Formel 1 - Kevin Magnussens Vater Jan: Schlampiges Genie

Der Beste seit Senna

Jan Magnussen stand einst eine große Karriere bevor, doch der Däne verschenkte sein Potenzial. Sohn Kevin tritt nun bei McLaren in seine Fußstapfen.
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Motorsport-Magazin.com - Kevin Magnussen konnte sein Talent im Formel-1-Boliden bislang lediglich bei den Young Driver Tests unter Beweis stellen, doch McLaren ist überzeugt: Der Junge ist verdammt schnell. Offenbar schnell genug, um nicht mehr auf Sergio Perez' Dienste in der Saison 2014 zu vertrauen, in der Feedback dank der neuen Regeln ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist. Kevin Magnussen tritt im kommenden Jahr in die Fußstapfen seines Vaters Jan, der ebenfalls aus dem Nachwuchsprogramm von McLaren entsprang und einst in den Chrompfeil stieg - wenn auch nur bei einem einzigen Rennen. Am 22. Oktober 1995 startete er für den Traditionsstall als Ersatz für Mika Häkkinen. In seinem ersten Formel-1-Rennen schaffte es Magnussen beim Pacific Grand Prix im japanischen Aida auf Platz 10.

Was nach einem äußerst verheißungsvollen Start klang, sollte sich nicht bestätigen. Magnussen startete bei insgesamt 25 Grand-Prix-Wochenenden, 1997 und 1998 fuhr er für das damalige Neueinsteiger-Team Stewart Grand Prix unter der Leitung von Paul Stewart, dem Sohn von F1-Legende Jackie Stewart. Im Alter von gerade einmal 24 Jahren war Magnussens Karriere in der Königsklasse weit früher beendet als ursprünglich erwartet. 1998 bestritt Magnussen sein letztes Rennen in Kanada, erzielte als Sechster sein bestes Ergebnis und gleichzeitig seinen einzigen Punktgewinn in der Formel 1. Anschließend wurde der Däne während der Saison von Jos Verstappen ersetzt, der fortan an der Seite von Rubens Barrichello für Stewart fuhr.

1997: Magnussen und Barrichello - Foto: Sutton

25 Rennen, ein Punkt - klingt nach einer Allerweltskarriere in der Formel 1, doch Magnussen war ein spezieller Fall. Einst galt der heute 40-Jährige in England als eines der größten Talente überhaupt. "Das ist der talentierteste Fahrer seit Ayrton Senna", hob Jackie Stewart den Blondschopf schnell in den Himmel der Helden. Aus gutem Grund. Magnussen entschied sich im Alter von elf Jahren, die Motocross-Maschine für ein Kart einzutauschen und räumte in den folgenden Jahren alles ab. Dann ging alles ganz schnell. Magnussen gewann 1992 in seinem Debütjahr in der Britischen Formel Ford sieben Rennen und wechselte anschließend in die Formel Vauxhall Lotus.

1993 ging ein neuer Stern am britischen Formel-1-Himmel auf. Nach einem Eingewöhnungsjahr in der früher hoch dekorierten Serie verblüffte Magnussen im Jahr 1994 mit einer wohl einmaligen Leistung: Für Paul Stewart Racing gewann er 14 von 18 Saisonrennen und brach damit den zwölf Jahre bestehenden Rekord von Ayrton Senna. Beim inoffiziellen Weltfinale der Formel 3 in Macau im gleichen Jahr legte er nach einem Unfall im Qualifying in beiden Rennen beeindruckende Aufholjagden hin und fuhr auf die Plätze fünf und zwei - hinter Rennsieger Sascha Maassen, dem bislang vorletztem deutschen Macau-Sieger.

1994: Magnussens erster McLaren-Test - Foto: Sutton

Hoch dekoriert fand Magnussen schließlich den Weg in die Formel 1, doch für eine große Karriere, die ihm so viele zugetraut hatten, sollte es nicht reichen. Magnussens Problem: Sein Talent reichte ihm aus, er tat nicht mehr als das Nötigste. Lieber rauchte er anstatt ins Fitnessstudio zu gehen. "Ich hatte große Erfolge, aber vielleicht fielen sie mir zu leicht zu", erinnerte sich Magnussen rückblickend über seine verpasste Chance. "Ich habe nicht gekämpft wenn ich es hätte müssen."

Auch auf Dinge abseits der Rennstrecke legte Magnussen keinen allzu großen Wert, kommerzielle Verpflichtungen waren ihm stets zuwider. Während seiner Formel-1-Zeit sollte er in Tschechien einen Ford Ka vor Publikum präsentieren. Seine Antwort auf die erste Frage während der Pressekonferenz, wie sich das Auto denn fahre: "Das ist eines der schlimmsten Autos, die ich je gefahren bin." Nicht umsonst war Magnussen während seiner Karriere nicht gerade mit Sponsoren gesegnet. McLaren hatte sich wesentlich mehr vom kühlen Dänen erwartet, dem allein wegen seines natürlichen Talents eine große Karriere bevorstand. "Sein Talent war phänomenal", sagte einmal Martin Whitmarsh. "Ich denke aber, dass er dieses Potenzial nicht erkannt hat."

1998: Magnussen und Jackie Stewart - Foto: Sutton

1999 wand sich Magnussen den Sportwagen zu, insgesamt startete er bis 2013 15 Mal beim 24-Stunden-Klassiker an der Sarthe, zuerst im LMP1 von Panoz und ab 2004 im GT-Boliden von Corvette. Außerdem fuhr er in der Dänischen Tourenwagenmeisterschaft und feierte dort zahlreiche Erfolge. Doch in die Geschichtsbücher des Motorsports schaffte er es trotz seines unbestrittenen Talents nicht. Sein Name tauchte erst wieder auf, als McLaren seinen Sohn Kevin ins Nachwuchsprogramm aufnahm und ihn schließlich zum Stammfahrer für 2014 beförderte. "Er ist super-motiviert und ich denke, dass er eine bessere Chance auf Erfolg hat bei McLaren als es bei mir der Fall war", sagte Magnussen Senior nach Kevins Aufnahme im Jahr 2010. "Ich habe damals zu spät realisiert, dass ich einfach ein toller Rennfahrer sein wollte, wohingegen er ein großartiger Formel-1-Fahrer werden möchte."

Sorge, dass Kevin ein genauso schlampiges Genie werden könnte wie sein Vater, besteht unterdessen nicht. Kevin überzeugte mit seinem Gesamtsieg in der Formel Renault 3.5 und hinterließ bei seinem Testeinsatz im F1-Boliden einen äußerst professionellen Eindruck. Die harte McLaren-Schule tat in den Jahren ihr übriges. "Er ist anders als ich", sagte Jan über seinen Jungen. "Er besitzt eine viel professionellere Einstellung als ich. Es ist nicht einfach, der Sohn eines Rennfahrers zu sein, aber er kam gut mit dem Druck zurecht, mein Sohn zu sein."


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