Formel 1 - Kolumne - Bruno Senna

Singapur fühlt sich entspannter an

Bruno Senna blickt auf das Wochenende in Monza zurück und hofft, auf eine Steigerung in der Nacht von Singapur.
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Motorsport-Magazin.com - Dass ich in Monza am Ende durch das Pech von Daniel Ricciardo, dem der Sprit ausging, noch einen Punkt geholt habe, kann man schon als Erfolg sehen, denn erstens waren wir dort einfach nicht so schnell wie auf einigen anderen Strecken - Low Downforce ist einfach nicht das Optimale für den Williams. Und dann ist gerade am Freitag bei mir auch noch technisch ziemlich viel schiefgegangen, ich hatte am Nachmittag so viele Probleme, dass die ganze Session fast wertlos war und ich praktisch am Samstag mit allem noch einmal von vorne anfangen musste.

Und im Rennen habe ich durch den Rempler von Paul di Resta nicht nur einen Platz, sondern auch viel Zeit verloren, die Aktion, mit vollem Tempo über die Kerbs zu müssen, hat natürlich auch den Reifen nicht gutgetan. Das wirkt sich auf die folgenden Runden aus, gerade, wenn es bei einer Ein-Stopp-Strategie sehr darauf ankommt, die Reifen zu schonen.

Im Nachhinein gesehen war unsere Strategie nicht optimal, ich bin wohl mindestens zwei Runden zu spät reingekommen und habe dadurch viel Zeit verloren. Aber nach der Erfahrung von Spa hatten wir Bedenken, ob der harte Reifen am Ende wirklich halten würde, wenn wir früher wechseln... Das sind Dinge, aus denen wir lernen müssen - auch ich, die Reifen noch exakter einzuschätzen, dabei aber auch vielleicht manchmal noch mehr auf mein Gefühl zu hören.

Singapur als High-Downforce-Strecke ist das genaue Gegenteil zu Monza.
Bruno Senna

Jetzt, am Montag, bin ich schon auf dem Weg nach Singapur - ich fliege diesmal ziemlich zeitig, weil auch noch einige Sponsorentermine anstehen. Singapur als High-Downforce-Strecke ist das genaue Gegenteil zu Monza - und aller Theorie nach sollte uns das besser liegen, außerdem bekommen wir dort noch einmal ein paar Updates.

Die Vorbereitung auf Singapur ist immer darauf ausgerichtet, das natürliche Gefühl, in der Nacht müde zu werden, ein bisschen auszutricksen. Das ist ein ganz besonderer psychologischer Effekt, auf den man eingehen muss. Das heißt, dass man eben zum Beispiel spät nachts noch trainieren geht. Ich war schon öfters um zwei oder um drei Uhr noch im Gym - damit ich nicht "zu früh" ins Bett gehe, sondern erst so gegen fünf, halb sechs - um dann mindestens bis um eins zu schlafen, dann ein bisschen was zu essen und an die Strecke zu fahren. Nur so ist man zu den Trainings- und Rennzeiten wirklich optimal fit und hellwach.

Das Interessante ist, dass einem trotz dieser merkwürdigen Zeiten das Singapur-Wochenende aus irgendwelchen Gründen entspannter und lockerer vorkommt als die meisten anderen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Tage, die reine Arbeitszeit, kürzer sind. Das geht nicht nur mir so, das habe ich zum Beispiel auch schon von vielen Mechanikern gehört. Ich mag das Rennen jedenfalls ausgesprochen gerne.

Bruno Senna hofft auf ein trockenes Wochenende - Foto: Sutton

Dass wir unter Flutlicht fahren, ist auch kein Problem. Vor allem nicht das Licht an sich, das ist auf jeden Fall hell genug. Wenn, dann sind es an einigen Stellen Schatten, die entstehen, weil die Scheinwerfer nicht direkt an der Strecke sind, irgendeine Mauer einen Schatten wirft - und das irritiert. Man denkt manchmal, dass die Strecke vielleicht schmutzig ist, dass irgendetwas sein könnte - und dann ist es schwierig, das Vertrauen zu haben, voll am Gas zu bleiben. Ich verwende auch keine speziellen Visiere, nur ein ganz normales helles. Man muss allerdings mit den Folien der Abreißvisiere noch mehr aufpassen als sonst, dass die ganz exakt aufgeklebt sind, sonst kann es böse Reflexionen geben, die dann ziemlich stören.

Was wir noch nicht hatten, war richtiger Regen während des Rennens, nur mal eine nasse Strecke im Training - und das war auch schon nicht einfach, weil man durch den niedrigen Grip und die geringen Kräfte, die dort auf die Reifen einwirken, den Gummi einfach nicht richtig auf Temperatur bekommt und weil man beim geringsten Ausrutscher in der Mauer hängt. So viel Wasser, dass es richtig Gischt gibt, habe ich allerdings noch nicht erlebt, wie das mit der Sicht aussehen würde, ist eine andere Frage, das könnte schon problematisch werden. Hoffen wir mal, dass es auch diesmal nicht regnet!

Euer Bruno Senna

Unterschrift von Bruno Senna


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