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Formel 1 - Medizin-Check Schumi: Vier Wochen im Koma

Prognosen verschlechtern sich

Seit vier Wochen liegt Michael Schumacher im künstlichen Koma. Was passiert mit Patienten wie ihm, wie stehen ihre Chancen? Motorsport-Magazin.com klärt auf.
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Motorsport-Magazin.com - Vier Wochen sind seit dem Ski-Unfall von Michael Schumacher vergangen. Seitdem befindet sich der Deutsche mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma im künstlichen Tiefschlaf. Was in solchen Fällen passiert, ließ sich Motorsport-Magazin.com ausführlich von einem Unfallchirurgen erklären.

Aufwach-Prozedere

Im Normalfall können bei einem Patienten nach 14 Tagen die Narkosemittel abgesetzt werden, da die Schwellungsphase überstanden ist. Im Fall von Schumacher wurden die Narkosemittel erst nach einem Monat abgesetzt. Allerdings wacht der Patient nicht sofort aus dem künstlichen Koma auf. Es handelt sich hierbei um einen langwierigen Prozess, der sich mindestens über mehrere Tage hinzieht. Wenn sich die Verletzungen als extrem schwerwiegend erweisen, kann sich der Prozess des Aufwachens noch länger hinziehen.

Es gilt: einerseits versuchen die Ärzte den Patienten so lange wie möglich im Koma zu halten, um das Gehirn in der kritischen Phase nicht zusätzlich zu beanspruchen. Andererseits versuchen sie, einen Patienten so früh wie möglich aus dem künstlichen Koma erwachen zu lassen.

Prognosen

Über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher gibt es seit 17. Januar nichts Neues. Ein Grund dafür ist, dass Schädel-Hirn-Traumata zu den langwierigsten und am schwersten prognostizierbaren Verletzungen zählen. Schumachers Zustand wurde zuletzt als stabil bezeichnet, doch Fakt: je länger der Komazustand aufrechterhalten werden muss, desto schlechter fallen die Prognosen für den Zustand des Patienten nach dem Koma aus. Viele Patienten müssen wie ein Kleinkind alles neu erlernen. Häufig kämpfen Patienten mit Erinnerungslücken und Konzentrationsstörungen.

Therapie trotz künstlichen Tiefschlafs

Die Therapie besteht im Wesentlichen aus Akutnachsorge und Frührehabilitation. Das Team rund um einen Koma-Patienten kann mitunter Ärzte, Neuropsychologen, Pflegepersonal, Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten umfassen. Letztere absolvieren mit den Patienten trotz des künstlichen Tiefschlafs ein Physioprogramm, damit Gelenke, Muskeln und Sehnen nicht versteifen.

Folgeschäden

Wie viel Schaden bei dem Ski-Unfall entstanden ist und wie sich Michael Schumacher davon erholen wird, können die Ärzte erst sagen, wenn der Deutsche aus dem Tiefschlaf erwacht. Im künstlichen Koma können die Ärzte nicht erkennen, wie gut das Gehirn funktioniert. Mittels CT (Computertomographie) können die Ärzte zwar mögliche Schäden sehen, aber deren Auswirkungen nicht einschätzen. Die Möglichkeit eines apallischen Syndroms ist in Verbindung mit einem Schädel-Hirn-Trauma nicht auszuschließen, allerdings führt nicht jeder massive Gehirnschaden zwangsläufig zu einem apallischen Syndrom (AS).

Unter AS versteht die Neurologie ein Krankheitsbild, das durch eine schwere Schädigung des Gehirns hervorgerufen wird. Dabei kommt es zu einem Ausfall größerer Teile oder sogar des gesamten Großhirns, während die Funktion des Rückenmarks, des Zwischenhirns und des Hirnstamms erhalten bleibt. Wie schnell sich nach dem Akutereignis - im Fall von Schumacher der Ski-Unfall - ein apallisches Syndrom entwickelt, ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Nach einem Schädel-Hirn-Trauma dauert es zumeist etwa zwei bis vier Wochen.

Künstliches Koma

Patienten wie Michael Schumacher, die ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben, werden in ein künstliches Koma versetzt. Damit wird das Hirn 'heruntergefahren'. In diesem Zustand braucht das Gehirn weniger Energie, weniger Sauerstoff, und kann sich damit besser erholen bzw. wird damit nicht weiter geschädigt.

Blutung nach Aufprall

Michael Schumacher war bei Bewusstsein, als die Rettungskräfte bei ihm eintrafen. Der Grund: die Blutung hat in diesem Moment erst angefangen, unmittelbar danach beginnt der Patient 'einzutrüben'. Damit ist auch zu erklären, dass der Deutsche auf die Rettungskräfte verwirrt wirkte. In manchen Fällen treten bei Patienten erst Monate nach dem Unfall Blutungen auf, weil das Blut sukzessive in das Gehirn hineinrinnt - es kommt darauf an, welches Gefäß (ein kleineres, ein größeres, eine Vene, eine Arterie usw.) beschädigt wurde. Im Fall von Michael Schumacher muss es allerdings gewaltig in das Gehirn reingeblutet haben, ansonsten wäre sein Schädel nicht umgehend im Krankenhaus geöffnet worden.

Schweres Schädel-Hirn-Trauma

Bei Michael Schumacher wurde ein schweres Hirn-Schädel-Trauma diagnostiziert, was zur Folge hatte, dass seine Schädeldecke geöffnet wurde. Der Grund: das Blut konnte nicht entweichen und drückte immens auf das Gehirn des Deutschen. Nur durch das Öffnen des Schädels war es möglich, die Blutung zum Stillstand zu bringen und das bereits ausgetretene Blut zu entfernen. Hätten die Ärzte das nicht getan, wäre im Gehirn ein immenser Druck entstanden, der sich dann auf das Rückenmark und die Halswirbelsäule ausgedehnt hätte. In Folge dessen wären sämtliche zentralen Nervenstrukturen abgeklemmt geworden, was den Tod Schumachers zur Folge gehabt hätte.

Nachblutungen

Generell ist es keine gute Prognose, wenn Blutungen und sekundäre Schäden wie bei Michael Schumacher vorhanden sind. Natürlich kommt es darauf an, in welchem Bereich die Blutung auftritt - in der Hirnmasse oder außerhalb an der harten Hirnhaut - und wie groß die Blutung ist. Prinzipiell handelt es sich um eine sehr schwere Verletzung, die meistens Folgeschäden mit sich zieht. Selbst wenn der Patient überlebt, ist er in den meisten Fällen in seinem Wesen nicht mehr derselbe.


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