Formel 1 - Reifen 2.0: Wie groß ist der Unterschied?

Einer schwimmt gegen den Strom

Am Nürburgring nutzen die Fahrer die überarbeiteten Reifen. Motorsport-Magazin.com hört sich im Fahrerlager um: Wie groß ist der Unterschied zum Vorgänger?
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Motorsport-Magazin.com - Am Freitag war es ungewohnt voll auf der Strecke. Während üblicherweise im 1. Training vor einem Grand Prix die große Stille herrscht und sich das Geschehen vornehmlich auf die Boxengasse verlagert, tummelten sich am Nürburgring schon vormittags die Fahrer auf der Strecke und drehten fleißig ihre Runden. Der Grund dafür waren, neben dem guten Wetter, die überarbeiteten Pirelli-Reifen. Nach dem viel zitierten Reifen-Massaker von Silverstone handelte der Reifenlieferant: In der Eifel kehrt Pirelli zu Kevlar-Ringen in den Karkassen zurück und verzichtet auf die bisherige Stahlkonstruktion.

Natürlich wollten die Teams und Fahrer feststellen, ob und wie sich das Verhalten der überarbeiteten Reifen auf die Performance auswirkt. Am Donnerstag herrschte im Fahrerlager diesbezüglich kollektives Rätselraten, nach 180 Minuten Training ist nun klar: Größtenteils ändert sich gar nichts. "Sie sind komplett ähnlich, genau gleich", meinte Nico Hülkenberg nach den beiden Sessions in der Eifel. Laut dem Sauber-Piloten sei sowieso nicht zu erwarten gewesen, dass die Kevlar-Variante, die die Teams noch aus der vergangenen Saison kennen, einen großen Unterschied ausmachen würde.

Vettel toppte die Zeitenliste im Training - Foto: Sutton

Landsmann Sebastian Vettel stimmte Hülkenberg in der Performance-Frage zu, auch er habe keine weltbewegenden Veränderungen gespürt. Der Trainingsschnellste zog ein positives Reifen-Zwischenfazit. "Wenn überhaupt, halten sie länger und sind toleranter", so Vettel. "Der Eindruck ist sehr positiv und keiner - damit meine ich alle Fahrer und Teams - hatte annähernd die Probleme wie in Silverstone." Wäre am Nürburgring wieder ein Reifen explodiert, wären die Fahrer wohl Sturm gelaufen und hätten mit ihrem angekündigten Boykott gedroht. Ob sie ihn tatsächlich durchgezogen hätten, ist eine andere Frage, doch für eine solch radikale Aktion gab es sowieso keinen Anlass.

"Es gibt nur Positives zu berichten", sagte Fernando Alonso. "Das Verhalten der Reifen war sehr gut und es traten keinerlei Probleme auf." Die kurzfristige Überarbeitung seitens Pirelli, die sich nach dem Großbritannien Grand Prix heftige Kritik gefallen lassen mussten, zeigte offenbar Wirkung. "Es gab hier ja überhaupt keine Reifenprobleme - also keine Schäden, Explosionen oder Plattfüße", bestätigte Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner. "Dass der weiche Reifen auf der Vorderachse Graining zeigt, gehört zum Tagesgeschäft, aber dort wollten wir ja hin."

Mercedes: Probleme mit neuen Reifen? - Foto: Sutton

Es ist nicht zu befürchten, dass Pirelli einen Holzreifen, also eine Mischung, die extrem lange fahrbar ist, mit an die Strecke gebracht hat. Der Fokus lag einzig darauf, dass sich Vorfälle wie zuletzt in Silverstone nicht mehr wiederholen sollten. Dort waren die Reifen nach dem Rennen sogar als lebensgefährlich tituliert worden - zu viel für den gescholtenen Reifenhersteller, der trotz aller Kritik wohl weiter in der Formel 1 bleiben wird. "Der neue Medium-Reifen hielt sehr lange und war sehr konstant. Der Soft-Reifen war gut auf einer Runde, hält aber nicht lange", sprach Adrian Sutil für den Großteil des Fahrerlagers.

Während die meisten glauben, dass erst die komplett neuen Reifen in Ungarn die Hackordnung auf den Kopf stellen könnten, gab es doch einen, der wegen der Kevlar-Variante eine Veränderung feststellen konnte: Ross Brawn. "Die neuen Reifen sind definitiv anders zu fahren und benötigen dementsprechend auch ein verändertes Setup", sagte der Mercedes-Teamchef. "Diese neue Abstimmung haben wir noch nicht zu hundert Prozent gefunden."


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