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Formel 1 - Ferrari und Le Mans: Doppelbelastung zu viel?

Schlechte Erfahrungen gemacht

Ferrari liebäugelt mit einem LMP1-Renner. Doch Le Mans könnte auch zur Doppelbelastung werden - wie in früheren Zeiten.
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Motorsport-Magazin.com - Schon lange gibt es Gerüchte, wonach Ferrari bald wieder einen Le-Mans-Renner in der LMP-1-Kategorie an den Start bringen könnte. Im Oktober wollte die Scuderia gegenüber Motorsport-Magazin.com noch nichts Konkretes sagen, wollte Pläne aber auch nicht dementieren: "Wir hatten auch in der Vergangenheit schon spezielle Projekte, wie zum Beispiel jenes auf Basis des FXX und wir haben viele Ideen, an denen wir im Moment arbeiten. Wie auch immer, es wäre zu früh, um über dieses spezielle Thema [Le Mans] mehr zu sagen", hieß es damals von den Italienern.

Früher oder später werden wir mit einem LMP1-Protoypen nach Le Mans kommen - natürlich, um zu siegen.
Luca di Montezemolo

Inzwischen äußerte sich bereits Präsident Luca di Montezemolo zu möglichen Le-Mans-Plänen äußerst positiv: "Früher oder später werden wir mit einem LMP1-Protoypen nach Le Mans kommen - natürlich, um zu siegen", so der Präsident. "Ich denke bereits seit einigen Wochen über die Möglichkeit einer Rückkehr nach Le Mans nach, und wenn sich das technische Reglement in eine für uns positive Richtung entwickelt, wie ich es auch vermute, werden wir sehr wahrscheinlich dort antreten."

Vor allem die angekündigte Kostengrenze für 2015 könnte Ferrari fast dazu zwingen, an der Sarthe anzutreten. Sollte Ferrari das Formel-1-Budget tatsächlich extrem zurückschrauben müssen, fallen Arbeitsplätze beim Rennstall weg. "Ich kann keine 100 Leute rausschmeißen und sie einfach bitten, sich einen neuen Job zu suchen", versprach Montezemolo. Entsprechend könnte die Mythosmarke zusätzlich eine Le-Mans-Mannschaft fast allein mit derzeitigen Formel-1-Ressourcen stemmen.

John Surtees hat bereits eine Ähnliche Situation bei Ferrari erlebt. Der Brite ging von 1963 bis 1966 für Enzo Ferrari nicht nur in der Formel 1 an den Start. Dreimal startete er auch beim Langstreckenklassiker in Le Mans für das Team aus Maranello. Ferrari betrieb das Engagement damals in beiden Rennserien auf höchstem Niveau. In der Formel 1 holte die Scuderia 1964 beide Titel, in Le Mans siegte sie von 1960 bis 1965 ununterbrochen.

Heute sieht Surtees die Doppelbelastung als großen Nachteil an. "Er [Enzo Ferrari] versuchte verschiedene Dinge gleichzeitig zu machen. Das war sehr schwierig, weil er sich nie ausschließlich auf die Formel 1 konzentrieren konnte, so wie heute", erinnerte sich Surtees bei NBC. "Es lenkte einfach vom Formel-1-Programm ab und hat es deutlich schwieriger gemacht, Rennen in der Formel 1 zu gewinnen."

John Surtees beim Belgien GP 1966 - Foto: Sutton

Vor allem zu Beginn des Jahres habe ihn die Vorbereitung auf zwei Rennserien aus dem Konzept gebracht. "Bei den ersten drei Rennen hatte man Probleme gegenüber den anderen Tams, die den gesamten Winter über unaufhaltsam gearbeitet haben, alle Tests gefahren sind und sich vorbereitet haben. Und um ehrlich zu sein: Wir selbst haben bis zum Rennen in Le Mans an nichts anderem gearbeitet."

Wie ein Engagement bei Ferrari heute aussehen könnte, ist unklar. Dass die Formel-1-Piloten auch beim Langstreckenklassiker ran müssten, darf wohl bezweifelt werden, zumal der Rennkalender heute deutlich umfangreicher ist als zu Surtees Zeiten. Doch auf technischer Seite kann es sehr wohl dazu kommen, dass Ressourcen zwischen den beiden Projekten hin- und hergeschoben werden müssen.

Motor würde passen

Das neue Power-Unit passt auch für Le Mans - Foto: Paolo Filisetti

Doch Surtees Ferrari-Zeit liegt bereits weit zurück. Nicht nur, dass die Struktur der Rennteams nicht mehr mit heutigen vergleichbar ist, auch die technischen Unterschiede zwischen Formel 1 und Le Mans haben sich gravierend geändert. Der Brite hatte in seinen Formel-1-Ferrari-Jahren stets einen 1,5-Liter Motor im Heck, während er in Le Mans deutlich großvolumigere Aggregate fahren durfte. So mussten also nicht nur Chassis und Fahrwerk komplett separat entwickelt werden, sondern auch der Antriebsstrang.

Genau da könnte in der modernen Turbo-Ära der Vorteil liegen: In der Formel 1 sind 2014 1,6-Liter V6-Turbo-Motoren mit einem 120 Kilowatt starkem Energierückgewinnungssystem vorgeschrieben. Diese Aggregate könnten ohne großen Aufwand für Le Mans modifiziert werden. "Der neue Turbomotor, der nächstes Jahr in der Formel 1 eingeführt wird, würde einige interessante Projekte erlauben", gab schon Teamchef Stefano Domenicali zu. Die Laufleistung müsste noch nach oben korrigiert werden, aber im Vergleich früheren Zeiten fallen die Unterschiede marginal aus. Ferrari testete den Motor wohl bereits in einem umgebauten LaFerrari - mit Lufthutze und riesigem Heckflügel.


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