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Formel 1 - Interview - Lotus CEO: Von wegen Schuldenberge

So viel Negativität - das ist schizophren!

Patrick Louis, der scheidende Lotus CEO, gab Motorsport-Magazin.com eines seiner seltenen Interviews und räumte mit den ständigen Gerüchten auf.
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Motorsport-Magazin.com - Nachdem bekannt wurde, dass Sie als CEO bei Lotus zurücktreten, spielten die Medien sofort wieder das alte Lied vom finanziell angeschlagenen F1-Team.
Patrick Louis: Ich finde es komplett schizophren, wie sämtliche News ins Negative verdreht werden. In punkto Lotus spüre ich das sehr stark. Was meine Person angeht: ich habe mein ganzes Leben lang Betriebe saniert und umstrukturiert - und diese Aufgabe habe ich bei Lotus F1 jetzt abgeschlossen. Sämtliche strukturellen Investitionen und Innovationen wurden in der Firma getätigt, die Strukturen und das Management wurden neu definiert und ich glaube, dass die letzten drei Jahre ganz deutlich zeigen, dass Lotus vom Entwicklungsstand mithalten kann. Wenn man sich 2013 ansieht, dann waren wir das einzige Team, das in der zweiten Saisonhälfte vom Rennspeed konstant nah an Red Bull dran war. Die Konstellation Sebastian Vettel und Red Bull war unschlagbar, aber Lotus ist es gelungen, im Rennspeed Mark Webber, ein sehr guter Fahrer, ab und zu auf die Pelle zu rücken. Das beweist, dass die Intelligenz, der Entwicklungsdrang und die nötigen Entwicklungstools in Enstone vorhanden sind. Für mich ist damit meine Arbeit abgeschlossen. Das Team steht für 2014 auf sehr guten Beinen. Für mich gibt es daher keine Berechtigung mehr, täglich vor Ort zu sein und das wäre für mich auch uninteressant. Dazu gibt es zu viele andere schöne Herausforderungen außerhalb der Formel 1, und innerhalb der Genii Capital, und ich bleibe im Verwaltungsrat des F1 Teams. Diese Schlagzeilen, die gerade als negativ verkauft werden, sind also gar nicht negativ.

Sie alle sollten zuerst in den eigenen Spiegel sehen, ehe sie andere durch den Kakao ziehen
Patrick Louis

Woher glauben Sie, kommt all diese negative Stimmung?
Patrick Louis: Die Formel 1 ist extrem politisch. Ich habe durchaus eine Vorstellung davon, aus welcher Ecke - auch von Seiten der Teams und Journalisten her - das kommt. Sie alle sollten zuerst in den eigenen Spiegel sehen, ehe sie andere durch den Kakao ziehen. Fakt ist, dass die Formel 1 generell finanziell unter Druck steht. Wenn man sieht, wie die Aufteilung des Gewinntopfes, der FOM-Gelder, erfolgt, gibt es heute drei Teams, die proportional viel Geld bekommen, und zwei weitere Teams, die ebenfalls noch extra Geld beziehen - ein Team aufgrund historischer Relationen und das zweite Team, weil sie so abgedrückt haben. Von allen Teams gibt es aber nur drei, denen es finanziell gut geht: Erstens Red Bull, weil Dietrich Mateschitz dort jährlich substantielle Beträge einfliessen lässt, ansonsten wäre die Firma nicht überlebensfähig. Das zweite Team ist Ferrari und da weiß man ganz klar, woher das Geld kommt, unter anderem auch von einem alten Deal der 2014 ausläuft. Und das dritte Team ist Mercedes, wobei Mercedes sehr intelligent vorgeht um über Sponsoren Geld zu generieren. Das sind die einzigen Teams, die finanziell relativ unabhängig sind.

Auch Lotus soll Schulden in der Höhe von 120 Millionen haben.
Patrick Louis: Was diese Schulden angeht, ungeachtet der Beträge die zirkulieren, ist der Löwenanteil gegenüber dem Aktionär. Das bedeutet, es ist die gleiche Hose, aber eine andere Tasche. Ich betrachte Darlehen vom Aktionär in diesem Sinne nicht als Schulden, weil kein Dritter auf Geld warten muss. Auch hier wird in den Medien immer wieder dargestellt, dass Lotus einen riesen Schuldenberg habe, was in dieser Form jedoch nicht stimmt.

Louis redet im Interview mit Motorsport-Magazin.com Klartext - Foto: Sutton

Allerdings werden diese Berichte genährt durch Aussagen wie kürzlich von Testfahrer Davide Valsecchi, der meinte, dass Lotus ihm sein Gehalt von 2013 noch nicht gezahlt habe.
Patrick Louis: Davide bestreitet mir gegenüber schriftlich, ein Interview mit motorsport.com geführt zu haben. Im Fall von Kimi Räikkönen war es die Wahrheit, bei Valsecchi stimmt es nicht.

Bei den Tests in Jerez nehmen wir nicht teil, weil die Progression des Autos in manchen Bereichen langsamer verlief als geplant
Patrick Louis

Lotus gab Anfang des Jahres bekannt, dass man nicht bei den Tests in Jerez vor Ort sein wird und sofort gab es Gerüchte, dass das Team finanziell schlecht dastehe und vielleicht 2014 nicht in der Startaufstellung auftauchen könnte.
Patrick Louis: Das Budget für 2014 ist komplett, somit wird Lotus auch in der Startaufstellung stehen. Es ist sicherlich kein Luxusbudget, über das wir verfügen. Wir müssen konstant nachschauen, wo wir links oder rechts Geld einsparen können. De facto sind die Ausstände 2013 gering und werden im Januar definitiv bezahlt werden. Bei den Tests in Jerez nehmen wir nicht teil, weil die Progression des Autos in manchen Bereichen langsamer verlief als geplant. Das Thema ist die Nase, die nicht korreliert ist. Das gesamte Auto ist von der FIA homologiert, mit Ausnahme der Nase. Dass wir beim ersten Test nicht dabei sind, ist somit rein technischer Natur und nicht finanzieller.

Angesichts des neuen Reglements ist es sicher schmerzhaft, einen Test auslassen zu müssen.
Patrick Louis: Der erste Test ist eigentlich rein für die Mechaniker da, um ihre Sachen und die Mechanik des Fahrzeugs zu überprüfen. Mehr passiert da eigentlich nicht. Wir werden in der Woche nach dem FIA Test zwei Filmtage abspulen, um den Mechanikern die Möglichkeit zu geben, diese Funktionstests vorzunehmen.


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