Formel 1 - Nach Ecclestones Gerichts-Sieg: Böse Folgen?

Nicht vertrauenswürdig - aber erfolgreich?

Bernie Ecclestone geht als vermeintlicher Sieger aus dem Londoner Prozess hervor. Allerdings könnte das Urteil böse Folgen haben. Der Brite nimmt es mit Humor.
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Motorsport-Magazin.com - Bernie Ecclestone ist am Donnerstag vor dem Londoner Gericht ein vermeintlicher Sieg gelungen. Die Anwälte des 83-Jährigen konnten die Schadensklage der Constantin Medien GmbH zunächst erfolgreich abwenden - Ecclestone muss die geforderten 124 Millionen Euro erst einmal nicht zahlen. Constantin hat allerdings umgehend angekündigt, Berufung gegen das Urteil anzukündigen. Was sich möglicherweise negativ auf Ecclestones weiteren Gerichts-Marathon auswirken könnte: Der zuständige Richter bezeichnete den Briten als nicht verlässlich und nicht vertrauenswürdig. Außerdem betonte der Richter, dass es sich bei Ecclestones Zahlungen an Ex-Banker Gerhard Gribkowsky klar um Bestechungsgelder gehandelt habe.

Nun lautet die Frage vor Ecclestones Prozess in München: Welchen Einfluss haben die Aussagen aus London auf dieses Verfahren, das am 24. April beginnt? Ecclestone habe zwar keine Ahnung, gab sich aber gewohnt sorglos. "Ich nehme an, dass der Richter in München seine Feststellungen darauf aufbaut, was er denkt - und nicht, was jemand anders denkt", sagte Ecclestone gegenüber britischen Medien. Einen Seitenhieb gegen die richterlichen Aussagen konnte er sich nicht verkneifen: "Wenn ich unzuverlässig wäre, muss ich ja glücklich sein, so erfolgreich zu sein wie wir es waren."

Selbst wenn ich gelogen hätte und nicht zuverlässig wäre, habe ich in den vergangenen 35 Jahren einen recht guten Job gemacht.
Bernie Ecclestone

Ecclestones Anwälte ließen in einem Schreiben mitteilen, dass der Vorwurf der Bestechung des Londoner High Court nicht bedeuten müsse, dass das Münchner Gericht ähnlich urteilt. Der Beweismaßstab einer Zivilklage - also Constantin gegen Ecclestone - habe einen weitaus geringen Beweismaßstab als ein Strafprozess, also das kommende Verfahren in München. In der bayerischen Hauptstadt muss sich der F1-Zampano wegen Bestechung eines Amtsträgers in einem besonders schweren Fall sowie Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten. Bei Verurteilung droht eine Haftstrafe.

Fraglich auch, welche Auswirkungen die aktuellen Geschehnisse auf Ecclestones berufliche Zukunft haben. Angeblich habe es am Donnerstag zahlreiche Telefonate zwischen F1-Entsheidern und dem Rechteinhaber CVC gegeben. Tenor: Ecclestone, zumindest offiziell bereits von seinem Amt enthoben, sei nicht mehr tragbar. "Ich habe keine Ahnung, ob ich gefeuert werde", so Ecclestone. "Ich habe vor Gericht nicht gelogen. Aber selbst wenn ich gelogen hätte und nicht zuverlässig wäre, habe ich in den vergangenen 35 Jahren einen recht guten Job gemacht. Warum sollte ich damit nicht weitermachen?"


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