kaum sein. Das bekam am Samstag Sebastian Vettel zu spüren, der mit einem laut Christian Horner unfahrbaren Auto schon im Q2 scheiterte. Licht und Schatten bei Red Bull: Daniel Ricciardo pilotierte seinen RB10 auf Startplatz zwei - obwohl eigentlich geplant war, mit zwei identischen Autos anzutreten. Der Plan zerschlug sich nach dem 3. Training am Samstagmorgen. Das Team stellte bei Vettels Boliden ein Problem mit der Software fest und spielte ein Update auf. Das half aber nur bedingt.

Verflixte Technik: Eigentlich habe Red Bull laut Vettel zwischen Freitag - wo es so gut lief - und Samstag gar nichts verändert. Das kurzfristige Update vor dem Qualifying war dann lediglich eine Verschlimmbesserung. "Beim Versuch, das noch zu lösen, sind wir in immer größere Probleme hineingeschlittert und es war für ihn einfach nicht möglich mit diesem Auto in Q3 zu kommen", sagte Helmut Marko.

Da blickte kaum noch jemand durch, Vettel selbst auch nicht: "In einem Formel-1-Auto gibt es so viel Software und Programmierung - für den Fahrer ist es nicht mehr so einfach zu verstehen, was da genau abgeht." Da kann der Weltmeister nur hoffen, dass zumindest die Ingenieure aus Milton Keynes einen Plan haben und schnellstmöglich die Lösung finden.

Vettel: Software-Drama um den Champion - Foto: Sutton

5. - S wie Spritsparen

Spritspar-Meisterschaft! Halbgas-Formel! Im Vorfeld musste sich die Turbo-Generation eine Menge Kritik anhören. Der Grund ist 100 Kilo schwer. Mehr Benzin dürfen die Fahrer während eines Rennens nicht verbrauchen. Damit tritt ein neuer Faktor auf den Plan, der den Rennverlauf entscheidend beeinflussen kann. Der Albert Park gilt wegen seines Stop-and-Go-Charakters als echter Spritschlucker - rollt der eine oder andere etwa schon vor dem Fallen der Zielflagge aus?

Unsicher, klar ist aber: Die Vollgas-Zeiten sind endgültig vorbei. "Ich glaube ich spreche für alle Fahrer: Wir würden gerne die ganze Zeit Vollgas geben", meinte Kevin Magnussen. "Aber es ist eine neue Herausforderung und knifflig, so effizient wie möglich zu fahren." Dass sich der Sprit-Magerwahn auf die Optik der F1 auswirkt, bezweifelte Fernando Alonso unterdessen: "Ich denke, es wird für die Fernsehzuschauer und die Fans auf den Tribünen schwer zu sehen sein, ob wir Benzin sparen, denn es könnte nur ein Unterschied von einer Zehntelsekunde oder sogar nur einer halben Zehntel pro Runde sein."

Heikel: Sutil-Freundin Jenny Becks am Regen-Samstag im weißen Fan-Shirt - Foto: Sutton

6. - S wie Sonntagswetter

Als ob es nicht gereicht hätte, dass die neue F1-Ära mit Ungewissheiten am laufenden Band aufwartet, spielte am Samstag auch noch das Wetter verrückt. Regnerische Bedingungen sorgten im Qualifying für zusätzliche Action, nachdem es am Freitag noch trocken war im Albert Park. Erste Prognose für Sonntag: Es wird durchwachsen, soll aber trocken bleiben. Doch wer verlässt sich in diesen Tagen noch auf Vorhersagen? Tipp an die zahlreichen Fans an der Strecke: Regenschirm einpacken!

7. - S wie Spannung

Erste Spannungen könnten entstehen, wenn man die nicht Motorsport-affine Freundin/Freund davon in Kenntnis setzt, dass an einem Sonntagmorgen um 07:00 Uhr morgens die Glotze oder der Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com angeworfen wird. Wer diese Hürde gemeistert hat, darf sich aber auf Spannung pur freuen.

Von Anfang bis Ende erwartet den F1-Fan völlige Ungewissheit, was geschehen wird - das wurde in unzähligen Artikeln bereits bestens thematisiert. Aber keine Sorge wegen Stress mit dem Lebensgefährten: Die Formel 1 ist jetzt leise genug, davon wird niemand mehr geweckt - gleichzeitig das einzig Bekannte vor dem Start ins erste Rennen der neuen Turbo-Saison.


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