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Formel 1 - Interview - Christian Danner spricht Klartext

Perez, Reifen-Test, Massa-Crash

Der Monaco Grand Prix fördert allerhand brisante Themen zu Tage. Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner spricht Klartext im Fürstentum.
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Motorsport-Magazin.com - Erleidet Rosbergs Sieg einen kleinen Schaden wegen der voran gegangenen Reifen-Test-Debatte?
Christian Danner: Beschädigt wird Nicos Sieg definitiv nicht. Er fuhr brillant und niemand kann ihm diesen Sieg nehmen. Man kann Mercedes auch keinen Vorwurf machen, sich für eine Ein-Stopp-Strategie entschieden zu haben. Nicos Erfolg leidet in keiner Art und Weise ob der von der Konkurrenz ins Feld geführten illegalen Test-Session.

Dem Rennen fehlte zumindest an der Spitze etwas Action, oder?
Christian Danner: Wenn es knallhart um das Renngeschehen geht, muss man sagen, dass Monaco nicht allzu spannend ist. Das hat sich heute wieder einmal bestätigt. Da kann man mit den Reifen und der Strategie machen, was man will: Überholen ist hier eigentlich unmöglich.

Adrian Sutil hat das Überholen in Monaco neu erfinden. Ich weiß nicht, wie er das angestellt hat, aber dafür bekommt er ein ganz dickes Lob!
Christian Danner

Einer hat es aber doch ein paar Mal geschafft heute...
Christian Danner: Ja, Adrian Sutil hat das Überholen in Monaco neu erfunden. Ich weiß nicht, wie er das angestellt hat, aber dafür bekommt er ein ganz dickes Lob! Vielleicht hat er sich mehr Lenkeinschlag ins Auto bauen lassen, damit er innen rumkommt... Spaß beiseite, seine Taktik ist mir nicht unbekannt, das hat er sich bestimmt vor dem Rennen ausgedacht. Das war einfach klasse von Adrian.

Bei Felipe Massa lief es weniger gut...
Christian Danner: Massas Unfall hat mich schon erstaunt: Bei all den technischen Problemen gehört ein gewisses Maß an Blödheit dazu, zweimal einen identischen Unfall zu bauen. Woran auch immer es gelegen hat, muss er doch irgendwann einmal merken, dass es ein Problem gibt und eine andere Linie fahren.

Foto: Sutton

Sergio Perez erhitzte wieder einmal die Gemüter mit seiner Fahrweise.
Christian Danner: Zu Sergio Perez muss ich Klartext sprechen: Es ist richtig und gut, wenn junge Fahrer aggressiv und respektlos zu Werke gehen. Wenn man sich von den großen Namen des Sports einschüchtern lässt, wird man selbst nie ein Großer. Das ist völlig in Ordnung. Wenn man aber das gesamte Jahr über diese Top-Leute wie Räikkönen, Button und Alonso so oft in Situationen bringt, wo sie sagen, 'So geht es nicht', dann wäre ich vorsichtig. Wenn dann wie in Monaco der Fall eintritt, dass man unter Zuhilfenahme der Tatsache, dass es normal eine Kollision gibt und man nur darauf hofft, dass der andere versucht, die Kollision zu vermeiden, zu überholt, sollte jemand eingreifen. Ich war enttäuscht, dass die Rennkommissare bei Alonso meiner Meinung nach eine komplette Fehlentscheidung getroffen und bei der Perez/Räikkönen-Situation gar keine Entscheidung getroffen haben - denn das nennt man causing a collision.

Ich war enttäuscht, dass die Rennkommissare bei Alonso meiner Meinung nach eine komplette Fehlentscheidung getroffen haben.
Christian Danner

Im Hinblick auf die WM hieß der große Sieger Sebastian Vettel...
Christian Danner: Ja, er konnte seinen Vorsprung wegen Alonsos katastrophalem Rennen und Kimis Pech ordentlich ausbauen. Das war ein entscheidender Schritt von Sebastian in die richtige Richtung.

War Alonso nicht im richtigen Monaco-Flow?
Christian Danner: Alonso ist 24 Stunden täglich im richtigen Flow, selbst wenn er schläft! Ich denke, dass das Auto einfach nicht besonders gut war. Ferrari konnte seine Stärke im Rennen gegenüber Mercedes und Red Bull - also Reifen-Management, Strategie und Co. - aufgrund des Strecken-Layouts nicht richtig ausspielen. In Kanada sieht das wieder ganz anders aus.

Ein solcher Bruch des Reglements führt normalerweise zum Ausschluss aus der Weltmeisterschaft.
Christian Danner

Vor dem Rennstart sorgte der Reifen-Test von Mercedes für Furore. Wie siehst du das?
Christian Danner: Es wird spannend sein zu sehen, was mit Red Bulls und Ferraris Protest passieren wird. Ein Reifen-Test während der Saison ist glasklar illegal. Wer auch immer denen etwas gesagt hat, dass sie trotzdem testen dürfen, muss irgendetwas wissen, das für uns nicht sichtbar ist. Wenn es etwas geben sollte, das die Sporting Regulations der FIA außer Kraft setzt - das ist theoretisch möglich - dann nehme ich das gern zur Kenntnis. Aber es gibt eben das Sportliche Reglement und da steht drin, dass nicht getestet werden darf.

Was könnte die Folge aus dem Protest sein?
Christian Danner: Ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Ein solcher Bruch des Reglements führt normalerweise zum Ausschluss aus der Weltmeisterschaft. Ich glaube Mercedes auf jeden Fall, dass sie vorher nachgefragt haben. Aber: Wenn ich einen Polizisten frage, ob ich etwas Illegales tun darf und der zustimmt, heißt das ja noch lange nicht, dass der Richter das auch so sieht. Hier besteht Aufklärungs- und Handlungsbedarf der FIA.


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