Formel 1 - Kolumne - Pro und Contra

Große Herausforderung für neuen Rennleiter

Toto Wolff übernimmt die sportliche Verantwortung bei Mercedes. Kommen mit ihm auch die erhofften Erfolge? Die Redaktion von Motorsport-Magazin.com ist uneins.
von

Pro: Erfolgsversprechender Paradigmenwechsel

von Philipp Schajer

Die Katze ist also aus dem Sack: Der Österreicher Toto Wolff wird der neue starke Mann bei Mercedes und soll helfen, die Stuttgarter endlich an die Spitze der Formel 1 zu führen, was bisher alles andere als gelingen wollte. Mit dem Wechsel von Norbert Haug zu Wolff vollzieht Mercedes einen Paradigmenwechsel. Der 41-Jährige soll neuen Schwung ins Team bringen - durchaus möglich, dass man sich dabei an BMW orientiert hat, wo mit Jens Marquardt ebenfalls ein unverbrauchter Mann äußerst erfolgreich das Zepter schwingt.

Der Stern soll wieder glänzen - Foto: Mercedes GP

"Kompetenz, Know-how, Erfahrung und trotzdem Jugend - hervorragend", fand Christian Danner im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com viele lobende Worte für Wolff, der in seiner kurzen Zeit bei Williams für den Wiederaufschwung des britischen Traditionsrennstalls sorgte, welcher im Sieg von Pastor Maldonado nach langer Durstrecke gipfelte. Es ist davon auszugehen, dass man sich bei Mercedes von Wolff ähnliches erwartet - zudem ist es gewiss kein Nachteil, dass der Österreicher weiterhin bestens über die Vorgänge bei der Konkurrenz informiert ist, behält er doch seine Williams-Anteile.

Als Mercedes-Benz Motorsportverantwortlicher zeichnet Wolff nicht nur für die Formel-1-Aktivitäten der Stuttgarter verantwortlich, auch die DTM gehört zu seinem Zuständigkeitsbereich und auch hier hat Mercedes nach der enttäuschenden letzten Saison einigen Aufholbedarf. Wolff kennt sich jedoch im Tourenwagengeschäft bestens aus, denn immerhin ist er Teilhaber von HWA und seine Frau Susie drehte bis zuletzt ihre Runden für die Stuttgarter, wenn auch mit überschaubarem Erfolg. Es macht also den Anschein, als hätte Mercedes mit Wolff den perfekten neuen Frontmann gefunden, allerdings wird auch er sich an den Erfolgen messen lassen müssen, nach denen der Autobauer so gierig lechzt.

Contra: Risikoreiche Mammutaufgabe

von Olaf Mehlhose

Nun soll es also Toto Wolff richten. Zugegeben: Seit seinem Formel-1-Einstieg 2009 hat der Österreicher für mächtig Furore gesorgt. Innerhalb von drei Jahren schaffte er es vom Minderheitseigner bei Williams an die Spitze des britischen Traditionsrennstalls - und nun der Wechsel zu Mercedes. Gut, der 41-Jährige ist sicherlich ein gewiefter Geschäftsmann, dass er in der Lage ist, ein Top-Team wie Mercedes zu führen, hat er allerdings noch nicht nachgewiesen. Inwieweit der letztjährige Aufschwung bei Williams dem Österreicher anzurechnen ist, lässt sich aus der Ferne nur schwer beurteilen.

Hat Mercedes auch 2013 Grund zum Jubeln? - Foto: Mercedes AMG

Apropos Williams: Dass Wolff das Team nach den tief greifenden Umstrukturierungen, die er im Anschluss an die vergangene Saison vorgenommen hat, schlagartig verlässt, ist für die Truppe aus Grove sicherlich ein harter Schlag. Bleibt nur zur hoffen, dass sich Mercedes gegen eine ähnliche Entwicklung abgesichert hat. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es gut war, Wolff gleich die Verantwortung für den gesamten Motorsportbereich zu übertragen. Mit der Doppelfunktion als Rennleiter für Formel 1 und DTM erwartet ihn eine Mammutaufgabe. Es wäre besser gewesen, die Arbeitsbereiche zumindest im ersten Jahr aufzusplitten und ihm einen erfahrenen Mann zur Seite zu stellen.

Fazit: Mercedes geht mit der Verpflichtung von Wolff großes Risiko ein. Nach den drei erfolglosen Comeback-Jahren in der Königsklasse und den spektakulären Neuverpflichtungen für die Saison 2013 steht Mercedes, und somit Wolff, ab dem ersten Rennen unter immensem Druck. Kann er das Schiff auch auf Kurs halten, wenn die Ergebnisse zu Saisonbeginn ausbleiben? Hinzu kommt: Ab seinem ersten Arbeitstag wird der neue Motorsportchef an seinem Vorgänger Norbert Haug gemessen, eine Tatsache, die seine Aufgabe nicht unbedingt einfacher macht. Dass sich Wolff der Herausforderung stellt, beweist seinen Schneid und seine Ambition, ob er ihr gewachsen ist, wird aber erst die kommende Saison zeigen.


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