Formel 1 - Kommentar: Sauber-Rettung alternativlos

Der Zweck heiligt die Mittel

Sauber kann aufatmen: Russische Millionen sollen den Rennstall retten. Doch ist das der richtige Weg?
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Motorsport-Magazin.com - Investment Corporation International Fonds - Staatlicher Fonds zur Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation - Nationales Institut für Luftfahrt und Technologie - Sergey Sirotkin: Was auf den ersten Blick nicht unbedingt nach Formel 1 aussieht, sieht auf den zweiten und dritten Blick immer noch nicht nach Formel 1 aus. Ist es aber. Sauber gab am Montag die Partnerschaft mit jenen russischen Institutionen bekannt, die auch eine Förderung des russischen Piloten Sergey Sirotkin beinhaltet, der wohl nicht zufällig der Sohn des Leiters des Nationalen Instituts für Luftfahrt und Technologie ist.

Peter Sauber selbst dürfte die Situation am wenigsten gefallen - Foto: Sutton

Eidgenossen und Fans des Rennstalls sind geteilter Meinung: Macht sich das bis dato so sympathische Sauber Team mit der neuen Partnerschaft zum Sklaven russischer Milliardäre? Oder versuchen Monisha Kaltenborn und Peter Sauber nur zu retten, was anders nicht zu retten ist? Fest steht, dass Sauber in argen finanziellen Schwierigkeiten steckt, die Verbindlichkeiten der Eidgenossen sollen so hoch sein, dass die kolportierten 130 Millionen aus Russland der letzte Ausweg sein dürften.

Sicherlich wird es Peter Sauber schmerzen, nicht mehr zu hundert Prozent Herr seines Lebenswerks zu sein, doch genauso darf man sich sicher sein, dass es zu diesem Schritt nicht gekommen wäre, hätte es nicht unbedingt sein müssen. Auch die Schweizer - in der Eurokrise bislang außen vor - haben nun also doch mit einer alternativlosen Rettung zu tun. Auch wenn erste Stimmen schon von Hochstaplern oder einer Sackgasse sprechen - was wäre passiert, wäre es nicht zu dieser Partnerschaft gekommen?

Stimmen die Gerüchte, wonach Sauber bereits die Entwicklung des aktuellen Boliden zurückschrauben musste und Gläubiger ihr Geld inzwischen vehement fordern, hätte es vermutlich nicht mehr lange gedauert, bis in Hinwil die Lichter ausgegangen wären. Welche Alternative hätte der einstige Vorzeigeunternehmer Peter Sauber also gehabt? Keine, lautet die ernüchternde Antwort. Doch das ist (leider) die moderne Formel 1. Außer Mercedes, Red Bull und Ferrari muss jedes Team zusehen, wie es zu Geld kommt. Und dabei gilt: Der Zweck heiligt die Mittel.

Talent alleine? Wohl auch bei Gutierrez nicht - Foto: Sutton

Dass schon 2014 Sergey Sirotkin im Sauber-Cockpit Platz nehmen soll, wurde ebenfalls von vielen Seiten kritisiert. Selbst für den Fall, dass Sauber mit den neuen finanziellen Mitteln wieder ein konkurrenzfähiges Auto auf die Räder stellt, ein Fahrer vom Kaliber des jungen Russen könne damit ohnehin nicht viel reißen, so die gegenwärtige Meinung. Doch ersteinmal heißt es: Abwarten. Zum einen sitzt Sirotkin noch nicht im Cockpit, zum anderen haben vermutlich die wenigsten Sirotkin bereits im Einsatz gesehen. Außerdem: Esteban Gutierrez sitzt auch nicht ausschließlich wegen seines reinen Talents am Steuer des C32.


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