Formel 1 - Fan-Forum: Der Deutschland GP aus Sicht der User

Rollende Räder & Autos

Chaos auf dem Nürburgring, Mercedes schwach und Lotus wiedererstarkt? Die User von Motorsport-Magazin.com diskutieren nach dem Deutschland GP.
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Formel Chaos auf dem Nürburgring

Unsafe Release bei Force India, Bianchis führerloses Auto auf Abwegen, Unfall in der Boxengasse... Mark Webbers Rad trifft Kameramann Paul Allen: Was war in der Eifel los? Von der FIA gab es für Red Bull eine Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro - angemessen für die Gefährdung eines Menschen? Sollten in der Box bald alle Helme tragen?

Im Vergleich zu den Achtziger- und Neunzigerjahren ist die F1 inzwischen eine absolute Hochsicherheitszone.
Korty

Korty: Die Formel 1 ist eine Sportart am Limit und das in allen Belangen. Das Risiko, in der Boxengasse eine Verletzung davonzutragen, ist allen bekannt und alle Risiken kann man nicht ausschalten. Ich halte den Sicherheitsstandard in der Pitlane aktuell trotzdem für absolut ausreichend. Dass Bianchis Fahrzeug die Strecke hinunterrollt, war sicher eine Ausnahme, die sich nie ganz ausschließen lässt und das Rad bei Webber flog durch seine vorzeitige Abfahrt davon. Die Strafen dafür sind angemessen. Im Vergleich zu den Achtziger- und Neunzigerjahren ist die Formel 1 inzwischen eine absolute Hochsicherheitszone.

Kleriker: Ein Unsafe Release passiert ja ab und zu einmal. Diesbezüglich muss man sagen, dass Paul di Resta noch sehr gut reagiert hat. So etwas sollte man trotzdem nicht überbewerten, obwohl es schon knapp war. Bianchis Auto stand hingegen schon eine Weile dort - dass der Streckenposten nicht beim Auto geblieben ist oder er es zumindest beobachtet hat, ist etwas unglücklich gewesen. Er hätte den Feuerlöscher hinter das Rad klemmen können und die Sache wäre erledigt gewesen - gut ist, dass dabei nichts passiert ist... aber ich sehe auch kein Drama darin. Immerhin wurden die gelben Flaggen geschwenkt und die Stelle war weit einsehbar. Für die Fahrer war das also eher kein Problem. Der Vorfall mit Webber hat allerdings gezeigt, dass die Strafen nicht ungerechtfertigt sind. 30.000 Euro Strafe sind für Red Bull kein Problem, zumal Webber ja sogar noch gute Punkte eingefahren hat.

In der Boxengasse war am Ring die Hölle los... - Foto: Red Bull

Hier sollte man sich wirklich Gedanken machen, ob man bei den Versuchen, zweifelhafte Rekorde aufzustellen, nicht langsam am Limit angekommen ist. Man hat die Tankstopps aus Sicherheitsgründen abgeschafft, damit aber eine neue Gefahrenquelle geschaffen. Eine Helmpflicht macht für mich keinen Sinn. Ich glaube nicht, dass sich der Kameramann dadurch weniger verletzt hätte - nicht einmal die Gehirnerschütterung wäre ihm erspart geblieben. Dass die Leute aus den Boxen verbannt werden, macht ebenfalls keinen Sinn. Dann ist es eben das nächste Mal ein Mechaniker, der gerade einen Reifen wechselt, der das Rad an den Kopf bekommt. Ich bin für eine Wiedereinführung der Tankstopps: Das ist auch nicht ganz ungefährlich, aber es entspannt die Situation etwas. Die elektronischen Boxenampeln könnte man einfach mit den Stutzen koppeln, somit dürften auch abgerissene Tankschläuche nicht mehr passieren. Der Auspuff ist ab 2014 zusätzlich auch noch weiter weg als in der Vergangenheit.

30.000 Euro sind sicherlich keine angemessene Bestrafung für das Gefährden eines Menschen, jedoch eine typische Strafe für ein Unsafe Release.
Lu1223

Lu1223: Alles für sich genommen, passieren diese Dinge ja durchaus hin und wieder, wobei Bianchis wegrollendes Auto sicher Seltenheitswert hat. Trotzdem sollte es natürlich nicht passieren - und würde auf ebenerdigen Strecken auch nicht passieren - und ich bin sicher, dass man beim nächsten Abschleppvorgang auch auf eine eventuell abfallende Strecke achten wird. Was die Vorkommnisse in der Boxengasse angeht, so kam es schon seit einigen Rennen zu Unsafe-Release-Vorfällen, was wahrscheinlich auf den Druck, jede Tausendstelsekunde gutmachen zu müssen, zurückzuführen ist. 30.000 Euro sind auch sicherlich keine angemessene Bestrafung für das Gefährden eines Menschen, jedoch eine typische Strafe für ein Unsafe Release - die letzten Male ist es halt nur immer gut ausgegangen. Nach den Vorfällen müssen sich nun aber alle zusammensetzen und schauen, wie man das Sicherheitsrisiko in der Box wieder minimieren kann: Ob dies eine Helmpflicht für alle, eine Mindeststandzeit oder etwas anderes sein wird, wird sich zeigen.

Mercedes & der Sonntagsfluch

Die Silberpfeile fühlten sich beim Heimspiel schmerzlich an vergangene Tage erinnert - bei Rosberg lief diesmal schon am Samstag alles schief, bei Hamilton ging es im Rennen einmal mehr zurück. Sind die silbernen Pole-Positions somit wertlos? Woher kommt die rückläufige Entwicklung? Und war der Reifentest mit Pirelli in letzter Konsequenz dann doch wenig gewinnbringend?

Rosbergs Rennen war eigentlich schon vor dem Start vorbei - Foto: Sutton

Korty: Mercedes ist nach wie vor nicht so stark, wenn es warm ist, da der Wagen dann immer noch zu viel Reifen frisst. Dennoch ist Mercedes auf einem guten Weg und hat einen klaren Aufwärtstrend zu den letzten drei Jahren hingelegt. Der Pirelli-Reifentest wird in meinen Augen medial viel zu hoch gehängt, aber das ist normal in der Formel 1. Vor allem die Fans der anderen Rennställe sehen natürlich immer sofort Verschwörungen an allen Ecken und Enden. Bezüglich dem Strategiefehler von Mercedes bei Nico, muss man einfach einen Haken dahinter machen. Man hat gepokert und verloren, das haben andere Teams auch schon geschafft.

Kleriker: Für mich hat der Sonntag gezeigt, dass Mercedes nicht den angedichteten Vorteil aus den Reifentests gezogen hat. Die Probleme waren dieselben wie in Barcelona und das trotz der Tatsache, dass sie bei dem Test den Reifen ja gefahren sind. Der Ausschluss von den Young Driver Tests wird für sie noch richtig bitter. Sollten sie die Reifen, die ab Ungarn kommen, nicht testen können, werden sie einen Rückstand haben, den sie diese Saison nicht mehr aufholen können. Sie können nur noch auf kühle Bedingungen bei den Rennen hoffen. Man darf gespannt sein, wie sich das Kräfteverhältnis ab dem nächsten Rennen darstellt, aber ich vermute, dass sie nicht viel mehr als die vierte Kraft sein werden.

Für mich hat der Sonntag gezeigt, dass Mercedes nicht den angedichteten Vorteil aus den Reifentests gezogen hat.
Kleriker

Lu1223: Rosbergs Pech am Samstag lag an einer falschen strategischen Entscheidung, die eigentlich nicht passieren sollte. Was im Auto steckt, hat Hamilton mit seiner Pole-Position gezeigt. Generell sieht man anhand der vielen Poles, dass das Auto an sich extrem schnell ist - auf eine Runde - und letztlich nur ein Problem hat, die Reifen über die Distanz zu bringen. Dass sich dies erst jetzt wieder zeigt, mag vor allem daran liegen, dass dieses Phänomen am Mercedes vor allem bei hohen Temperaturen auftritt und die letzten Rennen doch eher kühler waren und Monaco sowieso ein Ausnahmefall ist. Dies zeigt, dass der Reifentest möglicherweise tatsächlich nicht die extremen Resultate geliefert hat, wie oftmals angenommen wurde. Letztlich wird man aber wohl auch bei Mercedes vor der Frage stehen, warum genau es wieder einmal nicht funktioniert hat.

Lotus mit zwei Assen im Ärmel

Vor den letzten Boxenstopps sah Lotus in Deutschland bestens aufgestellt aus - auch in Sachen Sieg. Trotz zwei heißer Eisen im Feuer konnte man Vettel aber nicht mehr abfangen. War die Strategie von Grosjean und Räikkönen am Ende die falsche? Wie hätte man Red Bull den Triumph vom Kommandostand aus noch abluchsen können?

Korty: Lotus hat sich in meinen Augen genau falschherum entschieden. Der frühe Stopp war die bessere Wahl, aber mit dem falschen Fahrer. Der weiche Reifen war nur für vier bis sechs Runden wirklich ein Vorteil. Alles in allem war der Lotus aber reifentechnisch das beste Auto am Ring - in Sachen Aerodynamik bleibt der Red Bull unter normalen Umständen aber unschlagbar. Unterstrichen wurde dies erneut durch die starke Performance des durchschnittlich begabten Webber, die einmal mehr die Überlegenheit des Autos zeigte. Vettel hat den RB9 mehr oder weniger nach Hause getragen.

Trotz Rochade: Lotus' Plan ging nicht auf - Foto: Sutton

Kleriker: Lotus war schnell, aber nicht schnell genug, um Red Bull auszutricksen. Man kann zu Red Bull stehen wie man will, aber sie machen einfach sehr wenige Fehler bei der Strategie. Man hat das Gefühl, sie wissen im Voraus immer genau, wie schnell ihr Auto ist und machen ihre Stopps immer zum richtigen Zeitpunkt. Räikkönen konnte die weichen Reifen am Ende entgegen jeder Erwartung nicht umsetzen und ich denke, Vettel hätte auch noch einmal etwas zulegen können, wenn er sich wirklich hätte verteidigen müssen.

Auch muss Lotus das Siegen erst noch lernen. Der Erfahrungsvorsprung von Red Bull aus den letzten drei Jahren ist einfach sehr groß. Deutlich zu sehen war, dass Lotus extrem von den Temperaturen abhängig ist. Auch der Sinn des ersten, sehr frühen, Reifenwechsels bei Räikkönen war zumindest fragwürdig. Dadurch hat er viel Zeit hinter den Mercedes-Piloten verloren. Lotus ist bei ähnlicher Pace zu Red Bull somit kein echter Konkurrent. Taktische Fehler sind bei ihnen eher an der Tagesordnung als die Ausnahme.

Räikkönens Fahrt nach vorne kostete ihn viel Zeit - Foto: Sutton

Lu1223: Für Grosjean hat man meiner Meinung nach strategisch das Beste rausgeholt, vor allem da man Vettel zu einem weiteren Stopp zwingen musste, zumal Räikkönen derjenige ist, der bezüglich des WM-Kampfes wirklich zählt. Was den Finnen angeht, so hatte man ja versucht, ihn mit zwei Stopps durchzubringen, was ihm den Sieg gebracht hätte. Da einem allerdings die Reifen einen Strich durch diese Strategie gemacht haben, musste man ihn noch einmal an die Box rufen - schließlich wollte man nicht riskieren, möglicherweise mehrere Positionen zu verlieren. Man kann nun spekulieren, ob man ihn nicht zwei Runden früher hätte reinholen sollen: Hätte der Reifen durchgehalten, hätte er sich Vettel möglicherweise schnappen können, genauso gut hätte der Reifen dann aber auch in der letzten oder vorletzten Runde nachlassen können, was ebenfalls einen Platzverlust hätte bedeuten können. Letztlich war es ein guter zweiter Platz.

Wollt auch Ihr bei unserem nächsten Fan-Forum nach dem Ungarn GP dabei sein? Dann sendet uns doch eure Bewerbung in den Kommentaren unter dem Artikel. Einfach kurz beschreiben, was euch als F1-Experten auszeichnet, warum Ihr gerne mitmachen würdet und was ihr vom bisherigen Geschehen in dieser Saison haltet. Wir kommen dann auf euch zurück... viel Erfolg!


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