Formel 1 - Deutschland GP: Die Tops & Flops

Fluch weg, Reifen weg, Nicole weg

Weg, weg, weg! War der Deutschland GP nun ein Rennen zum Vergessen? Ganz im Gegenteil, wie Motorsport-Magazin.com mit den Tops & Flops beweist.
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Top: Der Fluch-Bezwinger

Sebastian Vettel kann nicht in Deutschland gewinnen und auch nicht im Monat Juli? Nach dem Großen Preis von Deutschland hat es sich erst einmal ausgeflucht bei Sebastian Vettel, in der Eifel schlug der Weltmeister gleich zwei Flüche mit einer Klappe. Dass gleichzeitig auch noch der erste deutsche Sieg am Nürburgring seit Michael Schumacher 2006 heraussprang, setzte seinem Coup die Krone auf. Nach Michael (1995, 2000, 2001, 2004, 2006) und Ralf Schumacher (2003) ist Vettel erst der dritte deutsche GP-Sieger am 'Ring'.

Mit nun insgesamt 30 Siegen liegt Vettel in der ewigen Tabelle weiter auf dem sechsten Platz, ist aber nur noch einen Erfolg von Nigel Mansell entfernt. Nächste Herausforderung für Vettel: ein Formel-1-Rennen in den Monaten Januar, Februar und Dezember gewinnen. Dürfte allerdings schwierig werden...

Top: Balsam für Pirellis Nerven

Pirelli hat im Gegensatz zum vergangenen Wochenende in Silverstone diesmal alles richtig gemacht. Am Nürburgring blieben die Piloten von gefährlichen Reifenplatzern verschont und der Hersteller nahm sich damit selbst aus der medialen Schusslinie. In der Eifel kehrte Pirelli zu Kevlar-Ringen in den Karkassen zurück und verzichtete auf die bisherige Stahlkonstruktion - und die Reifen hielten! "Pirelli hat an diesem Wochenende einen guten Job erledigt", stellte Jenson Button den Italienern nach dem Deutschland GP ein gutes Zeugnis aus. Von der Fahrbarkeit bemerkten die Piloten keinen Unterschied. "Sie sind komplett ähnlich, genau gleich", meinte dazu etwa Nico Rosberg.

Endlich wieder Lob für Pirelli - Foto: Sutton

Top: Spannung bis zur letzten Sekunde

Der Formel 1 kann man dieser Tage ja allerhand Vorwürfe machen, doch Langeweile sucht man in der Königsklasse vergeblich. Erfreulicherweise zeigten die Piloten auf dem Nürburgring wieder einmal, was so alles in ihnen steckt und lenkten damit von den leidigen Diskussionen rund um Reifen und Testfahrten der letzten Wochen ab. Schlussendlich hatte Sebastian Vettel zum ersten Mal in seiner Heimat die Nase vorne, doch ehe der Red-Bull-Pilot jubeln konnte, musste er ordentlich zittern - nämlich bis zur Zieldurchfahrt. "Das Rennen war der Hammer, denn es kommt selten vor, dass Sebastian wirklich bis zur letzten Runde volles Kanonenrohr fahren muss", war auch Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner begeistert.

Aber nicht nur an der Spitze tobte ein unerbittlicher Kampf, auch um die übrigen Punkteränge entbrannten einige heftige Duelle. Lewis Hamilton pflügte sich schlussendlich beispielweise noch auf den fünften Platz nach vorne und auch Mark Webber gab eine gut Figur ab, nachdem er ob seines missglückten Boxenstopps bereits eine Runde Rückstand hatte, am Ende aber noch Siebter wurde. Es wäre wünschenswert, würde sich die Formel 1 künftig darauf konzentrieren, einfach wieder nur guten Sport zu bieten und die politischen Spielchen beiseite zu lassen.

Daumen rauf für Grosjean - Foto: Sutton

Top: Der alte Romain

Während des Deutschland GP zeigte sich zum Teil wieder der "alte" Romain Grosjean. Nicht der, der beim Start im Feld aufräumt, sondern der, der mit den Reifen haushalten und verdammt schnell fahren kann. Bis Runde 13 zögerte er den ersten Boxenstopp hinaus und drängelte hinter Teamkollege Kimi Räikkönen, an dem er nur zu gern vorbeigegangen wäre. "Mein Auto hat sich im ersten Stint auf den weichen Reifen großartig angefühlt und es ist klar, dass uns das Sommerwetter wirklich liegt", berichtete er.

Nach der Safety-Car-Phase klebte Grosjean an Sebastian Vettels Heck und glaubte kurzzeitig an den Sieg. Letzten Endes musste er sich jedoch nicht nur dem Red-Bull-Piloten, sondern auch Teamkollege Kimi Räikkönen geschlagen geben. Das Team informierte ihn via Funk, dass der Finne auf den schnelleren weichen Pneus unterwegs ist, und Grosjean machte brav Platz. "Er hatte höhere Chancen auf den Sieg, als ich sie zu diesem Zeitpunkt." Entspannt zurücklehnen konnte sich der Schweizer mit französischer Rennlizenz danach jedoch noch nicht, denn im Rückspiegel wurde Fernando Alonsos Ferrari immer größer. Also tat er bis zum Überqueren der Ziellinie das, was er am besten kann: Vollgas fahren.

Flop: Marussias Stunt-Einlage

Es kommt nur äußerst selten vor, dass die Hinterbänklerteams während des Rennens die Aufmerksamkeit der TV-Kameras auf sich ziehen, doch auf dem Nürburgring spielte diesmal Marussia zumindest vorrübergehend die Hauptrolle. Zunächst stellte Jules Bianchi seinen brennenden und rauchenden Boliden nach einem in der Formel 1 mittlerweile selten gewordenen Motorschaden kurz vor der NGK-Schikane ab. Was dann jedoch folgte, wird in so manch einem Jahresrückblick Erwähnung finden.

Bianchi: Ich habe Feuer gemacht! - Foto: Sutton

Nachdem Bianchi ordnungsgemäß den Leerlauf eingelegt und sich vom Auto entfernt hatte, schien sich keiner der Streckenposten mehr für den havarierten Wagen zu interessieren, sodass er die abschüssig Wiese rückwärts hinunter rollte, die Strecke kreuzte und erst von einer Werbetafel wieder gestoppt wurde. Man kann von Glück reden, dass zu diesem Zeitpunkt gerade kein anderer Pilot angebraust kam, denn sonst hätte der Nürburgring an diesem Nachmittag wohl den zweiten dramatischen Unfall gesehen...

Flop: Boxengassen-Drama

In der Formel 1 werden Boxenstopps immer und immer wieder trainiert, damit sie noch schneller werden. Ein Reifenwechsel unter 2,5 Sekunden ist keine Seltenheiten mehr. Allerdings herrschen in der Boxengasse keine Laborbedingungen, das zeigte sich am Sonntag einmal mehr. Paul Di Resta kollidierte beinahe mit Jean-Eric Vergne, Mark Webber wurde losgeschickt, obwohl ein Reifen noch nicht angezogen war und bei Pastor Maldonado klemmte es ebenfalls, er stand eine halbe Ewigkeit an der Box.

Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner ist mittlerweile sogar zu drastischen Schritten bereit: "Vielleicht sollte man überlegen, die Standzeit auf vier oder fünf Sekunden zu reglementieren, dann kann jeder in Ruhe seine Handgriffe erledigen. Das nimmt zwar etwas den Pepp aus dem Vorgang, aber in Sachen Sicherheit wäre es auf jeden Fall eine Überlegung wert."

Drama in der Boxengasse - Foto: Sutton

Flop: Reifen vs. Kameramann

Mehr Pech kann man eigentlich nicht haben, wenn man in der Boxengasse von einem herumtollenden Reifen am Rücken getroffen wird. Letztlich kann Paul Allen froh sein, nur einige Knochenbrüche, Prellungen und eine Gehirnerschütterung erlitten zu haben. Auf der anderen Seite stellt sich aber die Frage, warum in der Boxengasse arbeitende Personen, die nicht zu den Teams gehören, keine Schutzkleidung und einen Helm tragen müssen - im Zweifel kann das Leben retten.

Diese Meinung vertritt auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn: "Dieser Vorfall erinnert an die Gefahren unseres Sports und dass wir die Sicherheitsvorkehrungen stets wachsam im Auge behalten müssen. Ich denke, jeder in der Boxengasse sollte einen Helm tragen."

Webbers Reifen trifft einen Kameramann: (1:00 Min.)

Flop: Hamilton: Pace weg, Frau weg

Lewis Hamilton fuhr am Nürburgring auf den fünften Platz und legte in den Schlussrunden eine tolle Aufholjagd hin. Ein kleiner Lichtblick eines sonst ziemlich verkorksten Rennens, das schon in den ersten Runden zunichte gemacht wurde - obwohl mit der Pole Position alles so gut angefangen hatte. Hamilton war nicht nur wegen seiner Reifenprobleme angefressen, etwas anderes nagte ebenfalls an ihm: die kürzliche Trennung von Nicole Scherzinger. Wieder einmal trennte sich das Paar - große Distanz und wenig Zeit für Zweisamkeit als Gründe.

"Ich versuche mein Bestes, positiv zu sein, aber ich mache im Moment ziemlich harte Zeiten durch, weil ich jemanden sehr Besonderen in meinem Leben verloren habe", so Hamilton mit belegter Stimme. "Meine Welt steht auf dem Kopf, aber ich habe die Pflicht, mein Team zu motivieren. Wenn ich da mit hängenden Schultern ankomme, wirkt sich das auf meine Mechaniker aus, die Tag und Nacht arbeiten." Wie schön wäre da ein Rennsieg gewesen, um den Kopf ein bisschen frei zu bekommen. So reist Hamilton aber mit zwei Fakten aus der Eifel in die Sommerpause: Pace weg, Nicole weg.


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