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Formel 1 - So bewerten die Piloten das neue Fahrgefühl

Massive Änderung in jede Richtung

Alles neu macht 2014. Die meisten Piloten sprechen von einem komplett veränderten Fahrgefühl, nur Fernando Alonso tanzt aus der Reihe.
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Motorsport-Magazin.com - Mit großer Spannung wurde erwartet, wie die Formel-1-Autos der Generation 2014 aussehen würden. Welchen Weg würden die Ingenieure einschlagen, rätselten viele Fans. Nun, die meisten Teams entschlossen sich letztlich dazu, dem Reglement mit einer langen, wenig ästhetischen Nase gerecht zu werden und lediglich Mercedes sowie Ferrari sahen davon ab, die Front des Boliden zu verjüngen. So viel zur Gestalt der Autos, doch wie fahren sie sich eigentlich? Immerhin kommt die Power ab sofort von einem 1,6-Liter-V6-Turbo-Motor und nicht mehr wie in den letzten Jahren von einem Saug-Aggregat mit acht Zylindern. Motorsport-Magazin.com hörte sich im Fahrerlager von Jerez um.

Ich habe mich ins Auto gesetzt, bin losgefahren und habe weder in puncto Fahrstil noch Handling einen großen Unterschied gespürt
Fernando Alonso

Nachdem zwei Tage lang Kimi Räikkönen im Ferrari Platz genommen hatte, durfte am Donnerstag endlich Fernando Alonso seine Jungfernfahrt mit dem F14 T vornehmen. "Ich habe mich ins Auto gesetzt, bin losgefahren und habe weder in puncto Fahrstil noch Handling einen großen Unterschied gespürt", gab der Spanier nach 40 Runden auf dem Circuito de Jerez zu Protokoll. Gibt es für die Piloten trotz der umfassenden Reglementänderungen also keinerlei Abweichungen gegenüber 2013?

Schenkt man Adrian Sutil Glauben, ist dem keineswegs so. "Vielleicht sage ich das auch, wenn das Paket mal fertig ist. Ferrari ist schon ein bisschen weiter als wir. Wenn man mal alles drauf hat, wird es sich auch wieder wie ein Formel-1-Auto anfühlen", replizierte er auf Alonsos Aussagen. Der Deutsche drehte am Donnerstag 34 Runden, musste seinen Arbeitstag nach einem heftigen Abflug aber verfrüht beenden. "Es ist ziemlich anders zu fahren, denn das Auto hat wesentlich mehr Drehmoment und kommt ziemlich aggressiv. Es ist ganz anders, weil man jeden Gang spürt", schilderte er seine ersten Eindrücke.

Adrian Sutil muss sich umstellen - Foto: Sutton

Der neue Turbo-Motor verleihe den Piloten deutlich mehr Freiheiten, erklärte Sutil. "Es geht nicht mehr darum, das ganze Drehzahlband auszunutzen. Du kannst ein bisschen früher oder später schalten, das macht nicht mehr so viel Unterschied. Beim V8 musste man immer hochtourig fahren", verdeutlichte er. Hinzukomme, dass nicht mehr sieben, sondern acht Gänge zur Verfügung stehen. "Ich könnte damit fast 400 fahren. Es ist eine massive Änderung in jede Richtung", so Sutil.

Hamilton übt mit Schneemobil

Für Lewis Hamilton beginnen die Änderungen schon bei den Reifen, die von Pirelli überarbeitet wurden und etwas mehr Grip als im Vorjahr bieten sollen. "Sie sind haltbarer. Man kann vielleicht 30 Runden damit fahren und sie bauen viel weniger ab", erklärte der Mercedes-Pilot, merkte aber an, dass die Pneus vor dem Überhitzen weiterhin nicht gefeit seien. "Es gibt keinen angeblasenen Diffusor mehr und auch der untere Heckflügel ist weg - dadurch müssen wir sehr viel Abtrieb zurückgewinnen", fuhr der Brite fort. "Wenn man auf das Gaspedal tritt, ist das Heck viel instabiler, weil es durch das höhere Drehmoment mehr Wheelspin gibt."

Ich habe sogar einen Turbo in mein Schneemobil eingebaut, damit ich mich an das Gefühl gewöhnen konnte
Lewis Hamilton

Was die Wahl der Gänge betrifft, schloss sich Hamilton Sutils Aussagen an. "Wenn wir in der Vergangenheit im zweiten oder dritten Gang durch eine bestimmte Kurve gefahren sind, nutzen wir dort nun den vierten oder fünften", betonte er. "Und dann gibt es auch noch den Turbolader, das ERS... es ist sehr komplex geworden, viel komplexer als es je zuvor gewesen ist. Als Fahrer muss man viel mehr Funktionen ausüben als bislang." Um sich an den Motor heranzutasten, absolvierte Hamilton eine ganz spezielle Wintervorbereitung. "Ich habe sogar einen Turbo in mein Schneemobil eingebaut, damit ich mich an das Gefühl gewöhnen konnte", grinste er.

Noch nicht viel zum Fahren kamen in Jerez die Red-Bull-Piloten, denn der RB10 hat noch mit allerhand Kinderkrankheiten zu kämpfen. Daniel Ricciardo konnte bisweilen lediglich drei Runden abspulen, ist sich aber dennoch sicher, dass sich gegenüber der letzten Saison etwas verändert hat. "Die generelle Arbeit, die wir als Fahrer hinter dem Lenkrad machen müssen, ist die gleiche", sagte der Australier, räumte jedoch ein: "Das Fahren ist etwas anders. Es ist definitiv ein neues Gefühl, wenn die Power kommt, aber nichts Verrücktes, oder etwas, das eine lange Gewöhnungszeit benötigt."


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