Formel 1 - Pirelli von Red Bull schwer enttäuscht

Unerträglicher Mediendruck aufgebaut

Pirelli-Chef Paul Hembery ist arg enttäuscht vom Verhalten des Red-Bull-Teams in der abgelaufenen Saison. Er wähnt eine mediale Hetzkampagne gegen Pirelli.
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Motorsport-Magazin.com - Der Reifenhersteller Pirelli hat ein sehr bewegtes Jahr hinter sich: Die Kritik an den stark abbauenden Reifen prasselte im Frühsommer auf Paul Hembery und sein Unternehmen aus allen Richtungen ein. Der Pirelli-Chef ist insbesondere von Red Bull schwer enttäuscht, da das Team von Christian Horner eine Medienkampagne gegen Pirelli gestartet habe, so der Vorwurf. Des Weiteren hätten die Teams selbst von Pirelli einen schnell abbauenden Reifen gefordert.

Medial so unter Druck gesetzt zu werden war wirklich enttäuschend.
Paul Hembery

In den letzten Rennen der Saison 2012 hatten sich immer mehr Ein-Stopp-Strategien durchgesetzt, weshalb die Reifen noch einmal weicher gemacht wurden. Dabei schoss man aber über das Ziel hinaus, und zusätzlich sorgte die Delaminierung aufgrund der neuen Reifenkonstruktion dafür, dass Pirelli zu Mitte der Saison auf die alten Konstruktionen von 2012 zurückgriff und zu den meisten Rennen nur noch die härtesten Mischungen ankarrte.

Hembery ist sich sicher, dass Red Bull mit einer Medienkampagne Pirelli in eine schlechte Position gebracht habe. "Das war richtig enttäuschend, denn die Herausforderung ist für alle gleich gewesen. Das ist das Einzige, was [in der ganzen Debatte] wahr gewesen ist", machte der 47-Jährgie gegenüber Autosport seinem Ärger Luft. "Das war der Anfang dessen, was dann zu einem ausgewachsenen Kampf zwischen den Teams darüber wurde, was wir zu tun und zu lassen hätten. Wir sind einfach zwischen den Fronten gefangen gewesen."

Showreifen von Teams so gefordert

Wir sind einfach zwischen den Fronten gefangen gewesen.
Paul Hembery

Insbesondere stört sich Hembery am Verhalten von Red Bull, da diese die Meisterschaft ohnehin dominiert haben. "Sie haben die Meisterschaft überzeugend gewonnen, aber auch den Anstoß zu vielen Kommentaren und Debatten gegeben, die nicht hätten vorkommen dürfen. Wir sind Partner und Wettbewerber und haben immer gesagt, dass wenn uns alle Teams oder der Sport selbst uns dazu anleiten, etwas zu verändern, es auch zu tun. Aber medial so unter Druck gesetzt zu werden war wirklich enttäuschend."

Auch der Grund für die stark abbauenden Reifen solle man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen: "Manchmal haben wir uns wirklich gefragt, ob die Leute einfach vergessen haben, warum wir gewisse Dinge getan haben. Das ist alles ziemlich enttäuschend." Die Show-Reifen sind ausschließlich sowohl von der FIA als auch den Teams gewünscht gewesen. "Wenn der Sport einen nicht vor solchen Situationen beschützt, nachdem man dazu angeleitet worden ist, etwas zu tun, dann muss man sich selbst rechtfertigen", schloss Hembery ab.

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Sicherlich ist Paul Hembery in einigen Punkten zuzustimmen: Erst einen abbauenden Reifen zu fordern und dann in aller Öffentlichkeit auf den Reifenhersteller einzudreschen war nicht die feine Art mancher Teams. Andererseits ist Red Bull aber erst nach der Reifenänderung so dominant geworden wie von Hembery beschrieben. Und dass die Herausforderung für alle Teams gleich sei, stimmt nur eingeschränkt: Ein Gesamtpaket ist nur so stark wie sein schwächstes Glied, und das waren zu oft die Pirelli-Reifen. Wenn die Vorstellung des Pirelli-Chefs von gleichem Wettbewerb so aussieht, dass ein überlegenes Auto nur so schnell fahren darf wie ein langsameres, dann hat er den Sport wohl falsch verstanden.(Heiko Stritzke)


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