Formel 1 - Interview - Jonathan Neale: Neues Auto ein extrem harter Job

2014 wird ein Entwicklungswettlauf

McLaren-Managing-Director Jonathan Neale erwartet im Laufe der kommenden Saison Wechsel im Kräfteverhältnis zwischen den Teams.

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2014 steht ganz im Zeichen der Umstellung auf ein neues Reglement. Wie ist der Herangehensweise McLarens?
Jonathan Neale: Wir hatten noch nie zuvor derart gravierende Regeländerungen. Darauf zu reagieren, diese Umstellung zu meistern und gleichzeitig die Performance unseres Autos voranzutreiben war ein extrem harter Job.
Wir sind relative pragmatisch an die Sache herangegangen. Uns ist klar, dass Zuverlässigkeit zu Beginn wichtiger ist als Performance. Die Wintertests und bis zu einem gewissen Maß auch die ersten Rennen, werden nicht dazu da sein, um das Feintuning am Wagen zu erzielen, sondern lediglich um herauszufinden, in welchem Rahmen das Auto funktioniert.
Um das zu erreichen, brauchen wir eine verlässliche Plattform, die gut auf Veränderungen reagiert. Auch die Arbeit der Ingenieure und Designer, die die von der Strecke gelieferten Daten interpretieren müssen, wird wichtiger als je zuvor sein. Der Grund dafür ist, dass dieses Jahr ein Entwicklungswettlauf sein wird. Ich glaube nicht, dass man von dem Siegerauto des ersten Rennens erwarten kann, dass es auch den Kampf um den Titel bestimmt, so wie wir es in den letzten Jahren oft gesehen haben.
Es wird darum gehen, als Team schnell zu reagieren und zu antworten. Wir haben bereits ein Updatepaket, das wir rennbereit machen und wir entdecken im Windkanal oder in CFD ständig neue Dinge. Sobald die Testfahrten losgehen, wird man eine immense Flut an Ideen und Konzepten sehen und das wird über Sieg oder Niederlage in der Weltmeisterschaft entscheiden.

Bei McLaren gibt es aber noch weitere Veränderungen, richtig?

Von einem Team mit einer derart großartigen Geschichte wie McLaren wird ständig erwartet, dass wir Rennen und Weltmeisterschaften gewinnen.
Jonathan Neale

Jonathan Neale: Von einem Team mit einer derart großartigen Geschichte wie McLaren wird ständig erwartet, dass wir Rennen und Weltmeisterschaften gewinnen. Gleichzeitig haben wir aber auch die Verantwortung, das Unternehmen voranzubringen. Genau das werden wir 2014 machen. Einerseits werden wir mit vollem Einsatz und Hingabe an der Strecke kämpfen, andererseits werden wir abseits davon Veränderungen vornehmen, die das Unternehmen langfristig profitabler machen.
Schon im Moment gibt es bei McLaren eine immense Anzahl an Talenten und viel Potenzial, aber es gibt immer noch mehr zu entdecken. Zusätzlich haben wir sehr gute personelle Verstärkungen vorgenommen. Wir freuen uns sehr über die Verpflichtungen von Peter Prodromou und Dan Fallows von Red Bull Racing sowie Ettore Griffini und Ciaron Pilbeam von Lotus sowie mehr als einem Dutzend Top-Ingenieuren, die alle die Kapazitäten und das Potenzial von McLaren erkannt haben.
Nichtsdestotrotz ist das ein langfristiger Prozess und in diesem Jahr wird es darum gehen, McLaren wieder ein eine Position zu bringen, von der aus wir um die Spitzenpositionen kämpfen können.

Was denken Sie über die Piloten Jenson Button und Kevin Magnussen?

Ich denke, dass die Stärke unserer Fahrerpaarung in der Unterschiedlichkeit der beiden Piloten liegt.
Jonathan Neale

Jonathan Neale: Wir alle kennen und mögen Jenson sehr, er ist ein integraler Bestandteil unseren Teams. Kevin hat in den Nachwuchsserien und bei den Formel-1-Tests derartig überzeugende Leistungen geliefert, dass es absolut sinnvoll war, ihn als Rennfahrer zu fördern.
Ich denke, dass die Stärke unserer Fahrerpaarung in der Unterschiedlichkeit der beiden Piloten liegt. Mit Jenson haben wir den inoffiziellen Botschafter der Formel 1 in unseren Reihen. Jemanden, der uns mit einer unvergleichlichen Fülle an Erfahrung versorgt. Das wird uns bei der Verbesserung und Weiterentwicklung des Wagens helfen.
Bei Kevin sehe ich rohen Enthusiasmus und bedingungslosen Arbeitswillen. Seine Ankunft war ein großartiger Motivationsschub für das gesamte Team und ich bin begeistert von der Art und Weise, wie er sich in den Arbeitsprozess eingebracht hat. Er wird natürlich etwas Zeit brauchen um sich zu akklimatisieren, aber wir sind uns sicher, dass er bereit ist für die Formel 1.
Zusätzlich haben wir Stoffel Vandoorne als Reservefahrer, ein weiterer Fahrer dessen Zukunft sehr vielversprechend ist. Er wird eine zunehmend wichtiger Rolle neben unseren zwei Stammpiloten spielen und bei allen Rennen, bei denen die GP2 im Rahmenprogramm fährt, vor Ort ist. Er wird eng in unsere Aktivitäten an der Rennstrecke eingebunden werden.
Ich denke, wir haben ein großartiges Fahrer-Line-Up und das Beste ist, dass jeder Fahrer die anderen motivieren und informieren wird. Das ist eine Win-Win-Situation für das gesamte Team.


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