Formel 1 - Blog - Vettels Strafe und ihre Auswirkungen

Deswegen ist die WM nicht entschieden

Sebastian Vettel muss in Abu Dhabi von ganz hinten starten, noch ist es aber zu früh, um den WM-Kampf mit dramatischer Orchestermusik zu unterlegen.
von

Motorsport-Magazin.com - Lästig war die Warterei, bis die Stewards in Abu Dhabi endlich entschieden hatten, ob sich Sebastian Vettel eines Vergehens schuldig gemacht hat oder nicht. Vor allem die britischen Kollegen nutzten diese Zeit, um das Drama derweil in ungeahnte Höhen zu treiben; gar vom großen Wendepunkt im WM-Kampf war die Rede, Eddie Jordan meinte sogar, hier wird die Formel-1-Geschichte verändert. So dramatisch ist die Sache aber eigentlich noch nicht, auch wenn die Rückversetzung ans Ende der Startaufstellung klarerweise eine harte Strafe ist, nachdem man sich auf Startplatz drei gefahren hat.

Noch ist nichts passiert

Aus WM-Sicht ist die Sache ganz einfach: während Vettel am Ende des Feldes steht, geht Fernando Alonso als Sechster ins Rennen. Sollte es so ins Ziel gehen - was es nicht wird - hätte Alonso acht Punkte auf Vettel aufgeholt, würde also immer noch fünf Zähler hinter dem Deutschen liegen. Wo ist da also der große Umschwung in der Weltmeisterschaft? Wo wird da Geschichte geschrieben? Bislang heißt die Strafe einfach nur, dass sich die Ausgangsposition für das Rennen verändert hat, in der Weltmeisterschaft ist deswegen aber noch genau gar nichts passiert.

Vorerst ist Fernando Alonso in der besseren Ausgangssituation - vorerst - Foto: Sutton

Nun ist es natürlich so, dass Alonso für Sonntag die bessere Ausgangsposition hat, wenn er von Platz sechs ins Rennen geht und sein WM-Kontrahent von ganz hinten. Sollte der Spanier wieder eines seiner in diesem Jahr üblicherweise starken Rennen auspacken, wird er Positionen gutmachen und es möglicherweise bis auf das Podest schaffen. Vettel wird klarerweise froh sein können, überhaupt Punkte zu holen. Sein Red Bull ist nicht gerade ein Top-Speed-Monster, was beim Überholen keine besondere Hilfe ist, gestoppt werden dürfte nicht sehr oft, was bei der Strategie auch keine großen Möglichkeiten einräumt.

In jedem Fall noch alle Chancen

Als Lewis Hamilton dieses Jahr in Barcelona nach dem Qualifying ebenfalls mit zu wenig Benzin erwischt wurde, schaffte er es von ganz hinten noch auf Rang acht, was immerhin noch vier Punkte bringen würde. So oder so, selbst im Extremfall, also einem Sieg von Alonso und einem punktelosen Rennen für Vettel, würde die WM-Führung zwar wechseln, aber der Spanier zwölf Punkte vorne liegen - also einen Punkt weniger als Vettel jetzt. Das ist in zwei Rennen aus eigener Kraft aufzuholen und dank der größeren Zahl an Siegen wäre der Red-Bull-Pilot Weltmeister.

Lewis Hamilton fuhr in Barcelona von ganz hinten auf Platz acht - Foto: Sutton

Ohne ihm etwas Schlechtes wünschen zu wollen, ist aber auch nicht gesagt, dass Alonso das Rennen so einfach übersteht. Am Sonntag kann in Abu Dhabi noch alles passieren und den Fans ist mit der Strafe ein kleines Geschenk gemacht worden. Denn der Yas Marina Circuit galt bislang nicht unbedingt als der aufregendste Kurs, auch wenn das WM-Drama 2010 das überdeckt hat - wobei Alonso hinter Vitaly Petrov gleichzeitig demonstrieren konnte, warum es in Abu Dhabi eher Prozessionen gibt. Diesmal wird Vettel versuchen, vom Ende des Feldes die Raketen zu zünden und durch das Feld zu pflügen. Dabei kann er auch gleich all seinen Kritikern zeigen, dass er nicht nur vorneweg gut fahren kann. Das könnte ganz lustig zu beobachten sein und wenn die 55 Runden dann vorbei sind, werden wir wirklich wissen, ob die Strafe vom Samstag irgendwas am WM-Kampf verändert hat.


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x