Formel 1 - Ferrari: Vom Überflieger zum Bruchpiloten

Ferrari und die Strategie

Ferrari ging mit größten Erwartungen in den Malaysia GP. Am Ende sprang ein Ausfall und Platz fünf für Felipe Massa heraus. Pechvögel oder Strategieidioten?
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Motorsport-Magazin.com - "Das heutige Ergebnis hat sicherlich einen bitteren Nachgeschmack, bedenkt man die Startpositionen, die wir im Qualifying geholt haben", fasst Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali den Großen Preis von Malaysia zusammen. Am Samstag schien die Welt noch rosarot. Ein Pilot in der ersten Startreihe, einer in der zweiten. So gut hatte Ferrari im Qualifying schon lange nicht mehr abgeschnitten.

Das heutige Ergebnis hat sicherlich einen bitteren Nachgeschmack, bedenkt man die Startpositionen.
Stefano Domenicali

Seit 1106 Tagen stand Felipe Massa nicht mehr in der ersten Startreihe, selbst bei Vize-Weltmeister Alonso ist der letzte Start mit freier Sicht auf das Rennen in Hockenheim 2012 zurückdatiert. "Ich bin sehr glücklich über diese Position, denn es ist eine lange Zeit her, seit ich mich letztmals in den Top-3 qualifizierte", strahlte Alonso noch am Samstag. Eine riesige Chance aufs Podest und sogar der Traum vom Sieg war im Gespräch.

Schlechte Vorzeichen

Rund 26 Stunden später zieht Ferrari eine mehr als ernüchternde Bilanz. Alonso war bereits nach einer Runde mit kaputten Flügel im Kiesbett und Felipe Massa kam das gesamte Rennen über nie richtig in Fahrt. Schon am Start klagte der Brasilianer über die neuen Intermediates, die bei 50 Prozent trockener Strecke auf seinem F138 nicht ins Arbeiten kamen. Damit verlor er gleich am Start alles vorher erkämpfte und kämpfte gegen Sauber und McLaren.

Felipe Massa kam in Sepang nicht in Fahrt - Foto: Sutton

Zum letzten Mal starteten beide Ferrari-Piloten gemeinsam in Montreal 2011 aus der ersten Reihe - das Ergebnis kann beinahe 1:1 gespiegelt werden. Alonso schied nach einer Kollision aus, Massa beendete das Rennen als Sechster.

Nun kann sich Ferrari zwar mit zehn Punkten für Massa trösten, die Frage ist aber: was wäre gewesen, wenn... Wenn Ferrari sich entschieden hätte, Alonso gleich hereinzuholen und nicht versucht hätte "Held zu werden", wären durchaus wichtige Punkte für den Spanier möglich gewesen. Gleiches gilt für Massa. Ferrari versuchte, auf Red Bulls Vettel-Boxenstopp in Runde fünf zu reagieren und holte auch den Brasilianer rein, um ihm Slicks aufzuziehen. Auch später entschied Ferrari anders als die meisten und holte Massa nach Runde 20 und 33 noch kurz vor Ende des Rennens in Runde 47 zum vierten Mal an die Box. Waren die Ferrari-Entscheidungen an der Box heute wirklich schlau, oder hätte mit anderen Ideen deutlich mehr herausspringen können?

Pro: Risiko zahlt sich eben nicht immer aus

Holt Ferrari Alonso rein, fällt er ins hintere Mittelfeld zurück - wenn nicht ganz ans Ende des Feldes. Zudem kämpft er dann mit ganz neuen Intermediates, während die Reifen der anderen Piloten schon angefahren und warm sind. Und schon ein paar Runden später steht ohnehin ein Stopp an - klar, dass Ferrari auf Risiko geht, vor allem, wenn Alonso unmittelbar hinter Vettel fahren kann, obwohl sein Flügel nur noch halbseiden am F138 hängt.

Und auch bei Massa: vier Mal gestoppt - na und? Klar war es riskant, in der gleichen Runde wie Vettel an die Box zu fahren, aber hätte Ferrari sich dagegen entschieden und Red Bull hätte mit Trockenreifen alles in Grund und Boden gefahren, wäre der Scuderia wieder Feigheit unterstellt worden. Am Ende kann man sagen, Lektion gelernt und in Zukunft wird es besser. Gleiches gilt für den Stopp am Ende. Klar hat Massa dadurch keinen Platz gewonnen, aber hätte er durch stark abbauende Reifen auch noch die wichtigen zehn Punkte für Ferrari verlieren sollen? Immerhin Position gehalten und den Piloten sicher über die Linie gebracht. (Marion Rott)

Contra: Sinnloses Risiko

Die perfekte Strategie sieht wohl anders aus. So riskant Ferrari bei Fernando Alonso agierte, so konervativ ging man bei Felipe Massa zu Werke. Beim ersten Stopp machte man einfach mal, was Sebastian Vettel an der Spitze tat (das um eine Runde falsche). Und am Ende holte man Massa auf fünf liegend rein, nur damit sich der Brasilianer wieder auf exakt diesen Rang kämpfen durfte - Gefahr einer Kollision inklusive. Dass sich Massa im Duell um P5 ohne den letzten Stopp gegen Romain Grosjean, dessen Reifen nur zwei Runden jünger waren, nicht zur Wehr zu setzen gewusst hätte, ist unwahrscheinlich. Und nach vorne hin war der RBR-Mercedes-Zug in der Schlussphase ohnehin abgefahren. (Michael Höller)


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