Formel 1 - Piloten sicher: Die Cockpithaube kommt

Gespaltenes Fahrerlager

Motorsport-Magazin.com hat sich in Monza umgehört: Wie stehen die Fahrer zur Cockpithaube. Es herrscht Uneinigkeit, aber einige sind sicher: die Haube kommt.
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Motorsport-Magazin.com - Hand in Hand mit der Sicherheitsdebatte in der Formel 1 geht das Konzept der Cockpithaube. Ob Felipe Massas Federn-Unfall in Ungarn oder zuletzt der Start-Crash in Spa-Francorchamps: der Kopfschutz wird immer zum Thema, sobald es einen Zwischenfall gab. Motorsport-Magazin.com hat sich in Monza im Fahrerlager umgehört, was die Beteiligten von der Cockpitkuppel halten - die Meinungen gehen stark auseinander. Michael Schumacher würde das Sicherheitskonstrukt etwa begrüßen.

"Geschlossene Cockpits müssen die Zukunft sein", meint der Rekord-Weltmeister. "Viel wurde in die Sicherheit der Cockpits investiert, wenn man sich einmal anschaut, wie sich die Formel 1 über die Jahre entwickelt hat. Aber die einzige exponierte Position ist die Cockpitöffnung, wo der Kopf herausschaut." Der Start-Unfall in Belgien, als Romain Grosjean recht knapp über Fernando Alonsos Auto flog, hätte gezeigt, dass ein Unfall bei falschem Timing fatale Konsequenzen nach sich ziehen könne. Die Verantwortlichen des Sports sind seit Jahren bemüht, die Formel 1 so sicher wie möglich zu gestalten - ein Restrisiko ist allerdings nicht auszuschließen.

Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Man wird die Sicherheit steigern, aber es gibt immer noch Schwachstellen.
Michael Schumacher

"Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben", sagt Schumacher. "Man wird die Sicherheit steigern, aber es gibt immer noch Schwachstellen. Die Formel 1 hat sich nach 1994 rapide verändert und verbessert, die Cockpiterhöhung war ein riesiger Schritt. Jetzt kommt die nächste Hürde." Seit mehr als einem Jahr befasst sich eine technische Gruppe mit dem System der Cockpithauben und lotet mögliche Schwächen aus. Dass bei diesem Prozess keine voreiligen Entscheidungen getroffen werden sollten, glaubt Monisha Kaltenborn.

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"Man muss alles prüfen, bevor man einen Schnellschuss setzt", fordert die Sauber-Geschäftsführerin. "Eine Cockpithaube wäre mit Sicherheit sehr ungewohnt, ich sehe noch viele Fragen ohne Antworten. Ich glaube nicht, dass wir uns in einer Situation befinden, in der man sofort handeln sollte." Damit meint Kaltenborn die üblichen Bedenken in Bezug auf die Haube: Wird dem Fahrer dadurch nicht das Aussteigen erschwert, beispielsweise bei einem Überschlag? Muss ein zusätzliches Kühlsystem eingebaut werden und sollte die Cockpithaube dann nicht auch in allen Nachwuchsserien eingesetzt werden?

Neben diesen Fragen spielt die Optik eine nicht unwesentliche Rolle: Wie würde etwa der Zuschauer auf ein geschlossenes Formelauto reagieren? "Ich bin kein Fan davon, weil es nicht schön aussieht", gibt Sebastian Vettel ehrlich zu. "Aber mit dieser Einstellung wären die Autos und die Sicherheitsstandards nicht die, die sie heute sind." Großen Aufruhr gab es etwa zu Saisonbeginn, als die F1-Autos der aktuellen Generation als Schnabeltiere und Entenautos bezeichnet wurden - im Vordergrund dieser optisch markanten Änderung stand der Sicherheitsgedanke.

Die Autos könnten damit auch ganz gut aussehen, so total aerodynamisch, futuristisch.
Felipe Massa

"Optik sollte eine untergeordnete Rolle spielen", sagt Schumacher. "Die Nasen waren zu Beginn des Jahres auch ein großes Thema, aber zuletzt hat niemand mehr darüber gesprochen. Man gewöhnt sich daran und es hat einen Grund, warum das so ist." Während Nico Hülkenberg meint, dass die Haube der Formel 1 einiges an Charme nehmen würde, kann sich Felipe Massa mit dieser Idee durchaus anfreunden. "Die Autos könnten damit auch ganz gut aussehen, so total aerodynamisch, futuristisch", sagt der Ferrari-Pilot. "Aber es müssen natürlich noch einige Dinge geklärt werden, zum Beispiel dass es für die Fahrer darunter nicht zu heiß wird."

Dass die Kuppel Einzug halten wird in die Königsklasse des Formelsports, davon ist Vettel überzeugt. "Ich bin kein großer Fan von Cockpitkuppeln, aber für die Zukunft wird es wohl unvermeidbar sein", so der amtierende Weltmeister. "Wenn man die Chance hat, es sich auszusuchen, wenn gerade ein anderes Auto angeflogen kommt, wählt sicherlich jeder das geschlossene Cockpit. Aus Sicherheitssicht wird es also wohl nicht mehr lange dauern, bis wir das haben." Doch bis es wirklich soweit ist, gibt es noch einiges auszusortieren, wie Kamui Kobayashi anfügt: "Ein geschlossenes Cockpit birgt Risiken. Bei einem F1-Monocoque kannst du zum Beispiel keine Tür öffnen nach einem Unfall. Ich weiß nicht, wie man so etwas umsetzen kann, Motor und Tank machen alles sehr eng."


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