Formel 1 - Villeneuve: Formel 1 zerstört sich selbst

17 Jahre ohne Fortschritt

Jacques Villeneuve kritisiert die moderne Formel 1 hart. Nach seinem Rallye-Cross-Einstieg findet er kein gutes Haar mehr an der Königsklasse.
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Motorsport-Magazin.com - Nachdem Ex-Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve am Donnerstag bekanntgab, in der kommenden Saison in der Rallye-Cross Weltmeisterschaft an den Start zu gehen, gibt der Kanadier unaufhaltsam seine Kritik an der Formel 1 zum Besten. Vor allem die neuesten Regeländerungen gefallen Villeneuve ganz und gar nicht: "Ich persönlich halte die Regeln für zu einschränkend - das ist nicht die Formel 1."

Die Formel 1 wird an die Wand gefahren - Foto: Sutton

Dass die Formel 1 durch die beschränkte Benzinmenge nun wieder mehr Gehirnschmalz von den Fahrern abfordert, glaubt der Weltmeister von 1997 nicht. "Es muss ja nicht einmal der Fahrer selbst entscheiden, wie viel Benzin er spart - das wird alles von der Elektronik geregelt." Für den 43-Jährigen ist der Fahrer nur noch Passagier. "Und das verstehe ich nicht. Ich verstehe nicht, was sie mit diesen Regeln versucht haben", kritisierte er im Gespräch mit dem Telegraph weiter.

Zwar würde er den Ansatz, die Formel 1 grüner darzustellen nachvollziehen können, "letztendlich ist sie aber nicht grüner. Es ist nicht die Formel 1. Es ist nur eine Vorstellung, die die Formel 1 ein bisschen zerstört." Die Prognose des Kanadiers: Sollte sich daran nichts ändern, wird es die Formel 1 nachhaltig beschädigen.

Vor allem aber stört Villeneuve die Geschwindigkeit der neuen Boliden. "Die Rundenzeiten [bei den Wintertests] waren kaum schneller als 1997 in Jerez, als wir drei Piloten mit der gleichen Qualifying-Zeit hatten. Und das ist 17 Jahre her. Wenn man nach 17 Jahren nicht schneller fährt, dann ist offensichtlich etwas falsch gelaufen. Das ist nicht der Weg, der eingeschlagen hätte werden sollen. Ich verstehe nicht, wieso es so wichtig wurde, langsamer zu werden."

Ich verstehe nicht, wieso es so wichtig wurde, langsamer zu werden.
Jacques Villeneuve

Der elffache Grand-Prix-Sieger kritisiert aber nicht nur die langsamen Boliden und die zu wenig geforderten Piloten. Für ihn ist der Sport auch zu künstlich und hätte sich in eine 'nicht epische Show' verwandelt. Darin sieht er auch den Grund für das schwindende Zuschauerinteresse. Außerdem sei die Königsklasse nicht zeitgemäß: "Die Interessensspanne der jungen Fans beträgt fünf Minuten oder so. Sie schauen sich ein bisschen davon an und ein bisschen davon. Dann gehen sie ins Internet und nach zwei Stunden haben sie zehn Dinge gesehen. Man kann ihr Interesse nicht für mehr als zehn Minuten gewinnen."

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Alles schlecht - außer Rallye-Cross. Kaum hat Villeneuve eine neue Beschäftigungstherapie gefunden, ist alles andere schlecht. Villeneuve klingt für mich wie ein schlechter Verlierer, der im Nachhinein den Preis ohnehin nie wollte. Natürlich kann und soll man die Formel 1 kritisch hinterfragen, aber alles schlecht zu reden, ist sicher nicht der richtige Weg. Dass für Villeneuve ein Renenn jetzt nur noch fünf Minuten dauern darf, hat bestimmt auch nichts mit Rallye-Cross zu tun... (Christian Menath)


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