Formel 1 - Doppelte Punkte: Spuk im Januar vorbei?

Ecclestone geht volles Risiko

Die doppelten Punkte für das Saisonfinale könnten bereits im Januar wieder abgeschafft werden, glaubt Bernie Ecclestone. Er hat aber seine ganz eigene Agenda.
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Motorsport-Magazin.com - Das neue System, das doppelte Punkte für das Saisonfinale in Abu Dhabi vorsieht, könnte bereits im Januar wieder gekippt werden, wenn sich die Strategy Group der Formel 1 wieder trifft. Die Maßnahme, die vorzeitige WM-Entscheidungen so schwierig wie möglich machen soll, fand fast nirgendwo Anhänger und wurde von Fans wie auch Beteiligten scharf kritisiert. Bernie Ecclestone glaubt nicht, dass das System so beibehalten wird. Doch man höre und staune: Der 83-Jährige würde den zuletzt beschlossenen Modus lieber dahingehend austauschen, dass es gleich für die letzten drei Rennen doppelte Punkte geben soll.

"Es sieht derzeit so aus, als würde die jetzige Regel beim nächsten Treffen abgeschafft werden", sagte Ecclestone gegenüber dem Daily Telegraph. Doch seine Idealvorstellung dürfte den Fans die Kehle zuschnüren: "Ich denke, es sollten die letzten drei Rennen sein oder gar nichts. Meine Präferenz wäre, die letzten drei Rennen doppelt zu bewerten. Das würde bedeuten, die Meisterschaft würde für jeden bis zum Ende spannend bleiben - Fans, Presse und Fernsehen." Zusätzlich fühlt er sich dadurch bestärkt, dass es bislang keine Beschwerden der übrigen Streckenbetreiber gegeben habe, dass ihr Rennen nur noch die Hälfte wert sei.

Ecclestones Vorschlag mehrerer doppelt bewerteter Rennen wurde bereits auf dem vergangenen Meeting besprochen. Demnach stellt das doppelt bewertete letzte Rennen lediglich eine Kompromisslösung dar, nachdem zunächst die vier letzten Rennen doppelt bewertet werden sollten. Ecclestone wird nun versuchen, Verbündete zu finden: Seine CVC hält ein Drittel der Sitze in der Strategy Group. Er muss nun entweder einige Teams oder die FIA auf seine Seite ziehen.

Das sagen die Formel-1-Experten

Motorsport-Magazin.com Experte Christian Danner spricht Klartext: "Meiner Ansicht nach ist diese Regeländerung hirnverbrannt." Danner sieht dringlichere Probleme in der Königsklasse als doppelte Punkte beim Finale. "Die FIA hat übertrieben, indem sie versucht, Abu Dhabi zum Superbowl der Formel 1 hoch zu stilisieren. Es ist 1 von 19 Rennen und als letztes Rennen kann es titelentscheidend sein. Ich halte es für ungut, da eine künstliche Veränderung bewirken zu wollen."

Auch der frühere Mercedes Motorsportchef Norbert Haug ist kein Freund des neuen Punktesystems. "Ich halte nichts von dieser Idee und hoffe im Sinne des Sports und seiner Interessierten, dass sie revidiert wird", sagte Haug auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Wenn beim Fußball vorgeschlagen würde, beim letzten Spiel der Saison für ein Tor zwei zu geben hielte man das für einen mäßig gelungenen Aprilscherz."

Besonders blumig in seiner Wortwahl war wie immer Ex-F1-Pilot Eddie Irvine. Er schimpfte: "Wir reden hier von Glamourwelt-Bullshit!" Mercedes-Pilot Nico Rosberg ist ebenfalls gegen das überbewertete Finale in Abu Dhabi, ihm gefällt jedoch Ecclestones Idee mit drei oder vier Rennen am Saisonende, die höher bewertet werden. "Ich hätte eher überlegt, ob man das nicht so ein bisschen Stefan-Raab-mäßig staffelt", sagte er in Anspielung auf die Samstagabend-Show, bei der die Punkte von Spiel zu Spiel ansteigen. "Dass man also Richtung Saisonende ein paar Rennen hat, wo es immer mehr Punkte gibt. Das wäre vielleicht eine Möglichkeit gewesen."

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Spannungs-Bernie schlägt wieder über die Stränge: Nach Abkürzungen und künstlichen Bewässerungen nun also doppelte Punkte bei den letzten drei Rennen. Warum nicht gleich die Punkte exponentiell über die Saison erhöhen? Dann sollte sich aber niemand mehr fragen, warum beim ersten Rennen plötzlich die Hälfte des Feldes nach fünf Runden an die Box kommt, um den Motor zu schonen. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass die unpopuläre Regel vollständig gekippt wird. Die Idee wird eines Tages vermutlich in einem Atemzug mit den oben genannten Hirngespinsten Ecclestones genannt werden.(Heiko Stritzke)


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