Formel 1 - Vettel vs. Alonso: Enger als es aussieht

Ferraris Longrun-Vorteil im Trockenen

Sebastian Vettel und Fernando Alonso lagen am Freitag in Brasilien näher beisammen als es die Zeitenliste aussagt. Am Sonntag dürfte aber alles Makulatur sein.
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Motorsport-Magazin.com - Vom "straightforward Friday", also dem "ganz normalen Freitag", spricht Fernando Alonso fast jedes Mal, wenn er die ersten zwei Trainings für ein Rennwochenende hinter sich gebracht hat. Das tat er auch am Freitag in Brasilien wieder, obwohl der Tag alles andere als normal war. Immerhin bereiteten sich der Spanier und sein Kontrahent Sebastian Vettel im Trockenen auf einen Titelshowdown vor, der wohl im Nassen ausgetragen werden wird. Damit könnten die Longrun-Daten des zweiten Trainings relativ irrelevant werden, wenn es am Sonntag ins Rennen geht.

Beste Runde auf längerem Run

Interessant waren sie dennoch, fühlte sich Ferrari auf der Old-School-Strecke von Interlagos doch viel wohler als zuletzt und konnte mit volleren Tanks gute Zeiten fahren. Mit wenig Benzin war Alonso zwar nur auf Platz fünf zu finden und hatte 0,566 Sekunden Rückstand auf Lewis Hamiltons Bestzeit, doch diese Zeit hatte er gegen Ende eines längeren Runs gefahren und nicht nur über eine heiße Runde. Angesichts der Länge seiner Ausfahrt musste er Sprit für zumindest sieben Runden an Bord haben, als er seine beste Zeit fuhr. Damit hätte er über eine Runde wohl Vettels Pace gehen können, sollte der Deutsche bei seinem schnellen Run wirklich nur für wenige Umläufe Sprit im Tank gehabt haben.

Wir haben noch nicht die ideale Fahrzeugbalance gefunden
Fernando Alonso

Auf den Longruns war dann Felipe Massa der Datenanalyse zufolge der Schnellste, wobei er auf den Medium-Reifen unterwegs war und Alonso mit den harten Gummis fuhr. Der harte Reifen war allerdings nicht ideal für die heißen Bedingungen geeignet, da er bei den hohen Streckentemperaturen nicht ins richtige Arbeitsfenster kam, rutschte und rasch überhitzte. Dennoch sahen beide Ferrari-Longruns sehr konstant aus. Sollte es am Sonntag trocken bleiben, wäre aber wohl in jedem Fall der Medium-Reifen der bevorzugte, der in den ersten beiden Stints gefahren wird, bevor im kurzen dritten Stint der harte Reifen zum Einsatz kommt.

Auf beiden Seiten geht noch mehr

Wie genau diese ganzen Berechnungen sind, ist aber wie immer relativ unklar, da Red Bull dafür bekannt ist, am Freitag gerne mehr Benzin mitzuführen, um seine eigentliche Pace zu verschleiern. Zufrieden schien mit dem Freitag aber ohnehin noch keiner der beiden Titelanwärter zu sein. "Wir haben noch nicht die ideale Fahrzeugbalance gefunden", meinte Alonso. Vettel sagte: "Wir können uns noch stark steigern, es gibt da noch unheimlich viel. Die Frage ist nur, wie viel wirklich noch drin ist. Vom Gefühl her geht noch etwas, aber weil es so heiß ist, haben alle das Problem, dass es sehr rutschig und das Auto sehr nervös ist - vor allem auf der Hinterachse."

Beide waren noch nicht ganz zufrieden - Foto: Sutton

Derlei Erkenntnisse dürften laut Wetterprognosen aber ohnehin nur für das Qualifying von Belang sein. Beinahe jeder geht davon aus, dass am Sonntag mit Regenreifen oder Intermediates gefahren werden muss, weswegen Reifen-Überlegungen abseits des Zeitfahrens am Samstag wohl überflüssig werden dürften - gemacht werden müssen sie für den Fall der Fälle natürlich trotzdem. Die Regenstatistik spricht dieses Jahr klar für Ferrari und Alonso, immerhin konnte er bei Wochenenden, die durch Regen beeinflusst wurden, 68 Punkte einfahren, während Vettel 25 Zähler holte. Diese Wochenenden waren Silverstone, Hockenheim und Malaysia, bei den ersten beiden war das Qualifying verregnet, in Sepang das Rennen.

Halbe Punkte als WM-Killer

Allerdings fanden diese Rennen vor dem Leistungssprung bei Red Bull nach der Sommerpause statt, wie gut Red Bull nun also wirklich im Regen ist und ob Ferrari seine Regenform gehalten hat, steht in den Sternen. Vettels beste Chancen im Fall von Regen sehen so aus, dass er entweder die Pole holt und dank freier Sicht ohne Gischt allen auf und davon fährt, oder dass es so stark regnet, damit das Rennen vor drei Vierteln der Distanz abgebrochen werden muss. Dann würden nur halbe Punkte vergeben und selbst mit einem Sieg hätte Alonso keine Chance.

Unsere Ziele sind klar, aber auch schwierig zu erreichen
Fernando Alonso

Mit derartigen Überlegungen beschäftigte sich der Spanier aber keineswegs, denn er glaubt weiter fest an seine Chance. "Wir wissen, dass wir 14 Punkte mehr holen müssen als Vettel und dürfen die gleiche Punkteanzahl nicht verlieren, um den zweiten Platz vor McLaren zu halten", betonte er. "Unsere Ziele sind demnach klar, aber auch schwierig zu erreichen." Bei Vettel lag der Fokus vorerst anderswo. "Der Fokus am Freitag liegt auf uns", sagte er. "Was andere machen, ist nicht wichtig. Wir wissen, was wir verbessern müssen, und da gibt es noch eine Menge."


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