Formel 1 - Top 5: Echte Kerle in der Formel 1

Leben auf der Überholspur

Das Motorsport-Magazin blickt mit den besten Texten der Printausgabe auf 2012 zurück. Heute: Fahrer mit Persönlichkeit.
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Motorsport-Magazin.com - Die heutigen Formel-1-Fahrer sind PR-Marionetten ohne Persönlichkeit? Mag sein, aber das war nicht immer so. Mit Kimi Räikkönen kehrt 2012 ein Pilot zurück, der auf und abseits der Rennstrecke Gas gibt. Das Motorsport-Magazin verrät, wer noch in die Riege der "echten Kerle" gehört.

5. Jacques Villeneuve

Der schwarze Wagen wirkte wie ein Magnet auf die Menschen. Alle Blicke waren auf die Person hinter dem Steuer gerichtet. Als Jacques Villeneuve schließlich vor seiner eigenen Bar "Newtown" ausstieg, war die Menge nicht mehr zu halten. Der Kanadier galt für seine Fans als der Größte in der Formel 1, nicht zuletzt weil er zu der Minderheit an Fahrern zählte, die ungeachtet jeglicher Konventionen oder möglicher Konsequenzen ihre Meinung äußerten. "Wer mich unter Vertrag nimmt, der kriegt einen schnellen Rennfahrer und keinen lächelnden PR-Botschafter", stellte Villeneuve stets klar.

I survived Eau Rouge
Jacques Villeneuve

Die politischen Spielchen spielte das "Enfant terrible", wie Villeneuve in der Formel 1 bezeichnet wurde, nicht mit. Stattdessen polarisierte er bewusst mit seinen Äußerungen, seinen immer wieder wechselnden Haarfarben und seinem lässigen Kleidungsstil. Ein um zwei Nummern zu großer Rennanzug wurde schnell zu seinem Markenzeichen. "In der Formel 1 ist es dir prinzipiell nicht erlaubt, eine eigene Persönlichkeit zu haben. Aber wie sollen wir dann Helden haben, wenn Persönlichkeiten nicht erlaubt sind?", fragte Villeneuve. Seinen eigenen Heldenstatus pflegte er, indem er seine Autogrammkarten mit dem Spruch "I survived Eau Rouge" bedrucken ließ, nachdem er dort 1999 mit 220km/h in die Reifenstapel geknallt war.

4. Gerhard Berger

"Ich hatte die Bäume nahe Lesmo angezielt, aber diese verfehlt. Der Koffer fiel vor die Füße der Marshalls und sie gaben ihn Ayrton zurück", erzählte Gerhard Berger. Kurz zuvor hatte er den 8.000 Dollar teuren Karbon-Koffer seines Freundes Ayrton Senna aus dem Helikopter geworfen, nur um dessen Stoßfestigkeit zu testen. Nicht der einzige Streich, den er Senna spielte. Als Tatort fungierte zumeist das Hotelzimmer des Brasilianers - mal fand Senna zehn australische Riesenkröten unter seinem Bettlaken, mal stinkenden Käse. "Ich habe von ihm viel über den Sport gelernt und er von mir das Lachen", erinnert sich Berger.

1992 in Ungarn: Männer unter sich - Foto: Sutton

Legendär ist auch der Streich, den Berger Jean Alesi spielte. Als er erfuhr, dass der Franzose am nächsten Tag nach Tokio fliegen sollte, schwärzte er dessen Passbild im Reisepass. Beide gemeinsam legten den brandneuen Lancia ihres Teamchefs Jean Todt in Fiorano aufs Dach - gekonnter Einsatz der Handbremse inklusive. Abgesehen von seinen Streichen fiel Berger mit seinem Mundwerk aus dem Rahmen. Damals wie heute findet sich beim Österreicher kein Filter zwischen Hirn und Mund. Schonungslos spricht er über die eigene Karriere ("Ich glaube, ich liege mit Stirling Moss im Clinch um den Titel erfolgreichster Nicht-Weltmeister") sowie über die aktuelle Situation in der Formel 1: "Die meisten F1-Manager laufen doch nur mit einem leeren Aktenkoffer und einer Wurstsemmel darin herum."

3. Kimi Räikkönen

"Ich hatte ein paar Drinks", lautete die einfache und ehrliche Antwort von Kimi Räikkönen, als er nach einer durchfeierten Nacht auf einer Parkbank einschlief. In seinen Armen hielt er einen aufgeblasenen Gummi-Delphin. Nicht die einzige Eskapade, die Räikkönen in seiner Karriere ablieferte. Sein Sturz betrunken von einer Yacht 2003 zählt heute noch zu den Rennern auf YouTube. Kein Video, aber immerhin Fotos gibt es von Räikkönens Absturz 2004 als er nach einigen Wodka-Sahne-Getränken in Eminem-Manier die Hose runterließ.

Ein Schwabe tut gut daran, sich beim Trinken nicht mit den Finnen anzulegen. Das wäre wie ein Drachenflieger gegen die NASA
Norbert Haug

Seine Arbeitgeber McLaren-Mercedes und Ferrari nahmen die Trinkgelage nach außen hin locker. "Ein Schwabe tut gut daran, sich beim Trinken nicht mit den Finnen anzulegen. Das wäre wie ein Drachenflieger gegen die NASA", sagte Norbert Haug. Luca die Montezemolo meinte: "Auch einige Kerpener, die mehrmals Weltmeister geworden sind, betrinken sich drei- oder viermal im Jahr, doch sie hängen es nicht an die große Glocke und es geschieht nichts." Der Finne will vor allem eins: Spaß. Egal ob beim Bootsrennen im Gorilla-Kostüm oder beim Schneemobil-Rennen unter dem Pseudonym James Hunt. Flavio Briatore sah in Räikkönen stets ein Geschenk für die Formel 1: "Wir wollen keine Buchhalter als Fahrer. Die Piloten brauchen Persönlichkeit. Räikkönen ist wie eine Prise frische Luft."

2. Eddie Irvine

In seinen Augen sah er rasende Wut. Er hatte den großen Ayrton Senna aus der Fassung gebracht - ein schwerer Fehler. Wenige Minuten später lag Eddie Irvine auf dem Boden. Nach dem Motto "Wer nicht hören will, der muss fühlen" hatte Senna dem frechen Neuling eine Ohrfeige verpasst. Nicht die letzte, die Irvine in seiner F1-Zeit kassierte. "Als ich Eddie das erste Mal traf, versuchte ich, eine Schlägerei zwischen ihm und Johnny Herbert bei einer Party in Australien zu beenden. Ich weiß nicht, worum es ging, aber ich erinnere mich noch, dass Eddie beinahe horizontal herausgetragen wurde", verriet Ross Brawn. Nicht nur gegenüber Kollegen, sondern auch gegenüber seinen Bossen nahm "Crazy Eddie" kein Blatt vor den Mund und pflegte damit sein Image als der politisch unkorrekteste Fahrer der F1.

Auf und neben der Strecke: Eddie Irvine sorgte immer für Zündstoff

"Die Hersteller wollen, dass alles schön, sauber und perfekt ist und dass die Fahrer ausschließlich schöne und nette Dinge über ihre Autos und Arbeitgeber sagen. Das läuft komplett in die entgegengesetzte Richtung, die ich vertrete und bevorzuge", sagte Irvine. Mit seinem Verhalten zog er auf, aber vor allem abseits der Strecke die Schweinwerfer auf sich. In seinem ersten F1-Jahr fuhr er zur Saisonauftaktparty mit der Stretch-Limousine von Tina Turner vor - in einem Arm eine Schauspielerin, im anderen ein Model mit einer Champagnerflasche in der Hand. "Die italienischen Fans wollen eine Mischung aus Frauenheld und Kampfflieger im Ferrari-Cockpit haben", sagte Irvine. Böse Zungen behaupteten, dass Irvine nur seine Sonnenbrillen noch häufiger wechselte als seine Frauen.

1. James Hunt

Mit der Starterbatterie und dem Abschleppseil bewaffnet, machten sich die McLaren-Mechaniker im Mietwagen zum gestrandeten Boliden von James Hunt auf. Der M26 war am Ende der Mistral Gerade ausgerollt. Als die Mechaniker beim Boliden ankamen, fanden sie Hunt im Tiefschlaf vor. Der Grund war schnell klar: Hunt hatte einen Kater. Vor dem Beginn der Testfahrten in Paul Ricard hatte Hunt zusammen mit Niki Lauda einen Abstecher zum Heurigen gemacht. Während Lauda die Weinmenge in einem angemessenen Rahmen hielt, floss der Wein bei Hunt in Strömen. Wenn nichts mehr Platz hatte, entließ Hunt seinen Mageninhalt in den Grünpflanzen des Wirtshauses und bestellte danach die nächste Runde. Hunts Lebensmotto lautete: Wer hart arbeitet, muss auch hart feiern.

1976 hat James Hunt den Durchblick: Am Ende des Jahres gewinnt er den Titel

Der Blondschopf mit den blauen Augen war stets für eine Schlagzeile gut. Er rauchte am Tag bis zu 60 Zigaretten, liebte Frauen, Drogen und Alkohol. Er ließ sich nirgends reinzwängen - nicht einmal in seine Schuhe. Deshalb schnitt er die Spitze seiner Schuhe ab oder ging gleich barfuß. Zu edlen Dinner-Partys tauchte er generell in T-Shirt und Jeans auf. 1979 fand seine Rennkarriere ein Ende, seine Exzesse gingen aber weiter. 1988 musste Murray Walker den Belgien GP allein kommentieren, da sich sein Co-Kommentator Hunt offiziell eine bösen Magenverstimmung eingefangen hatte. Inoffiziell hatte Hunt sich am Vorabend mit zwei Frauen auf seinem Hotelzimmer vergnügt und den Wecker am Morgen nicht gehört.

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