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Formel 1 - Red Bulls Test-Debakel: Prominente Vorgänger

Vom Chrom-Krüppel bis zu Laudas Rauswurf

Red Bull hat die Testfahrten in Jerez vermasselt. Die Bullen sind aber nicht das erste Team, das gravierende Test-Probleme hatte. Ein Blick in die Historie.
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Motorsport-Magazin.com - Lange Gesichter und kurze Einsatzzeiten für Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo: Bei Red Bull lief zu Beginn der diesjährigen Testfahrten so gar nichts zusammen. Der neue RB10-Bolide schaffte in Jerez gerade einmal 22 Runden - ein Test-Debakel sondergleichen. Red Bull ist aber nicht das erste Team in der Geschichte der Formel 1, das den Testauftakt in eine neue Saison verpatzt hat. Motorsport-Magazin.com zeigt einige prominente Vorgänger, die sich bei Testfahrten ähnlich schwer taten - und was aus ihnen wurde.

Ferrari 1989

Das ging schief: Die italienische Presse war außer sich. "Ferrari soll das Auto am besten mit halbleerem Tank starten lassen - dann fällt es zumindest in Führung liegend aus", titelten die Gazetten. Was war passiert? Mit dem Ferrari 640 wollte die Scuderia den Glanz früherer Zeiten wieder aufblitzen lassen, doch vor Saisonbeginn lief so ziemlich alles schief. Ferrari konnte mit dem Neuen gerade einmal zwei Testtage absolvieren, und auch da drehte das Auto kaum Runden. Das Problem: Der F640 war seiner Zeit voraus, hatte er doch als erstes F1-Auto der Geschichte ein halbautomatisches Getriebe mit Schaltwippen am Lenkrad. Designer John Barnard benötigte mehrere Jahre, um die revolutionäre Technik ans Laufen zu bekommen, schon das eigentlich geplante Debüt des F640 im Jahr 1988 musste verschoben werden.

Der Ferrari 640 mit Gerhard Berger 1989 - Foto: Sutton

So lief die Saison: Wenn der F640 in den Händen von Nigel Mansell und Gerhard Berger die Ziellinie sah, schaffte er es aufs Podium. Neun Podestplatzierungen und drei Siege standen allerdings 23 Ausfälle gegenüber - nie sahen Mansell und Berger in einem Rennen gemeinsam die Zielflagge. Am Ende der Saison landete Ferrari in der Konstrukteurswertung auf dem dritten Platz.

Jaguar 2002

Das ging schief: Die Gesichter nach Eddie Irvines erster Ausfahrt mit dem R3-Boliden in Barcelona gingen schneller nach unten als das Garagentor der Jaguar-Box - daran konnte auch der hoch dekorierte und eigenes für die Aero-Abteilung aus den USA verpflichtete Mark Hanford nichts ändern. Bereits am ersten Testtag rüstete das Team von Niki Lauda den Boliden zu großen Teilen wieder auf die R2-Spezifikation zurück, um ihn überhaupt fahrbar zu machen. Später räumte das Team arge Verfehlungen in der Arbeit mit dem Windkanal ein.

Jaguar hatte seine lieben Probleme - Foto: Sutton

So lief die Saison: Das spätere Red-Bull-Team schaffte auch in seinem dritten Formel-1-Jahr nicht den erhofften Aufstieg. Irvine und Teamkollege Pedro de la Rosa kämpften mit der Zuverlässigkeit des R3-Boliden - 19 Ausfälle der zwei Autos im Lauf der Saison waren das Resultat. Irvine gelang nur kurz vor Saisonende in Monza mit Platz drei ein starkes Ergebnis. Das Ende vom Lied: Lauda wurde zum Jahresende nach Platz sieben in der Herstellerwertung gefeuert.

McLaren 2003

Das ging schief: Das Grauen hatte einen Namen: McLaren MP4-18. Das Auto aus der Feder von Designer Adrian Newey sollte der radikale Weg zur Weltmeisterschaft sein - so wie von Ron Dennis gefordert. Das Ergebnis: Zahlreiche Unfälle der beiden Piloten David Coulthard und Kimi Räikkönen während der Testfahrten, nicht bestandene FIA Crash-Tests, Überhitzungsprobleme und am Ende die Erkenntnis: Newey war mit dem MP4-18 weit über die Grenzen des Möglichen hinausgeschossen. Das Auto erlebte nie einen Renneinsatz.

So lief die Saison: Der MP4-18 wurde für die Ewigkeit in Woking eingemottet, McLaren setzte stattdessen auf den MP4-17D, eine stark überarbeitete Version des 2002er Boliden. Begann die Saison 2003 unter denkbar schlechten Vorzeichen, ging schließlich der Stern von Kimi Räikkönen auf. Der Finne wurde Vize-Weltmeister hinter Michael Schumacher und besaß bis zum Saisonfinale in Japan sogar Titelchancen.

Foto: Sutton

Lotus 2012

Das ging schief: Nach sieben Runden war Feierabend. Bei den Februar-Testfahrten in Barcelona erwischte es Lotus richtig übel. Beim neuen E20-Boliden sorgte ein Riss im Chassis für das verfrühte Testende - Lotus reiste nach nur einem Tag ab. Eigentlich wollte die Truppe ein Austauschteil aus Enstone einfliegen lassen, doch an diesem Chassis hätte ein ähnliches Problem auftreten können.

So lief die Saison: Kimi Räikkönen schlug bei seinem F1-Comeback richtig ein. Der Finne fuhr mit dem E20 siebenmal aufs Podium und gewann den Abu Dhabi Grand Prix sogar - Platz drei in der Gesamtwertung. Teamkollege Romain Grosjean machte sich in diesem Jahr eher einen Namen als Crashkid und wurde schließlich Achter.

Unschöner Start für Lotus - Foto: Sutton

McLaren 2013

Das ging schief: Als Jenson Button mit dem MP2-28 die Bestzeit beim Testauftakt in Jerez erzielte, schien die McLaren-Welt in Ordnung. Doch schnell stellte sich heraus, dass der aufwendig überarbeitete Chrompfeil gravierende Probleme hat. Die Lösung fand das Team erst nach dem vermasselten Saisonauftakt: Ein Teil der Radaufhängung war falsch herum eingebaut worden, wodurch das Auto zu tief am Boden lag, was sich durch den halbleeren Tank während des Tests aber positiv bemerkbar machte.

So lief die Saison: Der MP4-28 war die Bastelbude der Formel 1. Hier ein Update, dort ein paar neue Teile - und am Ende die Erkenntnis, dass das Auto schlichtweg eine Fehlkonstruktion von Grund auf war. Button und Teamkollege Sergio Perez fuhren nicht ein einziges Mal aufs Podium und resignierten mit jedem Rennen mehr. Absolute Horror-Saison für McLaren.


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