Formel 1 - Fahrer gegen Mindestzeit bei Boxenstopps

Lieber wieder Nachtanken

Nach dem Boxenunglück vom Nürburgring diskutiert die Formel 1 diverse Möglichkeiten, die Sicherheit in der Boxengasse zu erhöhen.
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Motorsport-Magazin.com - "Motorsport is dangerous" - das steht auf jeder Eintrittskarte zu Motorsportevents. Doch immer wenn die Realität abgedroschene Phrasen einholt, ist die Aufregung groß. Vor drei Wochen sorgte ein loses Rad am Red Bull von Mark Webber in der Boxengasse zunächst für einen verletzten Kameramann, später für hitzige Diskussionen über die Sicherheit in der Boxengasse. Die FIA ergriff sofort Maßnahmen, setzte das Geschwindigkeitslimit in der Pitlane während aller Sessions auf 80 Stundenkilometer herab und schuf strengere Richtlinien für die Zugangsberechtigung zur Boxengasse.

Ich denke, irgendwas, das verhindert, dass der Reifen abfliegt, dass man mit losem Reifen losfährt, wäre interessant.
Nico Rosberg

"Ich vertrau der FIA da voll, so wie in allen Bereichen der Formel 1", so Mercedes-Pilot Nico Rosberg. "Da haben sie schon einige gute Sachen gemacht, mit Geschwindigkeitsbegrenzung, weniger Leuten in der Boxengasse und so weiter. Mal sehen, was da noch alles kommt." Um das Problem jedoch komplett zu beheben, muss man an dessen Ursprung gehen, wie Rosberg zu bedenken gab: "Ich denke, irgendwas, das verhindert, dass der Reifen abfliegt, dass man mit losem Reifen losfährt, wäre interessant."

Adrian Sutil reichen die von der FIA in die Wege geleiteten Maßnahmen noch nicht aus, wie er in seiner Kolumne bei Motorsport-Magazin.com erklärte. "Aber vielleicht sollte man sich auch die Ursache des Ganzen einmal anschauen, das Problem nämlich, dass von allen Teams mit aller Gewalt versucht wird, die Boxenstopp-Zeiten immer weiter nach unten zu drücken." Seine Lösung: "Warum sagt man nicht einfach: Es gibt eine Mindeststandzeit von irgendwo zwischen drei und vier Sekunden - dann kann jeder etwas ruhiger und konzentrierter arbeiten, aber wer einen echten Fehler rein baut, wird immer noch bestraft."

Auch der Unterschied zwischen zwei und drei Sekunden ist sehr eindrucksvoll.
Mark Webber

Da war es gefallen, das Wort 'Mindeststandzeit'. Im Rahmen des Ungarn Grand Prix diskutieren FIA und Teamchefs unter anderem über eine Mindeststandzeit bei Boxenstopps, um die Sicherheit zu erhöhen. Stand jetzt, soll zumindest eine Grid-Strafe ausgesprochen werden, sollte ein Pilot mit losem Rad losgeschickt werden. Doch die Mindeststandzeit ist noch nicht vom Tisch. Sehr zum Leidwesen von Mark Webber. "Es ist eine schöne Message zu zeigen, wie weit wir gehen können. Auch der Unterschied zwischen zwei und drei Sekunden ist sehr eindrucksvoll."

Von den schnellen Boxenstopps - von denen er bei Red Bull besonders profitiert - ist der Australier beeindruckt. "Ich finde es ist eine sensationelle Sache. Eine Menge Leute reden darüber. Es ist eine tolle Werbung für den Sport." Webber, der die Formel 1 am Ende der Saison verlassen wird, sieht die Gefahrenproblematik ohnehin nicht so dramatisch. "Ich glaube, die Medien übertreiben. Es ist wie: Das Baby ist da!", spielte er auf den Hype um den Nachwuchs im britischen Königshaus an. "Es ist passiert, aber er erholt sich, es war schlimm, wir lernen davon und machen weiter. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen."

Ich sehe es als kritisch an, wenn die Boxenstoppzeit vorgeschrieben würde, das gehört mit zu Faszination.
Sebastian Vettel

Sonst nicht immer einer Meinung, stimmt ihm Teamkollege Sebastian Vettel in dieser Hinsicht zu. "Ich sehe es als kritisch an, wenn die Boxenstoppzeit vorgeschrieben würde, das gehört mit zu Faszination." Auch für seine Mannschaft wäre das keine gute Entwicklung, wie der dreifache Weltmeister meint. "Die Mechaniker lieben die Aufgabe, schneller als andere Kollegen zu sein. Das Risiko dabei ist klar, aber das ist Teil des Motorsports." Er selbst hat schließlich Tempobeschränkungen auch nicht so gerne. "Wenn wir uns auf der Strecke in bestimmten Kurven an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten würden, wäre das für die Zuschauer auch nicht mehr so wie jetzt, es gibt immer zwei Ansätze."

Jenson Button wünscht sich das Nachtanken zurück - Foto: Sutton

Auch aus anderen Lagern gibt es Zustimmung: "Schnelle Boxenstopps sind der Schlüssel, wenn es darum geht, Positionen zu gewinnen oder zu verlieren. Wir alle wissen, dass Motorsport gefährlich ist und das gilt auch für die Pitlane", so McLaren-Pilot Jenson Button, der einen ganz anderen Lösungsvorschlag hat. "Die Stopps sind jetzt so schnell, weil wir nicht mehr Nachtanken. Die Leute dachten, dass Nachtanken eine Gefahr sei - ich persönlich würde das wieder einführen. Das war viel mehr Spaß damit. ich liebe das racing damit und denke, das wäre besser für den Sport."

Fernando Alonso sah die Geschichte etwas zwiegespalten. "Eine Mindestzeit ist irgendwie schlecht, weil dann alle Teams gleich lange brauchen werden und man sich in der Box keinen Vorteil mehr verschaffen kann. Wenn das aber dazu führt, dass die Sicherheit aller Beteiligten verbessert wird, sollten wohl alle dafür sein." Eine weitere Lösung sah der Spanier aber beim Equipment: "Auch den Druck der Schlagschrauber könnte man beschränken."


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