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Formel 1 - Hintergründe der Formel 1: GP von Österreich

Wenn du hier abfliegst bist du tot - Teil 2

Aus heutiger Sicht waren die österreichischen Formel-1-Veranstaltungen in den 80ern wohl kaum als professionell zu bezeichnen. Eine Übersicht der Geschehnisse.
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Als bisher einziger Österreicher konnte Niki Lauda 1984 einen Heimsieg in Spielberg erzielen - Foto: Sutton

Durch die Konkurrenz des Salzburgrings konnte Ecclestone bei der Vertragsverlängerung 1981 höhere Zahlungen an die FOCA in Höhe von 485.000 Dollar und TV-Rechte ausverhandeln, der Österreichische Rundfunk wollte jedoch das nun geforderte Geld für die Übertragung nicht bezahlen und drohte damit, die Übertragung abzublasen. Dem Druck der Sponsoren, die die Namen ihrer Firmen im Fernsehen sehen wollten, konnte sich Ecclestone schließlich nicht mehr widersetzen – eine der wenigen Niederlagen im Leben des Bernie Ecclestone, denn der ORF machte seine Drohung trotz eines Einlenkversuchs wahr. 1983 wurde das Rennen nicht mehr vom ÖAMTC (Österreichischer Automobil-, Motorrad- und Touring-Club), sondern von Ecclestones Firma veranstaltet. Der Engländer hatte seine Vormachtstellung in der Formel 1 eingenommen.

Was beim Start des Rennens 1985 geschah, sollte den Anfang vom Ende des Österreichrings bedeuten: Ein Startunfall sorgte erneut für Schäden in Millionenhöhe, die Streckenführung, einst als die sicherste und schnellste Rennstrecke der Welt propagiert, war für die schnellen Wagen mit Turbomotoren und über 1000 PS zu schmal geworden. Auch die Sicherheitsstandards entsprachen nicht mehr denen, die für eine moderne Strecke im Sinne der Formel 1 nötig waren. Gerhard Berger sagte vor dem Rennen 1986, was sich alle dachten: "Wenn du hier rausfliegst, bist du tot. Das belastet einen furchtbar."

Der Startunfall 1987 sorgte für das Ende der Formel 1 auf dem Österreich-Ring - Foto: Sutton

Der GP von Österreich 1987 besiegelte schließlich das Schicksal der 17 Jahre alten Strecke. Nachdem Stefan Johansson im Training den Zusammenstoß mit einem Reh unverletzt überstanden hatte, kam es beim Start des Rennens am Tag darauf zu einer Massenkarambolage. Beim Neustart wiederholte sich die Katastrophe, denn die Strecke erwies sich wieder einmal als zu eng für die aggressiven Überholmanöver der Formel 1. Gott sei Dank kam es beim zweiten Neustart zu keinen Komplikationen, sonst hätten die Ersatzteile und Autos nicht gereicht.

Stefan Johansson musste im Training unliebsame Bekanntschaft mit einem Reh machen - Foto: Sutton

Dennoch nahm Bernie Ecclestone diese Probleme zum willkommenen Anlass, den GP von Österreich aus dem Kalender zu streichen, denn zahlungskräftigere Anwärter auf einen Formel-1-Grand-Prix hatte er genug. Zuvor hatte er sich auch schon über etliche unbeantwortete Briefe ärgern müssen, da der Ring-Manager der englischen Sprache nicht mächtig gewesen war. Eine weitere gern erzählte Anekdote ist die eines Fernsehübertragungs-Hubschraubers, durch dessen Luftverwirbelungen ein Teil der Bareinnahmen in alle Winde verstreut wurden. Allesamt keine Geschichten, die von einer besonders professionellen Abwicklung der Veranstaltung zeugen.

Die nötigen Umbaumaßnahmen erwiesen sich als zu teuer, der alte Ring siechte vor sich hin. Er verschlang Millionen Schilling an Erhaltungskosten und versuchte sich mit Josefi-Märkten und Traktor-Messen über Wasser zu halten. Nach einem weiteren tödlichen Unfall im Oktober 1994 schloss der Österreichring im folgenden Jahr endgültig seine Pforten, die Zukunft war ungewiss.

Im morgigen Teil folgt die Auferstehung des Österreichrings als A1-Ring.


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