Formel 1 - Zu Gast bei Shakespeare & Schuhen

Land und Leute

Eine andere Währung, eine andere Zeit, andere Steckdosen und völlig andere Nahrung. Großbritannien ist für Festlandeuropäer eine eigene Welt.
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Motorsport-Magazin.com - Für viele besteht Großbritannien nur aus klischeehaften Bildern des Buckingham Palace, des königlichen Prunk, des schlechten Wetters und des warmen Bieres. Die Realität sieht allerdings etwas anders aus. Denn da besteht die grüne Insel vor allem an einem Grand Prix Wochenende aus unzähligen Motorsportverrückten und Enthusiasten, die in ihr britisches Indianapolis pilgern: Das Home of British Motor Racing - Silverstone.

Zumindest zum Grand Prix kommt hier Stimmung auf. - Foto: Sutton

Wie all jene, die bereits den Frankreich GP in Magny Cours fern ab der Hauptstadt Paris besucht haben, würden sich auch die Besucher des Großbritannien GP wünschen, dass die Rennstrecke etwas näher an London liegt. Denn dort ist eines der europäischen Zentren für Konzerte, Theater und noble Ausgehmöglichkeiten.

Ganz anders sieht es in Northamptonshire aus, wo die Strecke in einem kleinen Dorf namens Silverstone angesiedelt wurde. Von Glamour und Weltstadtleben ist hier nichts zu sehen und die Ausgehmöglichkeiten halten sich abends arg in Grenzen.

Nordwestlich von Silverstone liegt immerhin ein weiterer kleiner Ort namens Stratford-upon-Avon. Dies ist der Geburtsort von William Shakespeare, einem der berühmtesten Söhne Englands. Nach rund 30 Meilen Fahrt kann man dort das Geburtshaus Shakespeares besichtigen, welches allemal einen Besuch wert ist. Das Gebäude ist im Inneren baulich unverändert geblieben und zeigt das Leben einer Familie der unteren Mittelschicht aus dem 16. Jahrhundert, also jener Zeit, in der Shakespeare als Sohn eines Wollhändlers aufwuchs.

Nordöstlich von Silverstone liegt derweil Northampton. Dies ist mit 158.000 Einwohnern die Hauptstadt der Grafschaft Northamptonshire, zu welcher auch Silverstone gehört. Die Stadt selbst ist größtenteils durch ihre Schuhfabrikation bekannt geworden. Zudem kennt man Northampton wegen seines Rugby Clubs - im Gegensatz zu Frankreich aber ganz sicher nicht wegen der dortigen Küche.

Willkommen in Silverstone! - Foto: Sutton

Sachsen und Normannen prägten die frühen Epochen Northamptons und seiner Umgebung. Viele Sehenswürdigkeiten aus jener Zeit sind in der Stadt jedoch einem Großfeuer im Jahr 1675 zum Opfer gefallen. Die damaligen Straßenzüge sind allerdings noch weitgehend die gleichen wie heute. Im Castle von Northampton stritten 1164 König Heinrich II. und Thomas Becket.

An der Stelle des früheren Schlosses, das im 12. Jahrhundert auch Tagungsort des Parlaments war, steht heute eine Bahnstation. Nur das Postern Gate erinnert noch an früher. Northampton, am Nordufer des Nene gelegen, ist heute Industriestadt mit bedeutenden Schuhherstellern und besitzt einen der größten Marktplätze Englands.

Das Central Museum and die Art Gallery in der Guildhall Road widmen sich deshalb auch der örtlichen Schuhindustrie. Fußbekleidungen von der Römerzeit bis heute sind hier zu sehen. Das Althorp House, Sitz des Earl of Spencer, sechs Meilen nordwestlich von Northampton, erlangte unterdessen traurige Berühmtheit als letzte Ruhestätte der 1997 verstorbenen Lady Diana, Prinzessin von Wales. In einer permanenten Ausstellung wird hier ihr Leben gewürdigt.

Die historische Northampton & Lamport Eisenbahn, fünf Meilen nördlich der Stadt, basiert auf der ehemals 15 Meilen langen Strecke nach Market Harborough, die im Jahre 1859 eröffnet wurde. Ein kleines Teilstück wird mit Dampf und klassischen Diesel-Lokomotiven wieder befahren.

Der Union Jack flattert fröhlich im typischen Wind von Silverstone. - Foto: Sutton

Wem Northhampton oder das ebenfalls nahe gelegene Milton Keynes - ein 1967 gegründeter Ort, der auch als Heimat von Red Bull Racing dient - nicht ausreichen, der muss eine etwas längere Fahrt nach Oxford auf sich nehmen. Neben einem der besten Einblicke in das "alte England" bietet Oxford natürlich alles was man von einer der beiden berühmtesten Universitätsstädte der Insel erwartet.

Und diese Insel sollte als Großbritannien nicht mit England verwechselt werden. Denn während England ebenso wie Wales, Schottland oder Nordirland nur ein Teil des United Kingdom ist, stellen alle zusammen jenes Großbritannien dar, welches am Buckingham Palace genauso wie im Home of British Motor Racing mit dem rot, weiß, blauen Union Jack repräsentiert wird.


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