Formel 1 - Neue Details im Ecclestone-Prozess

Ärger in New York

Aus der Anklageschrift rund um Bernie Ecclestones Bestechungsprozess gehen nun weitere Details hervor. Die Anklage glaubt dem Briten in einigen Punkten nicht.
von

Motorsport-Magazin.com - Neuigkeiten im Bestechungsskandal rund um Bernie Ecclestone. Wie die 256-seitige Anklageschrift enthüllt, wird der Brite beschuldigt, mit seinem Offshore-Treuhand-Vermögenstrust Bambino an Gerhard Gribkowsky, den BayernLB-Vorstand, 44 Millionen Dollar bezahlt zu haben, um 2006 den Verkauf der Formel 1 an den gegenwärtigen Eigentümer CVC in die gewünschten Bahnen zu lenken. Die Anklage nimmt dem F1-Zampano nicht ab, dass er die Summe an Gribkowsky überwiesen habe, damit dieser keine Anschuldigungen über Ecclestones Steueraffären mit der britischen Finanzbehörde HMRC verbreitet.

Wie Ecclestone behauptet, hätten die Zahlungen als Bestechungen gedient, denn Gribkowsky habe gedroht, der HMRC mitzuteilen, dass Ecclestone Bambino kontrolliert. Hätte Ecclestone die Kontrolle über Bambino, dessen Wert auf vier Milliarden Dollar taxiert wird, hätte er eine erhebliche Summe an Steuern zahlen müssen. Aus der Anklageschrift geht jedoch hervor, dass Gribkowsky zwar bemüht gewesen sei, Druck auszuüben, allerdings hätte weder er noch die BayernLB Beweise gehabt, um eine solche Verbindung zu belegen. Ecclestone vertritt hingegen die Meinung, dass ein derartiger Beweis gar nicht nötig gewesen wäre, weil die Steuerbehörde jedem Hinweis hätte nachgehen müssen - erst recht, wenn er von einem Insider wie Gribkowsky stamme. Wann genau die Bestechung stattgefunden haben soll, geht aus der Anklageschrift nicht hervor, es wird lediglich der Zeitraum April/Mai 2005 genannt.

Aus der Anklageschrift ist weiters zu entnehmen, dass Donald Mackenzie, Co-Gründer von CVC, einen Kaufpreis von 460 Millionen Dollar für die Anteile vorgeschlagen habe, doch Ecclestone schon gewusst hätte, dass die BayernLB sie nicht um eine solche Summe veräußern wolle und nicht einmal Gribkowsky in der Lage gewesen wäre, die Bankchefs davon zu überzeugen. Daher habe Ecclestone selbst eingreifen müssen, um das Geschäft auf Schiene zu bringen. Demnach habe Ecclestone Mackenzie dazu gebracht, knapp eine Milliarde Dollar zu bezahlen. Ecclestone soll zudem geholfen haben, Teile des ins Auge gefassten Kaufpreises über ein Darlehen der Royal Bank of Scotland zu finanzieren. Mackenzie habe gegenüber dem Briten klargestellt, dass die CVC eine Summe von einer knappen Milliarde Dollar nur via Teilfinanzierung stemmen könne.

Weiterer Ärger droht Ecclestone aus den USA, denn die amerikanische Investmentfirma Bluewaters behauptet, sie habe sich bereit erklärt, zehn Prozent mehr als jeder andere Bieter für die Anteile zu bezahlen, berichtet Pitpass.com. Deshalb erhebt Bluewaters in New York Anklage, da man davon ausgeht, von Gribkowsky wegen Ecclestones Bestechung zurückgewiesen worden zu sein. Die deutsche Anklage ist der Ansicht, dass Gribkowsky das Interesse von Bluewater ignorierte und damit nicht den bestmöglichen Preis für die BayernLB herausgeholt habe.


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x