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Formel 1 - Bahrain II: Die 11 Antworten zu den Tests

Gewinner, Verlierer und der Geheimfavorit

Motorsport-Magazin.com liefert die wichtigsten Antworten zu den zweiten Testfahrten: Wer sind die Favoriten, wo kriselt es und wieso bleibt Red Bull in Bahrain?

1. - Wer war der Schnellste in Bahrain II?

An den ersten beiden Tagen dümpelte die Bestzeit im Bereich der mittleren 1:35er-Zeiten herum und Sergio Perez war beide Male der schnellste Mann. Am Samstag startete aber ein Schlagabtausch zwischen Mercedes und Williams, der die Rundenzeiten stark sinken ließ. Zunächst fuhr Felipe Massa eine 1:33.258 auf superweichen Reifen und sicherte sich damit nicht nur die Bestzeit am vorletzten Tag, sondern die schnellste in dieser Saison in Bahrain gefahrene Runde. Nico Rosberg hatte an diesem Tag mit 1:33.484 knapp das Nachsehen gegen den Brasilianer. Am Schlusstag attackierte Lewis Hamilton Massas Bestzeit, blieb auf weichen Reifen mit 1:33.278 aber exakt zwei Hundertstel dahinter. Massas Teamkollege Valtteri Bottas beendete die Testfahrten mit einer persönlichen Bestzeit von 1:33.987 auf dem vierten Platz. Vom Rest des Fahrerfeldes konnte ansonsten nur noch Fernando Alonso (1:34.280 am Sonntag) eine Rundenzeit unter 1:35 Minuten fahren.

2. - Wer war der Rundenkönig in der Wüste?

Rund ein Viertel des Feldes kratzte an der 200-Runden-Marke, ein Trio durchbrach sie sogar: Felipe Massa fuhr in Bahrain II insgesamt 202 Runden, Sergio Perez 213 und Valtteri Bottas als eifrigster Pilot sogar 236. Der Finne spulte am Donnerstag mit 128 Umläufen, das entspricht mehr als zwei GP-Distanzen, auch das höchste Tagespensum eines Fahrers beim zweiten Bahrain-Test ab. An der 100-Runden-Marke scheiterten fünf Piloten: Max Chilton (99), Jenson Button (73), Sebastian Vettel (72) sowie das Lotus-Duo Romain Grosjean (65) und Pastor Maldonado (62). Williams (438) war das Team mit der höchsten Laufleistung, Lotus (127) jenes mit der geringsten.

3. - Wieso strauchelte Red Bull erneut?

Die zweiten Testfahrten in Bahrain waren ein Auf und Ab für Red Bull - mit mehr Talfahrten als Highlights. Daniel Ricciardo erwischte einen schwachen Start am Donnerstag, als er lediglich 39 Runden abspulten konnte und sein RB10 zwischenzeitlich Feuer fing. Noch immer knabbert Red Bull an der Kühlung des neuen Autos, das Probleme an allen Ecken und Enden aufweist. Der Lichtblick folgte bei Ricciardos zweitem Einsatz am Freitag, als er nach 66 Runden die drittbeste Zeit erzielt hatte und die Konkurrenz direkt mit dem Zittern begann. "Die sind verdammt schnell und vorne dabei, wenn sie ihre Probleme in den Griff bekommen", mahnte etwa Jenson Button.

Vettel drehte am letzten Tag erstmals auf - Foto: Sutton

Nach dem Ricciardo-Aufschwung durfte sich Sebastian Vettel zumindest leise Hoffnungen machen, auch ein paar Runden im RB10 drehen zu können, nachdem der Weltmeister wegen Schwierigkeiten bislang kaum zum Einsatz gekommen war. Stattdessen wurde es noch schlimmer. Vettels Bilanz am Samstag: erste Runde mit fast drei Stunden Verspätung, vierte Kurve, Ausfall, nächster Anlauf, in der Boxengasse stehengeblieben, Feierabend. Ein grauenhafter Tag kombiniert aus elektronischen und mechanischen Problemen. Zumindest am Sonntag, dem Letzte-Chance-Tag, konnte Vettel endlich einmal aufdrehen: 77 Runden. Da tat auch der Dreher wegen einer defekten Bremsscheibe zu Beginn des Tages nicht mehr ganz so weh.

4. - Wer gilt als Favorit beim Saisonstart?

Zwölf Testtage später. Viele Runden, viele Probleme, viele Fragezeichen. Wer reist denn nun als Favorit nach Down Under zum ersten Rennen der neuen Saison? Mercedes fällt als erstes Team ein. Die Silberpfeile präsentierten sich bislang am stärksten: Der F1 W05 war nicht nur zuverlässig, sondern auch schnell unterwegs. "Es waren sehr gute drei Tests, unter anderem weil die Standfestigkeit besser war als erwartet", sagte Nico Rosberg, der sich allerdings nicht in die Favoriten-Rolle drängen lassen wollte. Die Silberpfeile mit kleinem Vorsprung, dahinter wird es schon eng: McLaren, Ferrari und Williams ließen ebenfalls erahnen, dass mit ihnen zu rechnen ist.

Mercedes ist top drauf nach den Tests - Foto: Sutton

Der Scuderia gelang es, nicht allzu viel durchsickern zu lassen. Räikkönen und Alonso spulten ihre Runden ab und waren bei den Zeiten meist vorne dabei - ein krasser Ausrutscher nach oben oder unten war nicht zu erkennen. Räikkönen interessierte das sowieso nur am Rande. "Die Rundenanzahl muss nicht das wahre Potenzial zeigen, das in einem Auto steckt", sagte der Eismann. "Es wird sehr viel geredet, vor allem über die Favoritenrolle von Mercedes, aber ich weiß nicht, was wirklich davon stimmt." Williams zählt aktuell zu den spannendsten Teams, gilt die Truppe aus Grove doch bei vielen Experten als Geheimfavorit. Felipe Massa punktete mit der absoluten Bestzeit in Bahrain und war einer der wenigen Fahrer, die sich öffentlich zuversichtlich im Hinblick auf Melbourne äußerten.

5. - Wer war der größte Verlierer der finalen Testfahrten?

Dieser Verlierer-Pokal geht ganz klar an Lotus. Die Mannschaft sorgte tagtäglich für mindestens eine Rot-Phase, am finalen Tag blieb Romain Grosjean sogar zwei Mal auf der Strecke stehen. Dementsprechend gingen die Schotten an allen vier Tagen eher zu und die Fahrer hatten einen ungewollt frühen Feierabend. Insgesamt spulte Lotus 127 Runden an vier Tagen ab, Grund war die immer aufs neue streikende Renault-Power-Unit.

Bei Lotus kriselt es gewaltig - Foto: Sutton

Die geplanten Start- oder Boxenstopp-Übungen wurden von Tag zu Tag weiter verschoben - gleiches galt für eine Rennsimulation. "Wir haben noch nicht einmal die Hälfte oder ein Drittel von dem geschafft, was wir machen wollten", klagte Grosjean. Bei den wenigen getätigten Runs versuchte sich die Mannschaft stetig zu verbessern und sah auch kleine Fortschritte, Grosjean war sich des Rückstandes dennoch wohl bewusst. "Es bedeutet nicht, dass alles verloren ist, oder dass es für uns unmöglich ist zu gewinnen, aber sicherlich sind wir hinter den Zeitplan."

6. - Was steckt hinter den Gerüchten um Vettels Wutausbruch?

Sebastian Vettel soll angeblich beim ersten Test in Jerez einen Wutanfall gehabt und angesichts des Problem-Autos mit Boykott gedroht haben. Diesen Bericht eines britischen Journalisten - der deutlich schrieb, dass es sich nur um Gerüchte handele, aber die Lage bei Red Bull wiederspiegele - ließ das Team nicht auf sich sitzen. Eine sarkastische Antwort kam in Form des Red Bull Spions, dem unbekannten Sprachrohr der Bullen.

So schrieb dieser auf der offiziellen Webseite von Red Bull unter anderem: "Ich nehme an, das könnte wahr sein. Vielleicht hat sich der vierfache Weltmeister wirklich zu einer schreienden Primadonna entwickelt. Vielleicht ist es wirklich passiert, dass Seb aus dem Auto sprang und Schaum vor dem Mund hatte. Er wandte sich mit einer unhöflichen Geste in Richtung Adrian, schnauzte Rocky an, ging auf Ole los und stürmte dann aus der Garage, sattelte sein Einhorn und ritt zurück in die Schweiz." Ein Dementi folgte auch von Teamchef Christian Horner: "Das ist völliger Blödsinn! Bei ihm ist alles gut und er versteht, dass wir Probleme haben. Er versucht dem Team zu helfen, wo er nur kann."

7. - Was hatte es mit der Renault-Homologation auf sich?

Großen Wirbel gab es im Fahrerlager rund um die Homologation der neuen Power Units. Bis Freitagnacht um 24:00 Uhr mussten Renault, Mercedes und Ferrari ihre Motoren bei der FIA vorführen und versiegeln lassen. Damit sind die Aggregate eingefroren und dürfen bis zum Saisonende nur noch in bestimmten Bereichen verändert werden. Da Renault mit seiner Power Unit arge Probleme hatten, wollten die Franzosen angeblich eine Fristverlängerung beantragen, um weiter am Motor arbeiten zu können. Diese sei jedoch abgelehnt worden. Renault-Motorenchef Remi Taffin dementierte, es habe keine Probleme mit der Einhaltung des Zeitplans gegeben. "Zuerst einmal haben wir nicht nach einem Aufschub der Homologation gefragt", so Taffin. "Zweitens kam die FIA zu uns und schaute sich unseren Motor an, um ihn zu versiegeln. Das haben sie gemacht und damit ist das erledigt."

Wie stark ist Ferrari? - Foto: Sutton

8. - Welche Gerüchte ranken sich um Ferraris Motor?

Die Rundenzeiten spielten bei sämtlichen Testfahrten eine untergeordnete Rolle. Stattdessen waren Zuverlässigkeit und Problembehebung angesagt. Trotzdem auffällig, dass an 11 von 12 Testtagen ein Auto mit Mercedes-Power die Zeitenliste anführte. Nur am ersten Testtag in Jerez setzte sich Kimi Räikkönen durch. Das führte dazu, dass gemunkelt wurde, der Ferrari-Motor habe 75 PS weniger als sein Mercedes-Pendant. "Ich habe die Gerüchte gehört, aber letztendlich gebe ich auf diese Art von Gerüchten nichts", sagte Sauber-Pilot Adrian Sutil gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Ich vertraue Ferrari, die haben das immer toll hingekriegt."

Räikkönen wollte sich zu den Spekulationen rund um die Motoren-Power nicht äußern. "Ich habe auf die Konkurrenz nicht geachtet, deshalb kann ich auch kein Urteil abgeben", sagte der Finne lediglich. "Ich kriege die anderen Autos nur zur Gesicht, wenn ich auf der Strecke an ihnen vorbeifahre oder umgekehrt. Daraus kann ich aber nicht schließen, wie viel PS der Motor hat." Ein genaueres Bild über das Kräfteverhältnis der Motorenhersteller wird sich erst nach den ersten Rennen der neuen Saison zeigen.

9. - Warum verlässt Williams Bahrain überglücklich?

Felipe Massa und Valtteri Bottas können voller Zuversicht in die kommenden beiden Wochen vor dem Saisonauftakt in Melbourne blicken. Lediglich einmal blieb der neue FW36 auf der Strecke stehen - die beste Bilanz aller Teams. Auch die Rundenzeiten lassen die Crew vor Selbstvertrauen nur so strotzen. Auf superweichen Reifen brannte Felipe Massa mit 1:33.258 Minuten am Samstag die absolute Bestzeit der Testfahrten in den Asphalt.

Williams gilt als Geheimfavorit - Foto: Sutton

In Sachen Zuverlässigkeit kann Williams ebenfalls einen Haken setzten. Während der zweiten Bahrain-Woche fuhren Bottas und Massa 2.370 Kilometer und damit weit mehr als doppelt so viel wie beispielsweise Weltmeister Red Bull. Positive Vorzeichen für den Saisonauftakt. "Beim ersten Rennen kannst du dir nie zu 100 Prozent sicher sein", sagte Massa. "Aber ich habe das Gefühl, dass diese Testtage nicht nur wichtig dahingehend waren ein Auto zu haben, das die volle Renndistanz schafft - sondern dass wir dort auch eine gute Leistung zeigen können."

10. - Wieso durfte Adrian Sutil am Sonntag nochmal ran?

Eigentlich war die Aufstellung bei Sauber klar: Adrian Sutil und Esteban Gutierrez fahren im Wechsel in Bahrain. Dass sich die beiden aber am finalen Tag abwechselten, war eigentlich nicht geplant. Schuld war der brennende Ferrari-Motor an Sutils Sauber am Samstag. Nach einer Installationsrunde fristete der Deutsche den restlichen Tag an der Box und hoffte, dass seine Mannschaft den Motorwechsel noch rechtzeitig vor der karierten Flagge schafft - vergebens. "Weil wir gestern einen Tag verloren haben, hatte ich heute nochmal die Möglichkeit, den Morgen zu fahren. Da ist alles gut verlaufen, wir konnten endlich mal ein bisschen testen", freute sich Sutil, der so zu weiteren 91 Runden kam.

Sutils Samstag ging in Rauch auf - Foto: Sutton

11. - Wieso ist Red Bull noch nicht aus Bahrain abgereist?

Während der Rest des Feldes nach zwei Wochen in der Wüste zusammenpackt, bleiben die Trucks von Red Bull im Fahrerlager von Bahrain stehen. Das Team absolviert am Montag einen Promo-Tag für Filmaufnahmen des RB10-Boliden auf der Strecke. Das ist nicht verboten, die Regeln besagen lediglich, dass das Auto nicht mehr als 100 Kilometer fahren darf und Demo-Reifen von Pirelli verwendet werden müssen. Vor dem letzten Bahrain-Test hatte der spanische Rennfahrer Pius Gasso von einem angeblich geheimen Red-Bull-Test in Idiada nahe Barcelona berichtet. Antwort aus Milton Keynes: "Wir sind nicht in Idiada!"


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