Formel 1 - Regelkunde: Das Reifen-Wirrwarr 2014

Reifen-Schacherei im Paddock

2014 ist nicht nur auf technischer Ebene extrem kompliziert. Auch bei den Reifen gibt es verwirrende Artikel im Reglement - und Rückgaberechte.
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Motorsport-Magazin.com - Wenn Reifen auf der Strecke nicht mehr die ganz große Rolle spielen, dann zumindest im Reglement. Im vergangenen Jahr drehte sich alles um das schwarze Gold: Vier Boxenstopps hier, Reifenplatzer und fragwürdige Reifentests da. Um ein ähnliches PR-Debakel in diesem Jahr zu verhindern, hat Pirelli in Zusammenarbeit mit den Regelmachern Änderungen vorgenommen. Abgesehen von deutlich konservativeren Gummimischungen strotzt das sportliche Reglement nur so vor Reifen-Paragraphen. Motorsport-Magazin.com bringt Licht ins Dunkle.

Wie viele Reifen gibt es?

Reifen gibt es viele. Pirelli hat sogar so viele davon, dass sie das schwarze Gold verkaufen. Spaß beiseite: 50.000 Reifen stellt Pirelli für die komplette Saison her, 1900 werden zu jedem Grand Prix geflogen. Aber wie viele davon kommen auf die Strecke? Zunächst erhält jeder Pilot für das gesamte Wochenende 13 Sätze Trockenreifen. Da Pirelli mindestens zwei verschiedene Reifenmischungen mitbringt, ist die Zusammensetzung vorgeschrieben.

7 Prime-Sätze und 6 Option-Sätze erhält jeder Pilot. Zusätzlich 4 Sätze Intermediates und 3 der Regenreifen. Doch ganz so einfach ist es nicht: Wenn Pirelli will, bringen die Italiener einfach einen Satz pro Fahrer mehr mit. Dabei wird offengelassen, ob dieser dann weich oder hart ist. Entscheidet sich Pirelli dafür, einen zusätzlichen Satz mitzubringen, müssen die Teams mindestens eine Woche zuvor darüber informiert werden.

Dem Pirelli-Personal wird nicht langweilig - Foto: Sutton

Allerdings muss dieser zusätzliche Satz noch vor dem dritten Freien Training an den Reifenausrüster zurückgegeben werden. Heißt: Es handelt sich um einen zusätzlichen Satz für die ersten beiden Trainings. Die Rückgabe ist übrigens kein Sonderfall: Einer der 7-Prime-Sätze darf nur während der ersten 30 Minuten des ersten Freien Trainings gefahren werden. Das soll sicherstellen, dass trotz grüner Strecke Fahrbetrieb herrscht. Dieser Satz muss noch vor Beginn von FP2 zurückgegeben werden.

Außerdem muss ein weiterer Satz der härteren Mischung noch vor dem zweiten Training zurückgehen. Am Samstag erfolgt dann die vorerst letzte Rückgabe-Aktion: Bis zum Start des dritten Freien Trainings muss ein Satz der weicheren und ein weiterer der harten Reifen zurück zu Pirelli. Wir fassen also zusammen: Ins Qualifying gehen die Pilot mit vier Sätzen Prime und fünf Option.

Neue Qualifying-Reifen

Scheinbar noch immer nicht kompliziert genug. Denn unmittelbar vor Saisonstart wurde ein Q3-Satz ins Reglement aufgenommen. Um den Piloten im letzten Qualifying-Segment keinen Anreiz zu bieten, keinen Anlauf mehr zu unternehmen, um Reifen zu sparen, gibt es eine komplizierte Zusatz-Regel.

Alle Piloten, die den Einzug ins Q3 schaffen, erhalten einen Satz weicher Reifen. Dieser muss aber nach dem Qualifying zurückgegeben werden, starten müssen die besten zehn auf den Pneus, mit denen sie ihre schnellste Zeit in Q2 gesetzt haben. Alle Piloten, die es nicht in das letzte Qualifying-Segment geschafft haben, erhalten ebenfalls vier nagelneue weiche Reifen. Diese können - wann auch sonst - nur im Rennen eingesetzt werden.

Weitere Zusatz-Regeln

Zusätzliche Regenreifen gibt es nicht - Foto: Sutton

Das muss es doch gewesen sein? Nein. Für den Fall, dass sowohl FP1, als auch FP2 unter nassen Bedingungen stattfinden, darf ein Satz Reifen, der normalerweise vor FP3 zurückgegeben werden müsste (Option oder Prime), im dritten Freien Training eingesetzt werden. Vor dem Qualifying geht es aber auch für ihn zurück zum Ausrüster.

Findet eines der beiden Freitags-Trainings im Nassen statt, erhält jeder Pilot vier zusätzliche Intermediate-Reifen. Dafür muss ein Satz der Misch-Reifen vor dem dritten Training zurückgegeben werden.

Aber damit immer noch nicht genug: Um nicht auf spezielle Testfahrten angewiesen zu sein, behält sich Pirelli vor, zu jedem Rennen Experimental-Reifen mitnehmen zu können. Sollte sich Pirelli zu diesem Schritt entscheiden, müssen die Teams ebenfalls eine Woche vor dem Event darüber informiert werden. Jeder Pilot erhält dann zwei zusätzliche Sätze dieser Prototypen, die nur in FP1 und FP2 eingesetzt werden dürfen.

Noch mehr Spezialfälle

Die neuen Regeln wurden auch eingeführt, um Ersatz- und Nachwuchsfahrern den Einstieg in die Königsklasse zu erleichtern. Doch was ist, wenn ein Ersatzpilot drei Sätze im ersten Training verbraucht? Darf der Stamm-Pilot dann trotzdem sein Kontingent ausschöpfen? Nein, die Reifenanzahl ist an das Fahrzeug geknöpft, nicht an einen speziellen Fahrer.

Die Regel, dass in einem Trocken-Rennen beide zur Verfügung stehenden Reifenmischungen gefahren werden müssen, besteht weiterhin. Was passiert, wenn ein Grand Prix abgebrochen wird, ein Pilot aber noch nicht beide Mischungen montiert hatte? Für diesen - zugegeben unwahrscheinlichen Fall - erhält der Fahrer eine 30-Sekunden-Strafe, die auf seine Rennzeit addiert wird.


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