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Formel 1 - Hintergründe der Formel 1: GP von Österreich

Let Michael pass for the championship - Teil 4

Nachdem eine Verlängerung des F1-Vertrages als Spielball der Lokalpolitik herhalten musste sorgte Michael Schumacher 2002 für einen der größten Skandale.
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Motorsport-Magazin.com - Obwohl der Vertrag mit der Formel 1 noch bis zum Jahr 2002 lief, wurde dessen Verlängerung zu einem der dominierenden Wahlkampfthemen der Steiermärkischen Landtagswahl 2000 hochgespielt. Während die Österreichische Volkspartei weiterhin an "ihrem" Projekt festhielt, überwog bei den Sozialisten Ablehnung. Als die ÖVP die Wahl für sich entscheiden konnte und die Landesregierung vom Tourismusreferenten der Region gebeten wurde, den Vertrag zu verlängern, stand der Fortsetzung aus politischer Sicht nichts mehr im Weg.

2001 kollidierte Michael Schumacher mit seinem Bruder Ralf - Foto: Sutton

Trotz der Tatsache, dass die Austragung des Grand Prix von Österreich 2001, ebenso wie die von vier anderen europäischen Rennen, lange Zeit wegen Problemen mit der EU fraglich war, fand er am 13. Mai statt. Bei Zuschauerzahlen von 136.000 am gesamten Wochenende und Einnahmen auf dem Niveau des Vorjahres dauerte es bis Ende des Jahres, den Vertrag mit Ecclestones Firma bis ins Jahr 2006 zu fixieren. Die Rahmenbedingungen hatten sich jedoch verändert: Einerseits hatte man eine Klausel hinzugefügt, die dem Land jederzeit einen Ausstieg aus dem Vertrag ermöglichte. Andererseits betrug der Preis pro Jahr nun 150 Mio. Schilling (€ 11 Mio.), die zum Teil vom Bund durch den Verkauf der Anteile am Grazer Flughafen finanziert wurden, die mindestens zu erwartenden Erlöse 120 Mio (€ 8,7 Mio.). Falls keine Katastrophe eintreffen sollte, würde das Land ohne Verluste aussteigen.

Für das Land Steiermark und die Republik Österreich stand die Formel 1 2003 kurz davor, ein Verlustgeschäft zu werden. - Foto: Thomas Draschbacher
1999 noch reiner Sponsor, wird der heutige Formel-1-Teambesitzer Dietrich Mateschitz die Formel 1 im nächsten Jahr nach Österreich zurückholen - Foto: Sutton

Diese Aussage traf jedoch nur für 2003 zu, denn für jedes weitere Jahr verlangte Ecclestone, der im Vertrag jegliches Risiko seinerseits ausschloss, 10% mehr, die zu erwartenden Zuschauerzahlen würden jedoch, beachtet man die Zahlen der Jahre zuvor, eher sinken. Das Verlustrisiko auf Seiten des Landes Steiermark stieg enorm. Dennoch hatte nun sogar die SPÖ der Formel 1 zugestimmt.

Nach einem skandalträchtigen Grand Prix von Österreich am Muttertag 2002 mit 81.000 Zuschauern am Rennsonntag sowie 35 Mio. Euro Umsatz wurde am Ende des Jahres überraschend bekanntgegeben, dass der Unternehmer und Besitzer des Getränkeimperiums Red Bull, Dietrich Mateschitz, das Gelände des A1-Rings am Beginn des Jahres 2004 übernehmen und zu einem Zentrum für verschiedenste Arten des Motorsports umbauen würde, obwohl kurz zuvor mit dem Mobilfunkanbieter A1 der Vertrag zur Namensgebung um 10 Jahre verlängert worden war.



Durch Teamorder gewann Michael Schumacher den GP von Österreich 2002 - Foto: Sutton

Diese Tatsache wurde jedoch von einem Manöver überschattet, das im Anschluss weite Kreise ziehen sollte: Rubens Barichello ließ seinen Teamkollegen Michael Schumacher in der Zielkurve der letzten Runde überholen, um ihm eine bessere Ausgangsposition in der Weltmeisterschaft zu sichern. Die Worte Jean Todts "Let Michael pass for the championship" gingen daraufhin in die Geschichte des Motorsports ein. Nach einer Geldstrafe wurde aufgrund der großen Proteste schließlich ein Teamorder-Verbot eingeführt. Dennoch konnte sich Schumacher am Ende des Jahres seinen fünften WM-Titel sichern.

Morgen: Die Übernahme durch Red Bull und das Scheitern der ersten Pläne.

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