Formel 1 - Technikanalyse Ferrari F138

Schönheitskur für die Rote Göttin

Mit viel Spannung wurde die Präsentation des neuen Ferrari erwartet. Ein radikaler Konzeptwechsel wie bei McLaren blieb aus, die Scuderia bleibt sich treu.
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Motorsport-Magazin.com - Evolution, Evolution, Evolution - kaum jemand wurde bei der Ferrari-Präsentation müde zu betonen, dass es sich beim F138 um keine komplette Neuentwicklung handelt. Dabei hatte ohnehin niemand erwartet, dass die Scuderia auf ein gänzlich neues Konzept setzt. Dafür wirkt der intern als 664 bezeichnete Renner in einigen Details verbessert. Motorsport-Magazin.com analysiert die Veränderungen der neuen Roten Göttin.

Um die ungeliebte Halbgöttin des vergangenen Jahres in Vergessenheit geraten zu lassen, spendierten die Ingenieure dem F138 eine Schönheitskur. Die unsägliche Hakennase - die Ferrari besonders unschön in Szene zu setzten wusste - gehört nun der Vergangenheit hat. Die Scuderia entschied sich wie auch Erzrivale McLaren für die Möglichkeit der optischen Korrektur, die aerodynamischen Vorteile sollen stärker wiegen als die Einbußen bei Gewicht und Gewichtsverteilung - die ohnehin kaum bemerkbar sein dürften, handelt es sich schließlich um ein nicht tragendes Teil.

Die Airbox bei Ferrari ist zweigeteilt - Foto: Ferrari

Interessanter als die Nasen-OP an der Ferrari-Front sind jedoch die neuen Pylonen. Das Verbindungsstück zwischen Frontflügel und Nase reicht erneut so weit nach hinten, dass sie von der Seite von den Vorderreifen verdeckt werden. Kein Team zeigte hier bislang einen so extremen Lösungsansatz wie die Italiener. Zusätzlich wurde eine kleine Ecke an der Vorderseite hinzugefügt, so dass die Ferrari-Variante noch länger wirkt. Dadurch entsteht ein richtiger Kanal unter der Fahrzeugfront, der die Luft gezielt auf den dahinterliegenden Splitter lenken soll.

Letztes Jahr noch Hauptthema, wird der Radaufhängung beim F138 wenig Beachtung geschenkt. Ferrari blieb seinem Pullrod-Konzept treu und verbesserte die Aufhängung nur im Detail. Dafür machen die Ingenieure hauptsächlich aerodynamische Gründe verantwortlich, die Fahrwerkskinematik habe dabei nicht im Mittelpunkt gestanden. Speziell an der Hinterradaufhängung konnte somit der Luftstrom verbessert werden.

Im Bereich der Airbox und der Lufteinlässe der Seitenkästen ist der F138 fast ein Duplikat seines Vorgängers. Weiterhin fällt eine zweigeteilte Airbox auf, die im Gegensatz zur Lotus-Lösung hintereinander statt nebeneinander angeordnet ist. Ob die Öffnung für ein passives DRS genutzt wird, ist unklar. Ein vertikaler Steg zum Heckflügel war am Showcar jedenfalls noch nicht zu sehen, jedoch gab Ferrari selbst zu, noch nicht das letztendliche Einsatzauto gezeigt zu haben. Die Sidepod-Wings ähneln denen des Vorjahres stark, wobei auch an dieser Stelle zum Saisonauftakt Neuerungen zu erwarten sind.

Das Heck des F138 gleicht einer Speerspitze - Foto: Ferrari

Das Interessanteste an der neuen roten Göttin ist ihr Hinterteil. Es wird bereits spekuliert ob die Scuderia das Getriebegehäuse verlängert hat, um mehr Platz für ein aerodynamisch effizienteres Heck zu schaffen. Die Auspuffgase treten in Relation früher aus den Seitenkästen aus und haben mehr Weg, um auf die entsprechende Stelle - die Oberseite des Diffusors - aufzutreffen. Die Gase werden weiterhin über einen Schacht nach außen geleitet, der Ausdruck 'Semi-Coanda-Auspuff' macht für solche Lösungsansätze schon die Runde.

Im Gegensatz zur Vorjahreslösung mancher Konkurrenten sollen sich die Gase nicht an die - in diesem Jahr extrem eng zusammenlaufende - Heckverkleidung anschmiegen, sondern lediglich an den Diffusor. Der F138 wirkt hinter und neben der Motorabdeckung so schmal wie kein anderes Auto. Die Form erinnert mehr an eine Speerspitze als an die vielzitierte Cola-Flasche. Vielleicht wählt Ferrari die Semi-Coanda-Variante, weil eine Anströmung der so spitz zulaufenden Heckverkleidung keine nennenswerte Vorteile mehr bringt.

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Evolution heißt das Zauberwort bei der Scuderia. Im Gegensatz zu McLaren werfen sie nicht ihr Vorjahreskonzept über den Haufen - wieso auch, bedenkt man, dass die Briten das Konzept der Italiener übernommen haben. Die einzige radikale Änderung ist das Heck des roten Renners. In Anbetracht der Wichtigkeit dieses Bereichs, vielleicht ein geschickter Schachzug.

Ferrari hatte gegen Ende der Saison ein solides, aber kein überragendes Auto. Änderungen, die einen Formel-1-Boliden schneller machen, müssen nicht immer offensichtlich sein, weshalb ich die Scuderia keineswegs abschreibe. Vor allem zu Saisonbeginn - wenn McLaren noch Probleme mit dem neuen Konzept haben könnte - sehe ich Ferrari in einer guten Ausgangsposition. Einen Geniestreich jedoch konnte ich noch nicht finden. Sollte Red Bull am Sonntag einen solchen zeigen, muss in Maranello wieder getüftelt werden. (Christian Menath)


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