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Formel 1 - Interview - Christian Danner spricht Klartext

Spitzenvertreter der jungen Generation

Romain Grosjean und Nico Hülkenberg waren die Glanzlichter in einem müden Rennen. Christian Danner analysiert mit Motorsport-Magazin.com die Stars der Zukunft.
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Motorsport-Magazin.com - Dass Sebastian Vettel gewinnt, ist ja fast schon normal, aber dass Romain Grosjean so starke Rennen fährt wie in Austin, das überrascht immer noch viele. Dich auch?
Christian Danner: Es überrascht mich nicht mehr - aber ich war wirklich beeindruckt von seiner Leistung. Webber so lange hinter sich zu halten, der ja die ganze Zeit Druck gemacht hat, das war sicher nicht einfach - und das hat er ja auch zugegeben. Aber er hat das wirklich klasse gemacht. Man muss eines sagen - Grosjean hat in seiner ganzen Karriere, in welcher Serie, in welchem Auto auch immer, eine eindeutige Marke hinterlassen. Er war immer extrem schnell. Ich kann mich erinnern, wie ich mal zusammen mit Franz Tost ein GP2-Rennen angeschaut habe und wir uns beide sofort einig waren: Den würden wir nehmen.

Es überrascht mich nicht mehr - aber ich war wirklich beeindruckt von seiner Leistung.
Christian Danner

Wahrscheinlich hätte es seiner Karriere wesentlich besser getan, wenn er 2009 seine GP2-Saison bei Addax zu Ende gefahren wäre und dann 2010 in Ruhe in die Formel 1 eingestiegen wäre, und nicht so mittendrin 2009. Aber er hat diese Situation, wo man ihn ziemlich gegen die Wand hat laufen lassen, ihn gleich wieder rausgeschmissen hat, überstanden, dann auch das Jahr 2012 mit den vielen Crashs, der Sperre... Grosjean hat wirklich schon einiges hinter sich, woran andere zerbrochen wären, ihr Selbstvertrauen verloren hätten. Dass er das alles überwunden hat, daraus gelernt hat und jetzt immer stärker wird und sein Talent auch ausspielen kann, das ist schon stark...

Wenn nicht Webber, sondern Vettel hinter Grosjean gewesen wäre, wäre der vorbei gekommen?
Christian Danner: Kann gut sein... Aber Mark ist ja auch zehn Jahre älter. (lacht) Das ist ja fast so wie zwischen mir und dem Niki, dieser Unterschied.

Hülkenberg ließ Alonso hart für seine Punkte arbeiten - Foto: Sutton

Ist Nico Hülkenberg, der ja auch wieder ein sehr starkes Rennen fuhr, genauso gut?
Christian Danner: Ja, ganz sicher, die sind beide Spitzenvertreter einer jungen Generation, rein altersmäßig ist das ja noch die Vettel-Generation. Nico Hülkenberg hat auch wieder einen super Job gemacht, die Attacke auf Alonso in der letzten Runde war klasse. Es ist schon toll, zu sehen, wie da ein paar junge Piloten am Werk sind, die unglaublich stark sind, auch fit im Kopf, die genau wissen, was sie wo tun müssen, wie sie sich Gegner zurecht legen... Es ist kein Wunder, dass Lotus eigentlich gerne Hülkenberg hätte - auch wenn sich ja inzwischen abzeichnet, dass das eher nicht passieren wird, dass doch eher Maldonado mit seinen Öl-Millionen da hingeht. Aber mit Grosjean und Hülkenberg hätten sie halt wirklich die Top-Jungs - die, die eigentlich in den Top-Autos fahren sollten, auch bei Ferrari, bei McLaren...

Könnte Maldonado, wenn er bei Lotus landet, auch noch zumindest in die Nähe dieser Liga kommen?
Christian Danner: Nach allem, was ich so höre, ist Pastor vor allem deshalb ein Problemfall, weil er halt doch einen sehr exzentrischen Fahrstil hat, wo sich die Ingenieure nachher wundern, wie er da noch irgendwie um die Ecke gekommen ist. Wenn er ein Auto hat, das dazu passt, wie es wohl letztes Jahr zeitweise gewesen ist, dann kann das funktionieren. Grundsätzlich muss man sagen: Wenn jemand die GP2 und einen Grand Prix gewinnt, dann muss er eigentlich eine gewisse Grundschnelligkeit und ein gewisses Talent haben. Und wenn es gelungen ist, einen Grosjean nach all den Crashs, Zwischenfällen und der Sperre letztes Jahr so zu führen und zu leiten, dass er da raus kommt und jetzt diese Leistung bringt, dann könnte ja mit Maldonado vielleicht auch noch was gehen. Aber es liegt natürlich immer auch an der Person selbst, wie jemand bereit ist, zu lernen...

Es ist kein Wunder, dass Lotus eigentlich gerne Hülkenberg hätte.
Christian Danner

Das Rennen an sich war nicht gerade das interessanteste - was erzählst Du dann eigentlich noch, wenn Du eineinhalb Stunden kommentierst?
Christian Danner: Also erst einmal: Das war natürlich ein Zeichen, was passiert, wenn Pirelli auf Nummer Sicher geht und harte Reifen mitbringt, sodass alle mit nur einem Boxenstopp die gleiche Strategie fahren. Wenn es wirklich so kommt, dass das nächstes Jahr Standard wird, weil Pirelli eben nicht mehr das Risiko eingehen will, wieder zur Zielscheibe allgemeiner Kritik zu werden, dann können wir uns schon mal darauf einstellen, dass wir mindestens 15 solcher Rennen erleben werden. Und dann werden die, die jetzt immer auf Pirelli eingeschlagen haben, wieder los schreien.

Das zweite: Was für mich ziemlich interessant war, dass ich mich in dem Rennen mal wieder auf Details konzentrieren konnte, wie eben einzelne Fahrer ein Überholmanöver vorbereiten, wer das kann, sich den Gegner gleich richtig zurecht zu legen, wie eben zum Beispiel Hülkenberg, und wer sich da noch deutlich schwerer tut, wie zum Beispiel Gutierrez. Auch solche Sachen, wie zum Beispiel versucht wird, durch unterschiedlichen Einsatz von KERS neue Möglichkeiten zu finden, sind interessant - und sich mal darauf konzentrieren zu können, weil es nicht dauernd Überholmanöver gibt, kann auch mal Spaß machen.

Vettel kann es einfach nicht lassen: Schnellste Runde! - Foto: Sutton

Spaß hat auch gemacht, wie Sebastian Vettel unbedingt wieder die schnellste Rennrunde haben wollte und damit in der DHL Fastest Lap Trophy endgültig alles klar gemacht hat.
Christian Danner: Ja, da wollte er offensichtlich nichts dem Zufall überlassen und schon mal alles klarmachen, vor Brasilien, dort keine große Rechnerei mehr haben, ob Webber vielleicht doch noch gleichziehen könnte, wer dann wie viel zweitschnellste Runden hat... Jedenfalls hat er es mir damit auch leichter gemacht, ich kann mir dann schon vorher mal überlegen, was ich ihm sage, wenn ich ihm in Interlagos die Trophäe überreiche. Aber es kommt natürlich noch etwas anderes dazu: Sebastian will diese schnellsten Runden auch, um den anderen gegenüber ein Zeichen setzen. Um zu zeigen, dass er noch wesentlich schneller könnte, wenn er wollte, um die Gegner ein bisschen zu demoralisieren, und das funktioniert ja auch. Der Grosjean hat mir gesagt, dass er richtig stolz gewesen sei, als er seine 40,2 gefahren ist - "und dann fährt Sebastian prompt 39,8 - ich war richtig frustriert..."

Meinst Du, dass es Sebastian eigentlich manchmal nervt, wenn ihm sein Renningenieur dann immer sagt, er sollte vorsichtig sein?
Christian Danner: Ich glaube eher, dass das schon ein Running Gag zwischen den beiden ist, dieses Geplänkel um die schnellste Runde gegen Rennende, dass das keiner mehr so richtig ernst meint und nimmt. Rocky weiß ganz genau, dass Sebastian es sowieso machen wird, aber er weiß auch, dass der schon weiß, was er tut. Und Sebastian weiß, dass Rocky pro forma wieder meckern wird - und amüsiert sich höchstens drüber.


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