Formel 1 - Antworten zur Anklage von Bernie Ecclestone

Bestechung oder Erpressung?

Bernie Ecclestones Anwälte haben die Anklageschrift erhalten. Motorsport-Magazin.com erklärt, was dem F1-Boss vorgeworfen wird und welche Konsequenzen drohen.
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Wie lautet die Anklage?

Bernie Ecclestone wird Bestechung eines Amtsträgers in einem besonders schweren Fall sowie Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Er soll den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen haben, damit dieser die Formel-1-Anteile, die der Bank nach der Pleite des Kirch-Unternehmens übertragen wurden, an den von Ecclestone gewünschten Käufer, CVC, veräußert. Ecclestones Absicht soll dabei gewesen sein, dass das operative Geschäft auch nach dem Verkauf in seiner Hand bleibt.

Was sagt Ecclestone zu den Vorwürfen?

Bernie Ecclestone bestreitet nicht, Gribkowsky Geld gezahlt zu haben. Es habe sich dabei jedoch nicht um Bestechung, sondern um Erpressung seitens des Bankiers gehandelt. Dieser soll gedroht haben, angeblich unwahre Details zu Ecclestones Steuerangelegenheiten an die Behörden weiterzugeben. Ecclestone soll einen kostspieligen Prozess gefürchtet haben und sich deshalb entschlossen haben, zu zahlen. "Das einzige, was stimmt, ist, dass ich persönlich ihm zehn Millionen Pfund gezahlt habe, damit er mit dem Blödsinn aufhört, mir permanent Andeutungen zu machen, wie er mich bei den britischen Steuerbehörden hinhängen könnte", so Ecclestone.

Ich habe Herrn Gribkowsky nicht bestochen.
Bernie Ecclestone

"Ich habe Herrn Gribkowsky nicht bestochen und war auch nicht Bestandteil des Verfahrens gegen ihn. Seine Behauptungen sind unzutreffend", stellte er klar. "Das Gericht hat getan, was es tun musste, und Gerhard Gribkowsky geglaubt, aber der Mann lügt." Er sei unschuldig und die Wahrheit werde am Ende ans Tageslicht kommen. "Das Geld, das ich ihm gezahlt habe, hat nichts mit dem Verkauf der Formel-1-Anteile zu tun."

Was sagen Ecclestones Anwälte?

"Es verbleibt bei dem klaren Standpunkt der Verteidigung, dass Herr Ecclestone sich weder einer Bestechung noch einer Teilnahme an einer Untreue schuldig gemacht hat", erklärten Ecclestones Anwälte bevor die Anklage bei ihnen eintraf.

Was passierte im Vorfeld?

Im Juni hieß es, die offizielle Zustellung der Anklage an Ecclestone würde aufgrund von Übersetzungsarbeiten erst im Juli erfolgen. An sich war bereits im Mai bekannt gewesen, dass Ecclestone angeklagt werden wird. Im selben Monat wurde auch das Urteil gegen Gribkowsky bestätigt, da sowohl seine Anwälte als auch die Staatsanwaltschaft auf eine Revision verzichteten. Der Banker ist damit rechtsgültig zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Gribkowsky hatte im Juni 2012 erstmals zugegeben, Geld von Ecclestone erhalten zu haben. Nach dem Prozess nannte er Details, die für die Anklage Ecclestones entscheidend gewesen sein sollen.

Welche Folgen könnte der Prozess haben?

Ob Ecclestone auch als offiziell Angeklagter in einem Gerichtsprozess die Zügel in der Hand behalten darf, entscheidet Rechtevermarkter CVC. FIA-Präsident Jean Todt hat auf die Entscheidung keinen Einfluss, stellte sich jedoch demonstrativ hinter den Formel-1-Zampano. "Er hat jeden Anspruch auf seinen Job und er macht ihn sehr gut." Ob er diese Haltung auch nach der Anklage weiter vertritt, ist jedoch ungewiss.

Er hat jeden Anspruch auf seinen Job und er macht ihn sehr gut.
Jean Todt

Sollte Ecclestone wegen Bestechung verurteilt werden, könnte das bei Teams und Sponsoren weitreichende Konsequenzen haben. Denn in den Geschäftsstatuten wird vielerorts untersagt, mit korrupten Personen zusammenzuarbeiten. Vor allem Mercedes wurde in diesem Zusammenhang genannt. Darüber hinaus könnte der Prozess Einfluss auf den bereits seit langem geplanten Börsengang haben.


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