Formel 1 - Das Boxengassen-Chaos von Sepang

Pleiten, Pech und Pannen

So viel wie beim Malaysia GP war in der Boxengasse schon lange nicht mehr los. Motorsport-Magazin.com nimmt die heißen Szenen unter die Lupe.
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Motorsport-Magazin.com - Der Große Preis von Malaysia bot auf allen Ebenen Spannung und Action. Nicht nur auf der Piste ging die Post ab, sondern auch in der Boxengasse ereigneten sich zahlreiche kuriose und diskussionswürdige Szenen. Motorsport-Magazin.com rollt die Pannen beim Reifenwechsel unter Zeitdruck noch einmal auf.

Indisches Radmuttern-Debakel

Es ist nicht verbrieft, aber insgeheim wird man bei Force India wohl nicht unglücklich darüber gewesen sein, dass Red Bull und Mercedes am Ende des Rennens für jede Menge Diskussionsstoff sorgten, sodass das Debakel der Inder ein wenig in den Hintergrund rückte. Das Unheil begann schon bei der ersten Serie der Boxenstopps. Da die Strecke zusehends auftrocknete, riefen die Inder Adrian Sutil und Paul di Resta in derselben Runde an die Box. Der Deutsche sollte als Erster seine neuen Pneus ausfassen, doch die Radmuttern bereiteten Probleme, weshalb es rund zwanzig Sekunden dauerte, ehe der hinter im wartende di Resta endlich an die Reihe kam, bei dem die Prozedur, die eigentlich maximal drei Sekunden dauern soll, aber ebenfalls nicht reibungslos vonstattenging.

Bei Force India ging alles schief - Foto: Sutton

"Beide Autos hatten die gleichen Probleme", schilderte Sutil im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Wir waren uns außerdem nicht sicher, ob die Radmutter überhaupt richtig drauf war und halten würde." Beim zweiten Stopp traten bei beiden Piloten erneut dieselben Schwierigkeiten auf - di Resta verbrachte mehr als eine Minute in der Box - weshalb sich Force India dazu entschied, die Boliden aus Sicherheitsgründen zurückzuziehen. Doch wie konnte es überhaupt zur Misere kommen? "Wir haben ein neues System, das die Boxenstopps eigentlich schneller machen sollte", klärte Sutil auf. "Es hat in Australien sehr gut funktioniert, aber hier war der Wurm drin. Wir müssen das analysieren, weil es bei beiden Autos vorgekommen ist." Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner kommentierte das Geschehen süffisant: "So etwas passiert halt, wenn ein kleines Team mit den Großen mitmischen will. Die müssen noch ein bisschen üben."

Hamilton schneit herein

Sorgte Force India für die Pannenserie des Wochenendes, zeichnete Lewis Hamilton für den lustigsten Moment verantwortlich. Der Mercedes-Pilot hatte sich bei seinem ersten Stopp in der Garage geirrt und zunächst die McLaren-Box ins Visier genommen - unzählige gemeinsame Jahre hinterlassen eben doch Spuren. "Ich habe einen Jenson gebaut", scherzte er und dachte an seinen ehemaligen Teamkollegen, dem dieses Malheur ebenfalls bereits einmal unterlaufen war, als er irrtümlich bei Red Bull hielt. Die Reaktion von McLaren ließ nicht lange auf sich warten: "Du kannst jederzeit hereinschauen und 'Hi' sagen", twitterte die Mannschaft aus Woking noch während des Rennens.

Ich habe einen Jenson gebaut
Lewis Hamilton

Stichwort Button: Auch beim Weltmeister von 2009 lief es alles andere als rund. Auf Platz fünf liegend trat er nach einem Reifenwechsel zu früh aufs Gas, da die Ampel in der McLaren-Box fälschlicherweise freie Fahrt signalisiert hatte. "Für 120 Millisekunden hatte Jenson grünes Licht. Er hat eine unglaubliche Reaktionsfähigkeit und dafür hat er heute bezahlt", erklärte Teamchef Martin Whitmarsh und fügte an: "Diese Leute versuchen einen Boxenstopp unter zwei Sekunden zu vollbringen. Da ist so viel los und der Druck ist immens hoch. Ein menschlicher Fehler führte dann zu dem grünen Licht. In so einem Moment wünscht man sich, dass man einen Fahrer hätte, der weniger schnell reagiert."

Toro Rosso muss zahlen

Button musste schlussendlich nach wenigen Metern wieder anhalten und von seinen Mechanikern zurück an die Box geschoben werden, da sein rechtes Vorderrad nicht korrekt montiert war. Zwar konnte der Brite in weitere Folge das Rennen noch einmal aufnehmen, gab zwei Runden vor dem Fallen der Zielflagge jedoch aus Sicherheitsgründen auf. "Mein linkes Vorderrad blockierte immer wieder und verursachte starke Vibrationen. Die Jungs hatten die Befürchtung, dass ich die vordere, linke Aufhängung beschädige, wenn ich weiterfahre", lieferte er anschließend die Erklärung.

Button konnte sich bereits verfrüht der Rennanalyse widmen - Foto: Sutton

Menschliches Versagen gab es auch bei Toro Rosso zu vermelden. Jean-Eric Vergne war gerade mit neuen Gummis ausgestattet worden, als er mit Caterham-Mann Charles Pic kollidierte. Die Toro-Rosso-Crew hatte ihren Piloten zu früh losgelassen und bekam dementsprechend von den Stewards eine Strafe in Höhe von 10.000 Dollar aufgebrummt - das Team akzeptierte sie anstandslos. Während sich Vergne bei dieser Aktion die Nase beschädigte und zurückgerollt werden musste, um sich einen neuen Flügel abzuholen, war Pic über seinen Landsmann erbost. "Es ist so schade, dass dieser Zwischenfall passiert ist, denn wir hätten definitiv ein besseres Ergebnis erzielen können", meinte er. Schlussendlich wurde Pic 14., während sich Vergne als Zehnter den letzten Punkt sicherte.


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