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Formel 1 - Interview - Christian Klien

Geld oder keine Chance

Christian Klien fuhr von 2006 bis 2010 in der Formel 1. Mit Motorsport-Magazin.com unterhält sich der Österreicher über die heutige F1-Welt und Mark Webber.
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Motorsport-Magazin.com - Christian, ist das Thema Formel 1 für dich inzwischen erledigt?
Christian Klien: Absolut, eigentlich schon 2010. Für 2011 haben wir zwar noch einmal geschaut, aber ich habe damit abgeschlossen, denn entweder man bringt viel Geld mit oder man hat keine Chance. Das hat man jetzt erst wieder bei Timo Glock und Heikki Kovalainen gesehen. Beide sind sehr gute Fahrer, aber sie wurden für Piloten ausgewechselt, die Geld mitbringen.

Der Trend zum Paydriver nimmt immer weiter zu. Keine gute Situation für die Formel 1, oder?
Christian Klien: Natürlich nicht. Die ersten vier Teams sind finanziell noch gut aufgestellt, aber alle anderen müssen kämpfen. Die Fahrer sind gefragt, Budget mitzubringen und diejenigen, die besonders viel mitbringen, sitzen dann eben im Auto.

Es gibt immer Höhen und Tiefen. Es ist klar, dass es nicht mehr höher geht, wenn man einmal ganz oben war.
Christian Klien

Du bist früher für Red Bull gefahren, das heutige Weltmeisterteam. Wie weh tut es dir, nicht mehr in der Formel 1 unterwegs zu sein?
Christian Klien: Das ist im Sport so. Es gibt immer Höhen und Tiefen. Es ist klar, dass es nicht mehr höher geht, wenn man einmal ganz oben war. Im Motorsport kann man nach dem Karrierehighlight, im Gegensatz zum Tennis oder Skisport, aber noch in anderen Serien fahren und Geld verdienen. Die Formel 1 ist nicht alles, es gibt auch andere tolle Serien.

Früher konnten sich junge Fahrer in der F1 bei Testfahrten profilieren. Das ist heute kaum noch möglich. Wie siehst du diese Entwicklung?
Christian Klien: Aufgrund der Testbeschränkungen sitzen nur noch die Einsatzfahrer im Wagen, weil es so wenige Testtage gibt. Früher war es leichter, denn man konnte sich in die Formel-1-Welt einleben und aufzeigen. Heute ist das eigentlich nicht mehr möglich. Man kommt fast nur noch über Kontakte in die Formel 1 oder befindet sich in einem Förderprogramm.

Red-Bull-Junioren Klien und Jani 2004 - Foto: xpb.cc

Du bist 2004 bei Jaguar mit Mark Webber im Team gefahren. Wie fühlt er sich nach der Stallorder-Affäre bei Red Bull?
Christian Klien: Für Mark ist es schwierig. Er war ganz klar schneller und es haben alle gesehen, was passiert ist - da steckt der Frust dann sehr tief. Das war nur ein Beispiel, es geht ja schon länger so und es ist bestimmt keine gute Stimmung zwischen Webber und Vettel. Christian Horner und Dr. Marko sind nun gefragt zu schlichten, denn man kann so ein teaminternes Duell nicht brauchen, weil das Team geschwächt wird.

Was glaubst du, geht in Webber vor?
Christian Klien: Für Mark ist es sicherlich frustrierend, aber er ist ein Profi, der damit umgehen kann. Er hat sicherlich das Gespräch gesucht, aber man muss nach vorne sehen und weitermachen. Die Formel 1 ist so politisch, dass an jedem Rennwochenende solche Dinge passieren und zwei Wochen später werden die Karten wieder neu gemischt.

Hat Webber überhaupt noch Lust in der nächsten Saison für Red Bull zu fahren?
Christian Klien: Es ist das Weltmeisterteam. Er kann zu einem anderen Team gehen, aber Red Bull hat das schnellere Auto. Mit Red Bull kann er noch immer Rennen gewinnen.

Verfolgst du die Formel 1 noch?
Christian Klien: Ich schaue mir die Rennen weiterhin an und bin interessiert. KERS und DRS finde ich eine gute Sache. 2004 bis 2006 war die Aerodynamik so dominant, dass man überhaupt nicht überholen konnte und man ist nur hinterhergefahren. Jetzt kann man überholen, das war sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, um die Rennen interessanter zu machen.

Man sieht zwar mehr Überholmanöver, aber für die Fahrer ist es frustrierend, weil es kein Pushen am Maximum ist, sondern mehr Langstreckensport.
Christian Klien

Wie siehst du die aktuelle Reifensituation in der Formel1? Zuletzt häuften sich die Beschwerden.
Christian Klien: Es wurde ja gesteuert, dass man diese Reifen nun hat. Man wollte Reifen, die abbauen und nicht so lange halten, damit es mehr Boxenstopps und Überholmanöver gibt. Als Zuschauer hat man aber keinen Plan mehr. Ich schaue auch zehn Runden zu, aber dann fangen die Stopps an und man hat bis fünf Runden vor dem Ende keine Ahnung mehr, wer wo steht.

Die Fans freuen sich, die Fahrer meckern...
Christian Klien: Man sieht zwar mehr Überholmanöver, aber für die Fahrer ist es frustrierend, weil es kein Pushen am Maximum ist, sondern mehr Langstreckensport - man muss eben seine Reifen schonen. Es ist eine andere Herausforderung, aber ob das der richtige Weg ist, ist fraglich. Außerdem geben die Teams so viel Geld für die Aerodynamik aus, haben aber trotzdem das Problem mit den Reifen, die nicht gescheit funktionieren. Heutzutage fährt man zudem mit 100 kg mehr Benzin an Bord los, dadurch werden die Reifen noch stärker belastet. Das Reifenthema wäre nicht so ein großes Problem, wenn es die Tankstopps noch gäbe.


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