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Formel 1 - Interview - Adrian Sutil & seine Reifenmisere

Momentan ist es eine Reifenmeisterschaft

Force India-Pilot Adrian Sutil macht gegenüber Motorsport-Magazin.com seinem Ärger über die Pirelli-Reifen Luft.
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Motorsport-Magazin.com - Das Qualifying verlief für dich nicht so einfach - und dann hat man dir die letzte Runde auch noch geklaut.
Adrian Sutil: Stimmt, mit den gelben Flaggen lief es nicht optimal für mich. Aber ich bin ein ehrlicher Mensch und die Wahrheit ist, dass wir im Moment einfach nicht konkurrenzfähig sind. Es gab Stellen, wo es trocken war und das Auto zum Arbeiten anfing und richtig gut war. Wenn es ein bisschen regnet, ist es noch okay. Aber wird es dann mehr, geht es bei uns in den Keller. Es ist momentan ein Hoch und Runter - und wir wissen nicht, was wir machen sollen. Es ist ganz, ganz komisch. Mit den Bridgestone Reifen gab es nie Probleme. Man hat den Reifen auf's Auto gepackt und er funktionierte immer. Damals kam es auf den Fahrer an, im Moment ist das hier eine Reifenmeisterschaft. Es hat nichts mehr mit dem Fahrer zu tun. Man sieht auch, dass vorne immer die gleichen stehen - und zwar die Top-Teams, die alle Mittel haben. Früher gab es hier und da Ausreißer, das gibt es jetzt nicht mehr.

Mit den Bridgestone Reifen gab es nie Probleme. Man hat den Reifen auf's Auto gepackt und er funktionierte immer.
Adrian Sutil

Du meinst also, dass du den Reifen nur mit sehr viel Anpressdruck zum Arbeiten bringst.
Adrian Sutil: Es kann sein, dass das hilft. Wir haben in der F1 einige Regenspezialisten, aber irgendwie haben sie alle keine Chance. Früher stand mal ein Williams oder ein Force India wie ich 2009 ganz vorne, aber heute ist das alles nicht mehr möglich. Fakt ist, dass bei uns die Reifen nicht richtig funktionieren und das ist auf weniger Anpressdruck zurückzuführen - das alles ist wieder mal nur für die Top-Teams gemacht.

Als Fahrer kann man überhaupt nichts mehr tun?
Adrian Sutil: Wir versuchen irgendwie Temperatur zu generieren. Manchmal macht man es besser, manchmal schlechter - das ist so ein Kreis, der es einen nicht erlaubt sich zu verbessern.

Heißt das, dass Paul eine bessere Runde erwischt hat?
Adrian Sutil: Ja, genau. Paul hat eine Runde zu Beginn bekommen. Ich hatte etwas Verkehr. Wir hatten im Fahrerbriefing mit Charlie [Whiting] besprochen, dass auf der Aufwärmrunde nicht mehr extrem langsam gemacht wird. Doch Romain blieb auf der Strecke stehen - das war eine extrem gefährliche Situation. Massa kam gerade angeflogen, hat ihn auf der letzten Rille überholt und dabei hätte es fast zwischen den beiden gekracht. Das war eine Situation, die nicht hätte sein müssen. Charlie wollte es zu den Stewards bringen, das ist aber bisher nicht geschehen.

Es sind hier einfach Fahrer unterwegs, die statt drei Sekunden einen Abstand von zehn Sekunden lassen
Adrian Sutil

War das dieser Dreier-Stau, von dem auch Nico Hülkenberg gesprochen hat?
Adrian Sutil: Genau. So eine Situation hat mir in Austin auch das Qualifying ruiniert - zusammen mit der Bremsscheibe. Es sind hier einfach Fahrer unterwegs, die statt drei Sekunden einen Abstand von zehn Sekunden lassen. Das ist unnötig. Aber so lange sie damit durchkommen, werden sie es immer wieder machen.

Du hoffst, dass es morgen trocken ist?
Adrian Sutil: Trocken ist unsere einzige Chance, denn im Regen klappt es einfach nicht. Ich werde mich heute noch einmal hinsetzen und irgendwie versuchen das Reifenthema besser hinzukriegen. Wir haben gute Leute bei Force India und vielleicht können wir mit den Reifendrücken etwas ändern, damit wir wenigstens über die Distanz gut sind.

Zum Saisonabschluss wäre ein Punkt schon noch nett, oder?
Adrian Sutil: Ja, das wäre super. Ziel ist natürlich, den sechsten Platz in der Konstrukteurswertung zu verteidigen, aber da haben wir gute Chancen.


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