Exklusiv

Formel 1 - Kolumne - Adrian Sutil

Zu wenig Stabilität im Heck

Adrian Sutil erklärt in seiner Kolumne für Motorsport-Magazin.com, warum das Auto nicht mehr so stark ist wie zu Saisonbeginn.
von

Motorsport-Magazin.com - Das Monza-Wochenende war für uns natürlich insgesamt enttäuschend - das Auto ist einfach nicht mehr da, wo es zu Saisonbeginn war. Wir haben Balance-Probleme, deren Ursache wir im Moment einfach nicht klar definieren können. Das hat nichts mit fehlenden Updates und dadurch mangelnden Speed, den neuen Reifen oder so etwas zu tun - wenn das Auto so liegen würde, wie es das anfangs des Jahres getan hat, wären wir schon wieder da, wo wir eigentlich hin wollen.

Das Feld ist sehr eng, eine halbe Sekunde in Monza hätte uns absolut gereicht, im wieder in den Top-5 oder Top-6 zu sein. Aber wir können alles mögliche ausprobieren, extremere Einstellungen, auch im Bereich Reifen, es ändert sich nichts, das Auto verhält sich immer gleich, das Heck ist zu instabil, vor allem in den schnellen Kurven. Langgezogene Kurven, so ab 150, 160 - da tritt es immer wieder verstärkt auf. In Schikanen und langsamen Kurven ist es besser, das gibt mir Hoffnung, dass wir in Singapur etwas besser aussehen werden.

Wenn das Auto so liegen würde, wie es das anfangs des Jahres getan hat, wären wir schon wieder da, wo wir eigentlich hin wollen
Adrian Sutil

Aber trotzdem - das grundlegende Problem ist da, es liegt irgendwo verborgen - und wir müssen es finden. In Monza mussten wir, weil das Heck des Autos so nervös war, mit der Bremsbalance extrem weit nach vorne gehen und kamen damit an die Grenzen der Belastbarkeit des Materials. Ich hatte das Problem schon am Freitag, hier wurde diese mangelnde Stabilität durch den allgemein niedrigen Downforce-Level und die hohen Geschwindigkeiten noch verstärkt. In Kurven wie Lesmo oder der Parabolica merkt man das enorm.

Da verliert man dann hier ein Zehntel, da ein Zehntel, dann noch eines, weil man auch ein bisschen Vertrauen in das Auto verliert. Dann reicht es halt nicht mehr für die Top-10, schon im Qualifying nicht. Außerdem arbeitet das Auto so ein bisschen mehr, dadurch nutzt man die Reifen stärker ab, die Reifen überhitzen mehr, eins kommt zum anderen, und so lagen wir halt das ganze Wochenende in der Gegend von Platz 13, 14. Im Rennen bekam ich dann auch noch prompt immer größere Bremsprobleme, das Bremspedal wurde immer länger, deshalb habe ich dann gegen Ende auch wieder zusätzlich etwas an Boden verloren.

Das Risiko war zu groß

Sutil nimmt Di Resta in Schutz - Foto: Sutton

Kurz vor Schluss habe ich dann aufgegeben. Das Risiko wurde einfach zu hoch, bei den Geschwindigkeiten, die in Monza gefahren werden, ist das kein Spaß, wenn einem vielleicht eine Bremsscheibe endgültig explodiert. In einer Situation, in der sowieso keine Punkte mehr drin sind, ist es das einfach nicht wert. Zum Glück waren Lotus und McLaren auch nicht so weit von uns weg, also besteht die Hoffnung, dass wir, wenn wir entsprechend arbeiten, da auch wieder heran kommen. Man muss das Problem einfach finden. In der Formel 1 kann ein einziges Problem nun mal sehr viele Ursachen haben.

Untersteuern zum Beispiel: Da könnten falsche Differentialeinstellungen, Flügel, Reifendrücke, Gewichtsverteilung, Sturz oder Kombinationen davon dahinterstecken. Und was nimmt man nun? Das muss man eigentlich alles der Reihe nach in der Praxis durchspielen, Simulatordaten sind da oft nicht exakt genug. Das ist halt der Moment, wo man gerne ein paar Testtage hätte, dann wäre die Chance sicherlich größer. Aber man muss auch so die Emotionen im Griff halten, zusammenarbeiten und wenn man dann gemeinsam aus so einem Tief wieder heraus kommt, dann macht einen das nur stärker. Das weiß ich ja auch aus meiner persönlichen Erfahrung.

Noch ein Wort zu meinem Teamkollegen Paul di Resta. Der ist für seine Startkollision sehr heftig kritisiert worden. Ich muss ihn an diese Stelle mal ein bisschen in Schutz nehmen. Das war eine Frage von ein oder zwei Metern, um die er da den Bremspunkt verpasst hat. Aber wenn das passiert, dann ist man zu nah am Vordermann, verliert den kompletten Anpressdruck und danach ist man nur noch Passagier. In einer Startsituation kann so etwas aber sehr schnell und leicht passieren, besonders in Monza. Wir haben da nur Hundertstel, um zu entscheiden. Von außen, vor dem Fernseher, ist es sehr einfach, zu urteilen. So ein Unfall gehört für mich nicht in die Kategorie "dumm und absolut vermeidbar", die es natürlich auch gibt und zwar nicht zu selten.

Euer Adrian Sutil

Unterschrift von Adrian Sutil


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x