Formel 1 - Showdown-Analyse: Vettel gegen Alonso

Es kann nur Einen geben

Am Sonntag steht der neue Weltmeister fest. Motorsport-Magazin.com analysiert alle wichtigen Faktoren zum Duell zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso.
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Motorsport-Magazin.com - Showdown in Sao Paulo - Sebastian Vettel gegen Fernando Alonso. Wer holt beim Finale in Brasilien den WM-Titel? Motorsport-Magazin.com hat alle wichtigen Faktoren vor dem letzten Rennen des Jahres unter die Lupe genommen.

Die Ausgangslage

Die beiden Titel-Aspiranten bekleckerten sich im letzten Qualifying des Jahres nicht gerade mit Ruhm. Sowohl Vettel als auch Alonso wirkten nicht souverän und leisteten sich immer wieder kleine Fehler. "Ich hätte mit Sicherheit lieber etwas weiter vorn gestanden", sagte Vettel bei Motorsport-Magazin.com. "Im dritten Abschnitt des Qualifyings hätte ich ein wenig besser sein können." Während Vettel seinen RB8-Boliden immerhin auf Platz vier stellte, landete der Ferrari-Star wieder einmal im hinteren Teil der Top-10.

Doch erneut profitiert Alonso und rückt wegen Pastor Maldonados Strafversetzung eine Position auf P7 nach vorn. Die Rechnung ist einfach: Der Spanier muss mindestens Dritter werden, ansonsten feiert Vettel selbst bei einem Ausfall seinen dritten WM-Titel in Folge. Damit wäre er neben Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher erst der dritte Pilot in der Geschichte der Formel 1, dem dieses Kunststück gelingt.

Das Auto

Kein Geheimnis: Der RB8 ist stärker als Ferraris F2012 - sowohl auf der schnellen Runde als auch über die Renndistanz. Allerdings legt die Rote Göttin im Renntrim meist an Performance zu, doch an den Speed seines Rivalen kommt sie nicht heran. Ferraris Longruns am Freitag machten einen ordentlichen Eindruck, sind aber schwierig mit denen von Red Bull zu vergleichen - das Weltmeister-Team ist gern mit ein paar Litern mehr Benzin unterwegs. Zumindest bei Alonsos Auto besteht noch Handlungsbedarf, denn Technikchef Pat Fry meinte, dass man ihm im Vergleich zu Felipe Massa kein gleichwertiges Auto in Sachen Balance hingestellt habe.

In Interlagos fahren wir selbst bei trockener Fahrbahn mit maximalem Abtrieb, also gibt es für Regen kein Spezialprogramm.
Fernando Alonso

Interessant wird auch sein, welches Setup Red Bull und Ferrari gewählt haben. Eine extreme Abstimmung hin zu trockenen respektive nassen Bedingungen gibt es nicht. Beide Teams versuchen, den Witterungsbedingungen mit einer soliden Kompromisslösung Herr zu werden. "Heute definiert sich der Unterschied von einer Trocken- zur Regenabstimmung nur noch über die Aerodynamik", spielte Alonso die Bedeutung herunter. "In Interlagos fahren wir selbst bei trockener Fahrbahn mit maximalem Abtrieb, also gibt es für Regen kein Spezialprogramm." Er konnte sich nicht vorstellen, dass eines der Teams mit einem besonderen Regen-Setup gepokert hat.

Der Teamkollege

Verkehrte Welt in Interlagos: Sowohl Mark Webber als auch Felipe Massa qualifizierten sich vor ihren Teamkollegen. Vorteil Vettel: Der Australier startet einen Platz vor ihm aus der zweiten Reihe und sollte wieder einmal kein Hindernis darstellen. "Ich konzentriere mich auf die Dinge, die sich in meinem Cockpit abspielen. Ich werde versuchen, ein sauberes Rennen zu fahren und das bestmögliche Ergebnis zu holen", sagte Webber zwar, doch er wird keinen Ärger machen.

Wachsame Blicke vor dem Finale - Foto: Sutton

Auf der anderen Seite muss Alonso erst einmal an Nico Hülkenberg vorbei, um zu Massa aufzuschließen, der das Rennen von P5 in Angriff nimmt. Dass der Brasilianer Platz machen muss, wenn sein Teamkamerad angeschossen kommt, dürfte klar sein. Diesmal wird er sich wohl noch ein wenig mehr auf die Zunge beißen, fährt er doch vor Heimpublikum. Einen Siegelbruch wie in Austin wird es wohl nicht geben - damit hätte Massa diesmal auch ein größeres Problem. "Das werde ich nicht zulassen. Selbst wenn das Getriebe kaputt ist, dann fahre ich eben mit dem kaputten", scherzte er.

Das Wetter

Das Wetter in Sao Paulo als große Unbekannte. Regenwahrscheinlichkeiten zwischen 60 und 90 Prozent werden vorhergesagt, doch genau weiß es keiner. Vielleicht regnet es auch nur zeitweise, heftige Schauer soll es immerhin nicht geben. Diesen Faktor sieht Alonso als seine große Gelegenheit. "Unsere Chance besteht in einem Ausfall oder einem ungewöhnlichen Ereignis, zum Beispiel wenn das Rennen durch Regen beeinträchtigt wird", sagte er. "Unter normalen Bedingungen haben wir nicht den Speed, um Red Bull zu schlagen - weder hier noch in den letzten sechs Monaten."

Unter normalen Bedingungen haben wir nicht den Speed, um Red Bull zu schlagen - weder hier noch in den letzten sechs Monaten.
Fernando Alonso

Im Allgemeinen herrscht das große Wetter-Raten vor dem 20. und letzten Grand Prix des Jahres. Angeblich hat Red Bull aber einen Trick. "Wir haben, was alle anderen auch haben und dazu noch etwas Spezielles", ließ sich Helmut Marko nicht weiter in die Karten blicken. Kleines Zahlenspiel am Rande: Die Regenstatistik spricht dieses Jahr klar für Ferrari und Alonso, immerhin konnte er bei Wochenenden, die durch Regen beeinflusst wurden, 68 Punkte einfahren, während Vettel 25 Zähler holte. Diese Wochenenden waren Silverstone, Hockenheim und Malaysia, bei den ersten beiden war das Qualifying verregnet, in Sepang das Rennen.

Die Strecke

Red Bull war in den vergangenen Jahren das Ton angebende Team in Interlagos: Webber gewann 2009 und 2011, dazwischen schnappte sich Vettel den Sieg. Der letzte Ferrari-Triumph datiert aus 2008, als Massa sich den Heimsieg sicherte. Zehnmal trat Alonso bereits zum Brasilien GP an, sechsmal fuhr er auf das Podium. 2003 legte er seine größte Aufholjagd hin, als er sich im Renault von P10 auf den dritten Platz vorkämpfte. Vettel stand 2010 und 2011 auf dem Podium und startete bei insgesamt fünf Anläufen zweimal aus Reihe eins.

Das sagen die Anderen

Für Niki Lauda ist klar: Es muss schon einiges passieren, damit Alonso zum Titel fährt. "Vettel hat die besten Bedingungen und Alonso ein Riesenproblem, weil er so weit hinten steht - der hat morgen wirklich ein hartes Leben", sagte der TV-Experte bei Motorsport-Magazin.com. Die meisten Fahrerkollegen halten sich mit WM-Tipps zurück, aber die Tendenz zeigt klar in Richtung Vettel. "Man sieht Sebastian an, dass er den Druck spürt. Ich weiß nicht, wie es bei Fernando ist, aber es wird beiden so gehen", sagte Lewis Hamilton. "Sie haben beide Druck, aber Fernando muss Punkte aufholen. In Deutschland schauen sehr viele Leute Sebastian zu, er hat also sehr viele Erwartungen zu erfüllen." Vettel freut sich hingegen über die Unterstützung: "Das ist natürlich fantastisch, vielen Dank dafür! Ich hoffe, dass genug Daumen gedrückt werden, damit es klappt."


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