Formel 1 - Keine Strafen wegen DRS-Einsatz bei gelben Flaggen

Rennleitung gesteht Fehler ein

Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner erläutert, warum es derzeit so strittig ist, wann DRS verwendet werden darf und wann es verboten ist.
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Motorsport-Magazin.com - Während des China GP kündigte die Rennleitung an, nach dem Rennen zu untersuchen, ob Sebastian Vettel, Mark Webber, Jenson Button, Kimi Räikkönen, Romain Grosjean, Valtteri Bottas, Daniel Ricciardo und Max Chilton unter gelben Flaggen ihren Heckflügel flachgestellt haben. Nach einer Beratung entschieden Garry Connelly, Steve Chopping, Wang Feng und Fahrervertreter Mark Blundell, keinen der Fahrer zu betrafen. Zum einen gestanden sie eine Verzögerung von einer Minute ein, ehe die gelben Flaggen auf dem offiziellen Mitteilungssystem erschienen. Zum anderen räumten sie ein, dass das akustische Signal, das dem Fahrer anzeigt, dass er DRS verwenden darf, nicht abgeschaltet werden konnte und der Fahrer daher auf die Anweisungen seines Teams angewiesen war, ob er nun DRS verwenden darf oder nicht.

Normalerweise bekommt der Fahrer ein akustisches Signal, wenn er das DRS öffnen darf.
Christian Danner

Normalerweise dürfte ein Pilot erst nach dem Erhalt des akustischen Signals DRS verwenden. Aufgrund der derzeitigen Software-Probleme kann der Ton jedoch nicht abgestellt werden, und ertönt damit auch in den ersten beiden Runden eines Rennens, in denen das DRS noch nicht verwendet werden darf. Die Rennleitung sieht die Verwirrung, die dadurch für die Fahrer entsteht, ein und bestraft sie deshalb bei Missachtung nicht.

"Normalerweise ist das DRS enabled oder disabled nach Ansage der Rennleitung", erläutert Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner. "Automatisch ist es disabled, wenn gelb ist. Jetzt ist die Frage: Was heißt disabled? Normalerweise bekommt der Fahrer ein akustisches Signal, wenn er das DRS öffnen darf. Außer, es ist disabled, dann stellt die Rennleitung das ab." Der Fahrer könne dann zwar immer noch auf den DRS-Knopf drücken und den Heckflügel flachstellen, es sei jedoch illegal. "Der Fahrer weiß: Nur wenn es piepst, darf er den Knopf drücken", stellt Danner klar.

Ich würde sagen: in dubio pro reo.
Christian Danner

"Aufgrund der Software-Problematik, die wir seit Australien haben, kann die Rennleitung alles sehen. Sie kann aber nicht alles, was sie will, ins Auto weitergeben. Deswegen haben sie Folgendes gemacht: Sie haben den Piepston immer an, auch in den ersten beiden Runden, wo man das DRS nicht benutzen darf. Das heißt also, dass die Teams dem Fahrer sagen müssen: Du darfst oder du darfst nicht", führt er aus. Zudem müsse der Fahrer selbst darauf achten, wo gelbe Flaggen geschwenkt werden.

Dabei sei jedoch der Beginn eines Abschnitts, für den die gelbe Flagge gilt, schwer zu orten. "Gelb ist nicht, wenn man sieht, dass da vorne eine gelbe Flagge ist. Gelb ist im Idealfall immer dann, wenn im Cockpit das gelbe Licht angeht. Das gelbe Licht geht aber nicht an, weil die Übertragung nicht funktioniert. Man muss also selbst sehen, ob man schon an einem Flaggenmarshall vorbei ist oder nicht", erklärt Ex-F1-Pilot Danner die Schwierigkeiten für die Fahrer. "Ich würde sagen: in dubio pro reo. Denn die haben genug zu tun", nimmt er die Piloten in Schutz.


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