Formel 1 - 9 Antworten zu den Testfahrten in Jerez

Ferrari-Feuer & Mercedes-Misere

Die ersten Testfahrten des Jahres sind Geschichte. Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Tests im spanischen Jerez.
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1. - Warum brannte der Ferrari?

Das war ein heißer Einstand für Pedro de la Rosa bei Ferrari. Der Spanier übernahm den F138-Boliden am Freitag erstmals von Felipe Massa. Doch allzu weit kam er nicht. Bereits nach zwei Installationsrunden rauchte es plötzlich im Heckbereich des Boliden, de la Rosa musste das Auto abstellen und abschleppen lassen. Die Ferrari-Mechaniker waren bemüht, mittels eines roten Tuchs den Boliden vor den Linsen der Fotografen zu verhüllen, doch im Bereich des rechten Auspuffs waren Brandspuren deutlich zu erkennen. Wieder in der Garage eingetroffen, stellte sich schnell heraus, dass es sich um einen Getriebedefekt handelte. Der Ferrari verbrachte einige Zeit in der Box, de la Rosa fuhr erst um 14:30 Uhr wieder auf die Strecke und drehte weitere Runden.

2. - Warum stand Mercedes so im Fokus?

Mercedes in Jerez, das kann man leicht in zwei Begriffe einteilen: flop und top. Schlimmer hätte es für die Silberpfeile kaum losgehen können. An den ersten beiden Testtagen schaffte das Auto mit Nico Rosberg und Lewis Hamilton am Steuer genau 29 Runden - ein fürchterlicher Wert. Was war bloß passiert? Am Dienstag war für Rosberg nach 14 Runden Schluss, als Flammen am W04 aufloderten und ein defekter Kabelstrang den vorzeitigen K.o. versetzte. Nicht besser lief es bei Hamiltons Premiere: In der 15. Runde knallte der Brite plötzlich frontal in die Streckenbegrenzung. Dem Briten fehlte beim Bremsvorgang der volle Bremsdruck an der Hinterachse und so blieb ihm nicht viel anderes übrig, als in die Bande zu krachen und sich dabei seinen Frontflügel und einen Teil der Aufhängung zu zerstören. Die Bremsleitungen scheuerten am hinteren Bremssattel, was für den Verlust des Drucks sorgte.

Rosberg wurde an Tag 1 gestoppt - Foto: Sutton

Am Donnerstag liefen schon Wetten, wie wenige Runden der Silberpfeil wohl diesmal drehen würde - doch da drehte Rosberg auf. Problemlos spulte er 148 Runden ab, die meisten am Donnerstag. Hamilton machte es seinem Teamkollegen am Freitag nach und absolvierte 145 Umläufe auf dem Circuito de Jerez. In der Jerez-Endabrechnung sieht das wie folgt aus: 29 Runden an den ersten beiden Tagen, 293 Runden an den letzten beiden. "Wir waren an den letzten paar Tagen einfach unglücklich, denn es gab Probleme, die sehr einfach hätten vermieden werden können, aber sie waren ziemlich schwierig zu beheben", meinte Rosberg. "Das ist bei relativ kleinen Problemen ungewöhnlich."

3. - Warum fehlte Alonso in Jerez?

Von den einheimischen Fans schmerzlich vermisst in Jerez: Fernando Alonso. Der Ferrari-Star zog es vor, sich physisch auf die neue Saison vorzubereiten statt Kilometer im neuen F138-Boliden zu drehen. Schnell tauchten Gerüchte im Fahrerlager auf, ob er nicht an einer Verletzung leide und diese geheim halten wolle. "An dieses Spekulationen ist überhaupt nichts dran", dementierte Ferrari vehement.

Komischerweise wusste aber selbst Felipe Massa nicht, warum sein Teamkollege auf die ersten Tests des Jahres verzichtete: "Ich habe keine Ahnung, warum er seine Pläne geändert hat. Ich habe aber nicht mit ihm darüber gesprochen." Kein Wunder, dass es in der Gerüchteküche brodelt, auch wenn Alonso bemüht ist, täglich mehrere Bilder von seinem Training zu twittern.

Gilt auch in der F1: Loch ist Loch - Foto: Sutton

4. - Wie konnte ein Loch für rote Flaggen sorgen?

Die Teams waren sowieso nicht allzu begeistert von den Streckenbedingungen in Jerez mit dem extrem rauen Asphalt, der die Reifen förmlich auffraß. Die Evaluierung der überarbeiteten Pirellis war kaum möglich. Das Ganze wurde am Freitag sogar nochmals getoppt, als um 12:40 Uhr plötzlich rote Flaggen geschwenkt wurden. Hinter Kurve 9 klaffte ein 1qm großes Loch aus dem Boden, weil sich Steine gelöst hatten und über die Strecke kullerten. Streckenpersonal spachtelte das Loch zu und trocknete es mit einem Laubgebläse - eine kreative Lösung des Malheurs, die insgesamt eine Stunde lang dauerte.

Dafür wurde schnell umgeplant und die Testfahrten endeten eine halbe Stunde später als geplant - dadurch dürfte der eine oder andere seinen Flug verpasst respektive früher abgereist sein. Sebastian Vettel nahm es jedoch locker. "Ich mache dem Kurs keine Vorwürfe, denn solche Dinge können passieren", so der Weltmeister. "Das war unglücklich, aber die Jungs machten einen guten Job und gaben uns noch eine halbe Stunde obendrauf. Niemand hatte Beschädigungen am Auto."

5. - Wer war insgesamt Schnellster in Jerez?

Beim ersten Test des Jahres sind die Rundenzeiten traditionell relativ egal, aber ganz außer Acht lassen kann man sie natürlich nicht. Nach den vier Tagen in Jerez schaffte es nur ein Fahrer, die 1:18er-Marke zu knacken: Felipe Massa. Der Ferrari-Pilot schaffte seine beste Runde am Donnerstag in 1:17.879 Minuten. Jenson Button hatte zum Auftakt am Dienstag die Bestmarke gesetzt, 1:18.861 Minuten - eine Zeit, die Massa selbst zunächst als unbeschreiblich beschrieb. Dann legte er selbst noch eine Schippe drauf. Kimi Räikkönen erzielte die zweitbeste Gesamt-Rundenzeit (1:18.148 Minuten) vor seinem Teamkollegen Romain Grosjean (1:18.218 Minuten) und besagtem Button.

Schnellster Mann in Jerez: Felipe Massa - Foto: Sutton

"Wir sind alle ganz schön flott unterwegs", bemerkte Nico Hülkenberg. "Das fühlte sich schon fast wie im Qualifying an, die Rundenzeiten lagen oft nur Hundertstel voneinander entfernt." Doch wo war eigentlich der Weltmeister? Sebastian Vettel ließ es eher gemütlich angehen und fuhr seinen besten Umlauf am Donnerstag in 1:18.565 Minuten. "Die Jagd nach Rundenzeiten überlassen wir hier den anderen", so der schlichte Kommentar des Red-Bull-Stars. Einen besseren Überblick über die Hackordnung dürften die Rundenzeiten bei den Tests in Barcelona geben, schließlich taucht die Strecke im Rennkalender auf.

6. - Warum reiste Williams mit dem Vorjahresauto an?

Alle Teams reisten mit ihren neuen Boliden für die anstehende Saison nach Jerez, lediglich Williams hatte das Vorjahresauto für Pastor Maldonado und Rookie Valtteri Bottas im Gepäck. Der britische Rennstall präsentiert den FW35 erst bei den nächsten Tests in Barcelona - so wie Mercedes es im vergangenen Jahr handhabte. Für Bottas jedoch kein allzu großes Dilemma, muss sich der Finne sowieso erst einmal mit den F1-Abläufen richtig vertraut machen. Immerhin hatte Williams ein paar Aero-Teile fürs 2013er-Auto angebracht, dazu zahlreiche Aero-Gitter. "Ein paar wertvolle Daten konnten wir sammeln", sagte der Finne.

7. - Was passierte bei Rossiters Boxenunfall?

James Rossiter zeichnet bei Force India normalerweise für die Simulatorarbeit verantwortlich, erhielt in Jerez jedoch die Chance, einige Runden auf der realen Strecke zu drehen, um wichtige Eindrücke für seine Aufgabe vor dem Monitor zu sammeln. Rossiter fuhr zunächst am Mittwochnachmittag einige Runden, ehe er am Donnerstagvormittag noch einmal auf die Strecke ging.

Vorsicht! James Rossiter im fatalen Anflug - Foto: Sutton

Da die Reifen und Bremsen kälter als am Vortag waren, verschätzte sich der Brite bei der Anfahrt auf seine Box und fuhr den Mechaniker am vorderen Wagenheber um, der im hohen Bogen durch die Luft geschleudert wurde, glücklicherweise aber unverletzt blieb. "Es war komplett meine Schuld", nahm Rossiter das Malheur auf seine Kappe. "Im echten Leben gibt es keine Reset-Knöpfe und im Simulator stehen auch keine Mechaniker vor dem Wagen."

8. - Der superweiche Reifen sorgte in Jerez für Verwirrung - was war los?

Zu Beginn der Testfahrten hieß es, Pirelli würde alle Reifenmischungen mit Ausnahme der Superweichen nach Jerez bringen. Als Jenson Button am ersten Tag dann seine Bestzeit ausgerechnet mit jenen superweichen Reifen erzielte, war die Verwirrung zunächst groß. Denn: Pirelli stellte jedem Team 20 Sätze Reifen zu Verfügung, unter denen sich die superweichen jedoch nicht befanden - der Reifenhersteller hielt die Kombination aus rauem Jerez-Asphalt und den Supersofts für ungeeignet.

Verwirrspiel um Buttons Reifen - Foto: Sutton

Aber: Zusätzlich hatte jedes Team die Möglichkeit, sich 15 Sätze nach eigenem Gusto zusammenzustellen. McLaren griff dabei offenbar auch zur superweichen Mischung, die nur schwer vom harten Compound zu unterscheiden war. Die harten Reifen erhielten eine orangene Markierung, die sich nicht besonders von der roten der Supersofts abhob. Damit war die Verwirrung perfekt.

9. - Der Einsatz von DRS wurde im Reglement für 2013 überarbeitet. Gab es bei den Tests Bestimmungen dazu?

2013 ist der Einsatz von DRS auch im Qualifying lediglich in den DRS-Zonen erlaubt. Um sich auf diesen Umstand besser einstellen zu können, haben sich die Teams im Vorfeld darauf geeinigt, den Flügel bei den Wintertests nur auf der Start- und Zielgeraden öffnen zu dürfen. Das Reglement wurde übrigens aus Sicherheitsgründen angepasst, weil die Piloten versuchten, auch extrem schnelle Kurven mit geöffnetem Heckflügel zu durchfahren.


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