Formel 1 - Die Suche nach dem vermeintlichen Regen-Setup

Unterschiedliche Ansätze

Motorsport-Magazin.com begab sich in Interlagos auf die Suche nach der richtigen Abstimmung für das erwartete Regenrennen zum Saisonabschluss.
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Motorsport-Magazin.com - Die Spannung ist zum Zerreißen gespannt, denn es dauert nicht mehr lange, bis der neue Formel-1-Weltmeister endlich feststeht. Mit ebenso großer Spannung verfolgen die Teams in Sao Paulo aber auch das Wettergeschehen, da sich alle Prognosen einig sind, dass der brasilianische Himmel seine Schleusen öffnen wird und wenn er das einmal tut, sind ergiebige Regenfälle keine Seltenheit.

Die einzig offene Frage ist, wann der große Regen kommt und vor allem, wie lange er andauern wird. Manch einer geht davon aus, dass der Rennstart sogar relativ trocken über die Bühne gehen, da sich die Niederschläge auf die Nachstunden konzentrieren konnten, was den allgemeinen Erwartungen jedoch widersprechen würde. Motorsport-Magazin.com begab sich im Fahrerlager von Interlagos auf Stimmenfang und hörte sich zum Wetter, dem Thema der Stunde, um.

Regen-Setup? Was ist das?

Eine beliebte Frage der Journalisten ist dieser Tage stets jene nach dem Regen-Setup, doch die meisten Piloten antworten darauf, dass es ein solches gar nicht mehr wirklich geben würde. "Ein Regen-Setup ist eigentlich nicht mehr nötig, es geht mehr um die Aero-Einstellungen", führte Fernando Alonso aus, dem Niederschlag sehr gelegen käme, da er in einem gewöhnlichen Rennen vermutlich kaum Chancen hätte, Sebastian Vettel noch abzufangen. "Unter normalen Bedingungen haben wir nicht den Speed, um Red Bull zu schlagen - weder hier noch in den letzten sechs Monaten", machte der Spanier unmissverständlich deutlich.

Ein Regen-Setup ist eigentlich nicht mehr nötig, es geht mehr um die Aero-Einstellungen
Fernando Alonso

Auch Vettel beteuerte, dass es in der aktuellen Formel 1 kein richtiges Regen-Setup mehr geben würde, vielmehr müsse man ohnehin jederzeit Vorsicht walten lassen. Red Bulls Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko erklärte, dass man zwar vor dem Qualifying bei der Erstellung des Setups auf den erwarteten Regen Rücksicht genommen habe, doch im Zeittraining selbst hätte es verglichen mit der Pace einer Trocken-Abstimmung nur marginale Unterschiede gegeben. Dafür ließ der Österreicher mit einer anderen Aussage aufhorchen: "Wir haben, was alle anderen auch haben und dazu noch etwas Spezielles", gab er sich kryptisch.

Früher war alles anders

Gibt es nun wirklich gar keine Unterschiede mehr zwischen Trocken- und Regen-Setup? Die Reifenwahl fällt im Nassen freilich anders aus und es wird auch mit mehr Abtrieb gefahren sowie die Kühlung von Bremsen und Motor geändert. Doch geht es nach Nico Hülkenberg, sind die Umbaumaßnahmen an den Boliden bei weitem nicht mehr so umfangreich, wie sie es einst schon waren.

Unser Auto ist etwas komisch, wir müssen bei Regen nicht viel umbauen
Nico Hülkenberg

"Unser Auto ist etwas komisch, wir müssen bei Regen nicht viel umbauen", grinste der Force-India-Pilot und holte zu einem Schweifzug in die Geschichte des Motorsports aus. "Es war vor zehn Jahren oder mehr so, dass man die Fahrzeughöhe verändert, die Stabilisatoren umgebaut hat und so weiter", führte Hülkenberg aus. "Das ist heute aber alles nicht mehr so extrem."

Ganz so, wie es Hülkenberg verkaufen wollte, dürften die Dinge aber doch nicht stehen, denn schenkt man Michael Schumachers Worten vor seinem letzten Grand Prix Glauben, gibt es definitiv nicht zu vernachlässigende Unterschiede zwischen Trocken- und Regen-Abstimmung. "Wir waren zu sehr beim Programm für Nässe und das hat sich noch nicht ausgezahlt", erklärte der Kerpener seinen enttäuschenden 14. Startplatz. Wer Schumacher kennt, weiß jedoch, dass er diese Setup-Wahl nicht grundlos getroffen hat und womöglich überrascht der einst als Regengott titulierte Rekordweltmeister bei seinem Abschiedsrennen die gesamte Öffentlichkeit und stellt selbst Vettel und Alonso in den Schatten.


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