Formel 1 - Alfred Neubauer: Der 1. Norbert Haug

Der Erfinder des Rennleiters

Schon vor Norbert Haug hatte Mercedes-Benz einen Mann, der die Renngeschicke des Unternehmens wesentlich beeinflusste.
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Motorsport-Magazin.com - Für die vergangenen beiden Jahrzehnte stand der Name Norbert Haug als Synonym für Mercedes-Benz Motorsport. Doch schon vor ihm gab es einen, der die Geschicke der Motorsport-Tätigkeiten von Mercedes steuerte. Alfred Neubauer gilt heute noch als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Daimler-Konzerns, wobei sein Karriereweg aufgrund der schwierigen politischen Verhältnisse in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein komplizierter war.

Erfahrungen mit Sascha

Neubauer wurde am 29. März 1891 in Neutitschein (heute das tschechische Novy Jicin) geboren. Seine Laufbahn begann in der österreichischen Armee. Dort war er Offizier für Automobile und sammelte seine ersten Erfahrungen. Danach wechselte er zu Austro-Daimler, wo er bei den Werken in Wien für die Einfahr-Abteilung zuständig war. Im Jahr 1922 konnte Neubauer auch wichtige Erfahrungen im Renneinsatz sammeln, als er mit dem auf "Sascha" getauften Boliden von Ferdinand Porsche antrat.

Rudolf Caracciola gehörte bei Alfred Neubauer praktisch zur Stammbesetzung - Foto: Mercedes-Benz

Gemeinsam mit Porsche ging er 1923 schließlich zur Daimler-Motoren-Gesellschaft nach Stuttgart, wo er das neue Testcenter leitete. Seine Lust am Rennsport blieb aber weiter bestehen und er hätte sich gerne als Rennfahrer bewiesen. Schnell merkte Neubauer aber, dass es talentiertere Fahrer als ihn gab und seine Stärke eher darin lag, diesen Talenten den Weg zum Erfolg zu ebnen. Außerdem wusste er durch seine eigenen Erfahrungen auf der Rennstrecke, wie einsam die Fahrer sind, wenn sie über die Strecke jagen. Das bewog ihn dazu, ein System mit Flaggen und Signaltafeln einzuführen, durch das taktische Informationen an die Fahrer übermittelt werden konnten.

Beim Solituderennen 1926 führte Neubauer schließlich den Titel des Rennleiters ein, bevor er von 1934 bis 1939 die Mercedes-Silberpfeile zu ihren zahlreichen Erfolgen führte. Einer der überraschendsten Erfolge kam dabei beim letzten Silberpfeil-Rennen in Tripolis. Nur acht Monate davor hatte die italienische Motorsportbehörde den Hubraum für Top-Monoposti für das Rennen auf 1500ccm beschränkt, was Mercedes dazu zwang, innerhalb kürzester Zeit einen neuen Motor zu entwickeln, da das bis dahin aktuelle Modell mit knapp 3000ccm ausgerüstet war.

Kriegsunterbrechung

Der Mercedes Benz W 165 wurde rechtzeitig fertig und sah wie ein maßstabsgetreu geschrumpfter Bruder des Vorgängers W 154 aus. Statt 12 hatte der Motor nur noch acht Zylinder und leistete 254 PS. Trotz der hastigen Neuentwicklung gelang Mercedes in Tripolis 1939 der souveräne 1-2-Sieg, was Neubauer mit einem stolzen Lächeln zur Kenntnis nahm.

Auch nach dem Krieg war Alfred Neubauer mit Mercedes erfolgreich - Foto: Mercedes-Benz

Danach sorgte der Zweite Weltkrieg für eine Unterbrechung aller Rennsport-Tätigkeiten bei Daimler-Benz. Für Neubauer ging es 1946 im Unternehmen weiter, da er von Generaldirektor Wilhelm Haspel angeheuert wurde, um im Mutterwerk in Untertürkheim die Arbeitsabläufe zu organisieren. Im Jahr 1950 kam Haspel dann aber mit einer anderen Idee. Er fragte Neubauer, ob er eine neue Rennabteilung aufbauen möchte und der sagte zu.

Das war der Beginn der Rückkehr von Mercedes-Benz in den Motorsport. 1952 wurde der Mercedes-Benz 300 SL Gullwing zum erfolgreichsten Sportwagen in der Drei-Liter-Klasse und bald darauf ging es auch wieder in den Formelsport, wo das Rennteam von Daimler-Benz 1954 und 1955 mit Juan Manuel Fangio die Weltmeister-Titel feiern konnte. 1955 brachte aber auch das vorläufige Ende des Motorsport-Engagements von Mercedes und damit von Neubauers Auftrag. Der schlimme Unfall in Le Mans, bei dem Mercedes-Fahrer Pierre Levegh und mehr als 80 Zuschauer ihr Leben verloren, bestärkten Mercedes darin, dem Rennsport den Rücken zu kehren.

Neubauer blieb Daimler-Benz danach weitere sieben Jahre treu, widmete sich gleichzeitig aber auch der Geschichte des Rennsports. Er veröffentlichte mehrere Bücher, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Am 21. August 1980 verstarb Neubauer in Stuttgart.


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